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Eine Reihe zur US-amerikanischen Lyrik
Herausgegeben von Annette Kühn & Christian Lux

John Ashbery
America the Lovely

If it's loveliness you want, here, take some,
hissed the black fairy. Waiting for the string quartet.,
on the corner, denatured I wondered what the heck.
I'll have some too. They call it architecture,
I was told. Anything to sift the discerning
from the mob-capped mob, their stiffened fright wigs
marching against the breeze improbably back
into colonial dreams and days. See that polecat?
He's yours, if you want it. Only be careful what you ask for,
she warned. Here in hither Tartarus we have names
for jerks like you. Flustered, I released the emergency brake,
turned to warn the approaching others.

This was the real thing:
The flash comes handily, signs of its musing scattered next day
like hoarfrost. The glittering, the of-two-minds
pause to share a winter pear and notes on decomposition
glued to the door of the fridge.
Was it for this we journeyed so far
by prairie schooner from reassuring Pennsylvania?
Believe the nights are bleak now,
though perhaps no more than our earliest attempts
at love poetry in a house across the street.
Pagans do combat with other pagans,
men with two hyphenated names block access
to the embarcadero.
Palinodes charm our hearing
as new strictures emerge in the ruckus, belike, betimes.

Then it too went away.



  Amerika, die Liebreizende


Falls es Liebliches ist, wonach Du suchst, hier, nimm,
zischte die schwarze Fee. Da ich auf das Streicherquartett
an der Ecke wartete, denaturiert, dachte ich mir, was soll's.
Ich probier auch davon. Sie nennen es Architektur,
hab ich gehört. Irgendetwas um die Empfänglichen
aus dem Hauben tragenden Mob zu sieben, ihre gesteiften Perücken
marschieren unwahrscheinlich gegen die Brise zurück
in koloniale Träume und Tage. Siehst du diesen Wiesel?
Er ist deiner, wenn du ihn willst. Nur Vorsicht mit dem, was Du dir wünscht,
warnte sie. Im hiesigen Tartaros haben wir Namen
für Tölpel wie Dich. Aufgelöst zog ich die Notbremse,
und wandte mich um, die nahenden anderen zu warnen.

Das also war das entscheidende Ding:
Der Blitz kommt geschmeidig, die Spuren seiner Grübelei überzogen den folgenden Tag
wie Raureif. Das Funkelnde, das »konträre-Gedanken«
pausierte um eine Winterbirne und Anmerkungen über Zersetzung zu teilen,
die an der Tür des Kühlschranks klebten.
Sind wir dafür so lange mit einem Planwagen
aus dem beruhigenden Pennsylvania hierher gereist?
Glaube nun sind die Nächte blank
wenn auch vielleicht nicht mehr als bei unseren ersten Versuchen
mit Liebesgedichten in einem Haus auf der anderen Seite der Straße.
Heiden kämpfen mit anderen Heiden,
Männer mit Bindestrichnamen blockieren den Zugang
zum Embarcadero.
Palinodien schmeicheln sich in unser Gehör,
während neue Verengungen aufkommen im Gedröhn, mag sein, beizeiten.

Dann ging auch das vorbei.

Übersetzung: Christian Lux. Aus: A Worldly Country, Ecco/HarperCollins, 2007

John Ashbery (* 1927)


GNU-Lizenz
Der wohl zurzeit wir­kungs­mächtigste zeit­genös­sische US-Lyriker wurde in Rochester, New York geboren und studierte in Harvard und an der Columbia University. In Harvard lernte John Ashbery die Lyriker Kenneth Koch, Frank O’Hara, Robert Creely wie auch Robert Bly kennen und befreundete sich mit Koch und O’Hara. Die drei gelten heute gemeinsam mit James Schuyler und Barbara Guest als Gründer der sogenannten New York School, die als treibende Kraft New York in den frühen 50er Jahren zum Epi­zentrum von Lyrik und Malerei (u.a. de Kooning, Pollock, Fairfield Porter, Jane Freilicher) machte und als Weg­bereiter der Language School und anderer Strömungen postmoderner Lyrik gilt.

Während die meisten Dichter der New York School wie auch andere bedeutende Lyriker in der breiten Öffent­lichkeit kaum Beachtung finden, O’Hara früh verstarb und manchen als unvollendeter Lyriker gilt und Kenneth Koch zeitlebens als Clown im Avantgarde­kostüm verunglimpft wurde, tritt Ashbery in den 60er und 70er Jahren mit seinen beiden berühmtesten Gedichtbänden »The Tennis Court Oaths« und »Self-Portrait in a Convex Mirror« einen Triumphmarsch durchs literarische Establishment an. Harold Bloom und Helen Vendler, die einfluss­reichen Torhüter der US-amerikanischen Lyrik haben früh und vehement die Bedeutung Ashberys propagiert und seine Durchsetzung befördert.

Ashbery ist trotz und inzwischen wohl auch wegen seiner zahlreichen Aus­zeichnungen und seines Einflusses umstritten. Seine Lyrik gilt selbst Bewunderern als ungemein schwierig, seine Gegner halten ihn für un­ver­ständlich oder gar leser­feindlich. Ashbery wird ins­besondere von den Anhängern des New Formalism sowie von den für »Accessi­bility« (Zugäng­lichkeit) von Lyrik streitenden Anhängern der Gedichte Billy Collins (zumeist durch Kritik an seinen Schülern) angegriffen. Seine Apologeten aber sind in der Überzahl: bereits 1956 wählte ihn W. H. Auden für den Yale Younger Poets Prize für »Some Trees«, 1976 wurde Ashbery der Pulitzer Preis sowie der National Book Award für »Self Portrait in a Convex Mirror« verliehen, das zuvor bereits mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet worden war, 1985 wurde ihm für »A Wave« der Bollingen Prize zugesprochen, 1995 die Frost Medal, 2001 folgte der hochdotierte Wallace Stevens Award, der von der Academy of American Poets verliehen wird, der er für viele Jahre vorgestanden hatte. Außerdem ist er einer von nur drei lebenden Lyrikern – W. S. Merwin und Richard Wilbur sind die anderen beiden –, die die Gold Medal for Poetry der American Academy of Arts and Letters bekamen. Ashbery lehrt am Bard College.
Lyrik

Turandot and Other Poems, 1953 – Some Trees, 1956 [Yale Younger Poets Prize] – The Tennis Courth Oath, 1962 – Rivers and Mountains, 1966 – The Double Dream of Spring, 1970 – Three Poems, 1972 – Vermont Notebook, 1975 – Self Portrait in a Convex Mirror, 1975 [Pulitzer Prize, National Book Award, National Book Critics Circle Award] – Houseboat Days, 1977 – As We Know, 1979 – Shadow Train, 1981 – A Wave, 1984 [Leonore Marshall Poetry Prize] – April Galleons, 1987 – The Ice Storm, 1987 – Flow Chart, 1991 – Hotel Lautréamont, 1992 – And the Stars Were Shining, 1994 – Can You Hear, Bird? – Wakefulness, 1998 – Girls on the Run, 1999 – Your Name Here, 2000 – As Umbrellas Follow Rain, 2000 – Chinese Whispers, 2002 – Where Shall I Wander, 2005 – A Worldly Country, 2007

Übersetzungen

Selbstporträt im konvexen Spiegel: Gedichte 1956-1977. Aus dem Amerikanischen vin Christa Cooper und Joachim Sartorius. München, Wien: Hanser. 1977 – Eine Welle: Gedichte (1979-1987). Aus dem Amerikanischen von Joachim Sartorius. Mit einem Nachwort von Klaus Martens. München, Wien: Hanser. Edition Akzente. 1988 – Hotel Lautreamont. Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Erwin Einzinger. Salzburg, Wien: Residenz. 1995 – Und es blitzten die Sterne: Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Erwin Einzinger. Salzburg, Wien: Residenz. 1997 – Mädchen auf der Flucht. Ausgewählte Gedichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Joachim Sartorius. München, Wien: Hanser. Edition Akzente. 2002 – Die Liebeszinsen. Nachdichtungen von Erwin Einzinger. Neumarkt: Reche. Edition Refugium. 2006 – A Worldly Country, Ü: Gerhard Falkner, Matthias Göritz, Norbert Lange, Jan V. Röhnert, Joachim Sartorius, Jan Wagner, Ron Winkler u. a., luxbooks 2010

Literatur

Bloom, Harold: Figures of Capable Imagination – Epstein, Andrew: Beautiful Enemies: Friendship and Postwar American Poetry, 2006 – Lehman, David: The Last Avant-Garde: The Making of the New York School of Poets, 1998 – Longenbach, James: Ashbery and the Individual Talent, in: American Literary History 9, no. 1: 105., 1997 – Perloff, Marjorie: Normalizing John Ashbery, 1998 – John Ashbery. Ed. by Harold Bloom, New York, 1985 – Beyond Amazement: New Essays on John Ashbery. Ed. by David Lehman, Ithaca, NY, 1979

Auszeichnungen

Shelley Memorial Award 1972 – National Book Award 1976 – National Book Critics Circle Award 1975 – Pulitzer Prize 1976 – Bollingen Prize 1985 – Ruth Lilly Poetry Prize 1992 – Frost Medal 1995 – Gold Medal from the American Academy of Arts and Letters 1997 – Wallace Stevens Award 2001

 

Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen      14.10.2009

 

 

 
 
AMERICANA
  John Ashbery
    Einleitung
1   John Ashbery
  2   Rae Armantrout
  3   Rachel Zucker
  4   Peter Gizzi
5   Jack Spicer
6   Bob Perelman
7   Laura Kasischke
8   Kevin Prufer
9   Frank O'Hara
10   Forrest Gander
11   Matthea Harvey
12   Matthew Zapruder
13   Robert E. Hayden
14   Kenneth Koch
15   Billy Collins
16   Meghan O’Rourke
17   John Berryman
18   Bernadette Mayer
19   Albert Goldbarth
20   Dan Chiasson
21   Charles Olson