poetenladen    poet    web

●  Sächsische AutobiographieEine Serie von
Gerhard Zwerenz

●  Lyrik-KonferenzDieter M. Gräf und
Alessandro De Francesco

●  UmkreisungenJan Kuhlbrodt und
Jürgen Brôcan (Hg.)

●  Stelen – lyrische GedenksteineHerausgegeben
von Hans Thill

●  Americana – Lyrik aus den USAHrsg. von Annette Kühn
& Christian Lux

●  ZeitschriftenleseMichael Braun und
Michael Buselmeier

●  SitemapÜberblick über
alle Seiten

●  Buchladenpoetenladen Bücher
Magazin poet ordern

●  ForumForum

●  poetenladen et ceteraBeitrag in der Presse (wechselnd)

 


americana@poetenladen

Eine Reihe zur US-amerikanischen Lyrik
Herausgegeben von Annette Kühn & Christian Lux

Rae Armantrout
Scumble

What if I were turned on by seemingly innocent words such as “scumble,” “pinky,”
or “extrapolate?”

What if I maneuvered the conversation in the hope that others would pronounce
these words?

Perhaps the excitement would come from the way the other person touched them
lightly and carelessly with his tongue.

What if “of” were such a hot button?

“Scumble of bushes.”

What if there were a hidden pleasure
in calling one thing
by another’s name?


  Schummern


Angenommen, mich törnen scheinbar unschuldige Wörter an wie „schummern“, „pink“, oder „extrapolieren“.

Angenommen, ich steuere Gespräche so, dass andere diese Wörter sagen?

Womöglich läge der Reiz in der Art und Weise, wie andere sie ganz leicht, fast beiläufig nur mit der Zunge berühren.

Angenommen die Kombination „wie von“ wäre so ein Kitzler?

„Schummern wie von Gebüsch“.

Angenommen, die geheime Lust
läge darin, das eine
beim Namen des anderen zu nennen?

Übersetzung: Matthias Göritz und Uda Strätling. Aus: Narrativ, luxbooks 2009

Rae Armantrout (* 1947)


(c) Stephanie Elliott
Die in Vallejo, Kalifornien geborene Rae Armantrout ist eine der bedeu­tends­ten Ver­tre­terin­nen der Language School. Arman­trout studierte in Berkley bei Denise Levertov und lehrt heute als Profes­sorin für Literatur an der University of California in San Diego.

Ihre Zugehörigkeit zur Language School muss aufgrund der zahlreichen Abweichungen als lose bezeichnet werden. Ihre Poetik ist sinnlicher, lyrischer – im tradi­tionellen Verständnis des Begriffs – als die eher intel­lektuellen, zuweilen trockenen Expe­rimente ihrer Kollegen. Mitte der 70er Jahre freundete sie sich mit den Language-Poets Ron Silliman, Lyn Hejinian, Bob Perelman, Charles Bernstrein, Susan Howe an. Silliman selbst stellt sie in Tradition mit Emily Dickinson und William Carlos Williams und betont – wenn auch wohlmeinend – die Distanz zu ihm selbst wie auch die zu den üblicher­weise als Vorreitern der Language Poets angesehenen Charles Olson, Denise Levertov und Lorine Niedecker.

Armantrout bezieht ihre Inspiration zum einen aus ihren Kind­heits­erfahrungen, ihrer von ihr als belastend empfundenen religiösen Erziehung, auch aus Versatzstücken aus Märchenwelten und zum anderen aus den medialen Strömen: Popkultur wie wissen­schaftliche Lektüre, Werbeslogans wie Alltags­gegen­stände werden von ihr versammelt und fließen in ihre Gedichte. Im Unterschied zu Frank O’Hara jedoch, der seine Gedichte auf Servietten im Alltags­geschehen schrieb und – so die Legende – zumeist nie wieder ansah, wird von Armantrout berichtet, dass sie über Wochen, Montate und Jahre hinweg an ihren Gedichten weiterarbeitet. Ihr Werk ist häufig anthologisiert worden, u.a. in der wegweisenden Language-School-Zwischenbilanz Sillimans „In the American Tree“, eine frühe umfangreiche Versammlung der wichtigsten Lyriker der Language Poets. Von John Ashbery (1988), Robert Hass (2001), Lyn Hejinian (2004) und von Heather McHugh (2007) wurde sie in die einfluss­reiche, jährlich erscheinende Anthologie „The Best American Poetry“ aufgenommen. Ihre Gedichte erscheinen zudem in „Poetry“, dem ange­sehensten Zentral­organ us-amerikanischer Dichtung, im New Yorker. Ihr Band „Next Life“ wurde von der New York Times zu den 100 wichtigsten Büchern 2007 gezählt, eine Liste, auf der tradi­tionell nur wenig Lyrik­sammlungen auftauchen.
Lyrik

Extremities, 1978 – The Invention of Hunger, 1979 – Precedence, 1985 – Necromance, 1991 – Couverture, 1991 – Made to Seem, 1995 – Veil: New and Selected Poems, 2001 – The Pretext, 2001 – Up to Speed, 2004 – Next Life, 2007

Übersetzungen

Narrativ. Ausgewählte Gedichte, übersetzt von Uda Strätling und Matthias Göritz, luxbooks 2009

Literatur

Beckett, Tom (Hg.): A Wild Salience: The Writing of Rae Armantrout, 2000

 

Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen      23.10.2009

 

 

 
 
AMERICANA
  Rae Armantrout
    Einleitung
1   John Ashbery
  2   Rae Armantrout
  3   Rachel Zucker
  4   Peter Gizzi
5   Jack Spicer
6   Bob Perelman
7   Laura Kasischke
8   Kevin Prufer
9   Frank O'Hara
10   Forrest Gander
11   Matthea Harvey
12   Matthew Zapruder
13   Robert E. Hayden
14   Kenneth Koch
15   Billy Collins
16   Meghan O’Rourke
17   John Berryman
18   Bernadette Mayer
19   Albert Goldbarth
20   Dan Chiasson
21   Charles Olson