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Josep M. Fonalleras
August & Gustau

In der Abteilung »Verlorene Teile«

Josep M. Fonalleras | August & Gustau
Josep M. Fonalleras
August & Gustau
Roman
Aus dem Katalanischen von Monika Lübcke
München: A1 Verlag 2007

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Das größte Puzzle-Spiel der Welt besteht angeblich aus 24.000 Teilen und wird vom katalanischen Spieleverlag Educa angeboten. Bei einer solchen Menge an Pappstücken kann es natürlich passieren, dass man das eine oder andere verliert. In diesem Fall hat Educa ein einmaliges Serviceangebot. Bei der Abteilung „piecas perdidas“ kann man verloren gegangene Teile nachbestellen. Man muss nur die genaue Position des Stücks im Ganzen benennen.

Ähnlich einem Puzzle funktioniert auch der Roman August & Gustau von Josep M. Fonalleras. Die Handlung an sich ist übersichtlich: Ein Museumswärter verliebt sich in eine für ihn unerreichbare Nachttänzerin, er grämt sich und beschließt, sich umbringen zu lassen. Die zwei eher tollpatschigen Killer müssen nach einem ausgetüftelten Plan vorgehen, der damit beginnt, dass der Museumsangestellte zunächst ein Puzzle zusammensetzen muss, das genau das Bild abbildet, dass er tagein, tagaus im Museum bewacht. Es handelt sich um Das Atelier des Apelles des flämischen Rubens-Schülers Willem van Haecht und bietet einen albumgleichen Einblick in ein Atelier mit zahlreichen Gemälden. In diesem Panoptikum der Einzelgemälde sieht er sein eigenes Leben gespiegelt, nicht so sehr die Dinge, die tatsächlich passiert sind – so aufregend ist ja sein Leben nicht –, sondern die Möglichkeiten, die es birgt.

Fonalleras gelingt es nun durch das Arrangement der einzelnen Teile eine besondere Atmosphäre, wenn nicht sogar Spannung aufzubauen. Er erzählt uns die Geschichte in 38 äußerst knappen Kapiteln, die chronologisch durcheinander geraten sind. Dabei steht das Bild van Haechts (der Verlag liefert dankenswerterweise eine Abbildung auf der Rückseite des Umschlages mit) im zentralen Mittelpunkt, auf die die Erzählung immer wieder zurückgeführt wird. Es ist ein schönes Spiel, das Fonalleras eingefallen ist, und dabei herausgekommen ist ein kleines überraschendes Buch. Ob der Autor auch einen Service für vermisste Kapitel bietet?
Josep Maria Fonalleras, geboren 1959 in Girona (Katalonien/Spanien), arbeitet als freier Schriftsteller und Kolumnist. Er veröffentlichte Romane und Erzählungen und wurde mehrfach ausgezeichnet. Fonalleras gilt als eine Instanz innerhalb der zeitgenössischen katalanischen Literatur. Seine von der Kritik hochgelobten Short Storys wurden in Stil und Struktur mit J. D. Salinger und Witold Gombrowicz verglichen. Fonalleras lebt in Girona.

Adrian Kasnitz     17.02.2008    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen  empfehlen

Adrian Kasnitz
Lyrik