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13 Zu den Kolumnen
Alles nur Narzissten

Christiane Geldmacher regt sich über
die Selbstbezüglichkeit alter Autoren auf

Zuhörer | Leseinsel 'Junge Verlage'
Zuhörer | Leseinsel Junge Verlage
Thomas Bernhard hat einen großen Einfluss auf junge (Pop-) Autoren, lese ich in einem Artikel von Thomas Kraft bei Volltext (2006). Und während ich ihn lese, begreife ich, was mich an alten Autoren nervt – dass sie sich ständig nur mit sich selbst beschäftigen. Sie werfen jungen Autoren Selbstbezüglichkeit vor. Gut und schön, von mir aus – ist ein Thema. Aber macht es erst mal besser, möchte man ihnen zurufen. Ihr seid selbstbezüglich ohne Ende. Die Beschäftigung mit Literatur ist für euch nur eine Einbahnstraße: Eure Literatur!

Dass einer von denen mal auf junge Autoren zuginge und sagte: Das ist toll, was du da schreibst. Du hast Ideen. Eine eigene Sprache. Eigene Bilder. Darüber hab ich was kapiert! Ich hab das und das von dir gelesen und das und das dadurch verstanden.

Nein. Au contraire. Immer sollst du von ihnen reden, sie würdigen, ihr Lebenswerk anerkennen. Was tun diese Etablierten eigentlich noch für die Literatur, als nur Jahr für Jahr ihre neuen Schinken (Dummer August! Was ein Titel!) vorzulegen, dem Rhythmus der Buchmessen angepasst?

Gut, ausgewogen ist diese Kolumne nicht. Mir geht die Jammerei der Alten über die Medien, die Journalisten, die Kritik auf die Nerven. Die Jammerei, die nur auf diese Klientel schielt. Etwas zu Ende denken können sie, scheint es, nicht mehr: Sie befördern in grotesker Weise, was sie angeblich kritisieren, die Macht und die Abhängigkeit von den Medien. Anstatt dass sie sich selbst mal für die Kollegen und die Jungen ins Zeug legten. Aber so geht's, wenn es einem nur um die eigene Anerkennung geht: Da greifst du die Medien nur an, weil sie deinen Namen nicht oft genug in po-si-tiv-stem Zusammenhang rausstreichen.

Mich ärgert es, dass ich zum Beispiel nie erfahren werde, was Thomas Bernhard von Wolf Haas gehalten hätte. Ich empfinde es als einen Verlust, nicht zu wissen, was die alte Generation von der jungen Generation sagt. Herrgottnochmal – müssen die alle immer nur von sich selber reden? Langweilig ist das. Unsympathisch. Man sollte sie alle kaltstellen.

Und was würden die Jungen sich freuen, wenn mal eine von den alten Nasen in ihrem Publikum sitzen würde! Ganz ohne Kameras, Agent und Bodyguard! Eine radikale Idee, zugegeben.

Ich war in Leipzig auf der Buchmesse. Zu Recht nennt man das die Autorenmesse. Und ja: Dauernd hast du da den Sound der Lesenden im Ohr. Und, super, überall findest du Sitzplätze. Da kannst du ausruhen vom Stöbern bei den Verlagen und einfach nur den Autoren zuhören.

Aber du siehst da keinen der Alten neben dir. Als Leser interessierst du dich für neue Autoren, klar, du willst ja kein Ignorant sein, du liest dein Feuilleton. Aber als ein anderer, ein alter Autor? Hast du das nicht nötig. Schreibst ja eh selbst am besten.

Wenn Günter Grass oder Wolf Biermann zum Beispiel mal unten im Publikum der Leseinsel Junge Verlage gesessen hätten (kookbooks, Tisch 7, Verbrecher Verlag, Blumenbar, Kato, mairisch, poetenladen), um sich was von den Autoren anzuhören: Was wäre das für eine Freude gewesen! Das hätte beeindruckt. Mehr als das neueste eigene Werk, was immer in ihm stünde. Neugier auf die Arbeit junger Kollegen, spitze.

Aber das kannst du vergessen. Dazu kriegst du sie nicht. Die junge Generation hat nichts von diesen Alten.

Volltext-Artikel über Bernhard
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Christiane Geldmacher       31.03.2007       Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

Christiane Geldmacher
Kolumne
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