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Toby Hoffmann
Luft sprengen | asphaltspalten

ambiguoses lebensgefühl
Toby Hoffmanns gedichtbände luft sprengen und asphaltspalten

Toby Hoffmann | Luft sprengen
Toby Hoffmann
Luft sprengen
Gedichte
zeter & mordio 2007
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das buch luft sprengen ist gesetzt aus der dolly von underware und wurde „ästhetisch zerstört“ von Mehmet Yaman: flecken wie verschmierte tinte irritieren das einfache layout der gedichtseite, man will die sprengsel immerzu wegwischen. so dreckig sich Toby Hoffmanns gedichte geben, zumindest die nähe des rauhen, widerständigen suchen, so brav erscheinen sie, wenn man mehrere davon liest. einmal mehr zeigt sich leider, dass bühnen- und performancetexte oft erheblich an wirkung verlieren, wenn sie gedruckt werden. im vorliegenden fall hilft auch die hübsche aufmachung und der konsequente rahmen, den der 2004 gegründete verlag zeter & mordio stellt, nicht weiter. ein fokus der verlagsarbeit liegt laut eigener aussage in der organisation literarischer veranstaltungen, „um aus einer literaturveranstaltung eine party zu machen“. das konzept der vernetzung von sprache und musik, von lesen und tanzen machte vielleicht aber mehr sinn, wenn auch dem buch etwa eine cd oder ein mp3-link beigegeben würde, besser noch unterschiedliche textvarianten für auge und ohr. viele der sprechtexte sind als lektüre einfach zu lang, wiederholen unnötig bereits ausgedrücktes und wirken dadurch unkonzentriert. „manchmal hast du diese amputationsfantasien“, schreibt der spoken-word-poet in seiner anspielungsreichen eisprungsonate – und recht hat er. man möchte schneiden, schneiden, schneiden. angemessenes mittel, zumal für einen performance-mann wie Toby Hoffmann, wäre so etwas wie ein single edit oder komprimierter remix fürs buch.

am besten ist Hoffmann, wenn er sich kurz hält und nicht versucht, in 80er jahre manier zu polemisieren (köpfen), sondern schlicht und präzise zu irritieren, etwa im gedicht lifting: „mutters leben/ war nicht aufregend/ und so liess sie sich/ die seele herausoperieren/ das gehirn liften/ die haut straffen/ und die kinder/ sahen etwas verwirrt aus/ in ihrer festkleidung.“ das merkwürdige liegt hier nicht im gehirnlifting, sondern im unaufgelösten der festkleidung. durch fehlende vorbereitung und ausbleibende wiederholung kann der leser den effekt erst geniessen.

meistens jedoch will der autor sichergehen und haut uns paraphrasen eines knackigen anfangs seitenweise um die ohren, so dass letztendlich nicht mehr als sozialkitsch mit verspielter pointe dabei herumkommt. „so schwanger von bedeutung“, „hungrig/ über das absurde“ sich beugend. luft sprengen scheint mir ein guter titel fürs buch, denn die bombe zündet nicht oder krepiert, wo es ohnehin wenig stoff gibt, den man bearbeiten, energisch und wütend zerstören könnte.

wo es im jungen verlag hingehen soll, ist klar und erstrebenswert. was Hoffmanns gedichte angeht, sei dem leser eher der vorgänger asphaltspalten empfohlen, den der autor 2004 in der lyrikedition 2000 veröffentlichte. hier sind die texte weniger zweifelhaft, im gegenteil. Hoffmann gelingt mit dem „gesang auf Allen Ginsberg“ und anderen langgedichten poetisches, das über den in social-beat-höhlen notwendigen performancecharakter hinausgeht, wirkungsvoll erzeugt wird nämlich ein einfacher, schwellender und berauschender wortfluss, der immer wieder feine, flackernde momente hervorbringt.

die tage in der blauen stadt, eine wiederum in der edition kulturbremse erschienene und teils in asphaltspalten aufgenommene sammlung, sind clips, denen man zutraut, dass sie sich jugendliche auf gartenparties und bei einem bier nach dem schwimmengehn erzählen und wiedererzählen. die jungs ihren lovern oder ihren besten freundinnen vortragen.

andere poeme wie „wir haben angst wir sind erregt“ entstammen einem ambiguosen lebensgefühl zwischen sexes und genders, sind jedenfalls aber lyrik zum leben, gedichte, die nicht für die schrankwand, sondern fürs miteinander, zum mitnehmen oder mitsummen gemacht sind. gerade wegen ihrer fragilität aber scheint es ratsam, sie nicht in zusammenhang mit Hoffmanns stimme wahrzunehmen. der autor verleiht seinen texten einen rauhen, poetry-slam belasteten ton.

„ich habe einen echten/ menschen getroffen/ um den hals und in die arme/ gefallen ist er mir/ wie direkt vom himmel/ oder von den sternen.“ – „ich habe vielleicht neuland gesehen an diesem tag.“
Toby Hoffmann, 1980 geboren, Lyriker, Spoken-Word-Poet und Musiker, Mitbegründer und -betreiber der Edition Kulturbremse, Veranstalter und Moderator von Poetry Slams und Lesungen. Er gewann 2002 den Ravensburger Literatur­preis.
Toby Hoffmann | Website

Toby Hoffmann:
Luft sprengen. Hannover: zeter & mordio 2007; 140 Seiten, 12,90 Euro
asphaltspalten. München: Lyrikedition 2000, 2004; 69 Seiten, 8,50 Euro.
Die Tage in der blauen Stadt. Gedichte. Edition Kulturbremse 2004; vergriffen

Crauss.   11.01.2008   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen  empfehlen

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