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Dam Dog

„Der Hund!“ schrie er; „ich will den Hund!“

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„Nehmt euch in Acht, ganz Kalifornien ist durstig und die Hitze hat schon härtere Hunde umgebracht!“

„Den hier hat der Black Canyon geboren, die Hure hats doch mit jedem Tier gemacht,“ er lachte. „God damn the dog! Hell’s Hole schenkte dem schwarzen Bastard das Leben, hätt was drum gegeben, wenn er eines Tages an meinem Grab gewacht.“

„Trust Mr Hoover, er hat die schwärzesten Bugs in Umlauf gebracht.“ „And here’s one for the Ladies: Everybody ought to be rich - all time high Dow,“ mit seinem sardonischen Grinsen ging es das Stauwerk hinab.
„Ich habe mich immer gefragt, wie grün ist jetzt wohl das Gras bei Shiloh und schläft man im Weißen Haus in Damast?“

„Erst hebt man dich hoch, nur um dich dann zu werfen. Und wer kein Hirn besaß sich zu fürchten, den ließ man an seidenen Fäden herab. Chick war so eine Spinne der Furcht einflößenden Schlucht, lauerte im Schatten, holte sich nach der Sprengung die steinerne Beute, putzte die rauhen Schenkel glatt. Er war ihr bester Freier, nachts beim Feuer spann er Luftgespinste, träumte von noch größeren Dämmen, von einer wattstarken Stadt in der Wüste, der die Sterne ihr Funkeln abtraten - geistfreies leuchtendes Glück. Chick ließ eine schwarze Witwe von zweiunddreißig Jahren mit sechs Kindern zurück.“

Die Turbinen waren beflaggt. Mit Höllenatem und stechendem Blick fuhr er fort: „Wisst ihr, dies ist das Nest. Hier brüten sie Basiliskeneier, hier schlüpfen Amerikas Sterne. Auf dem Weg nach oben streifen die scharfen Klingen eines unsichtbaren Butchers den ein oder andren gemeinen Mann und lassen den Hundsfott dann aufgeschlitzt liegen. Ihr denkt als Blutzoll für die Geier? Nein, so denken wir nicht. Wir opfern uns, doch keinen fabelhaft großen Tieren. Kein Schicksal wird uns je richten, selbst die Sorgen, glaubt mir, sind noch handgemacht, und das Licht am Ende des Tunnels haben wir selbst entzündet, damit es Amerika besser hat. Amerikaner sein, das muss man sich leisten, vier Dollar am Tag, da überlegst du nicht lang.“

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Er schwitzt und spricht mit Nachdruck von Depression, als sei es eine Strömungskraftmaschine. „Sie“, sagt er, „treibt uns an.“
Wir befinden uns tief im Damm. „Wir“, hebt er an, „brauchen Gegenwind zum Steigen. Hört ihr das Heulen? Das ist er, das ist der Dog of the Dam. Man hat ihn hier eingemauert, und wenn man mich fragt, sag’ ich, man hat ihn lebendig begraben, denn das Wehr muss ja halten, tatsächlich aber war er schon tot.
Little Niggy kam, wie viele, unter die Räder, suchte den Schatten der Sattelschlepper, vielleicht hat er nichts mehr gehört. Wir schleppen uns indessen weiter, helfen uns in die Sättel und können doch kaum noch reiten, hohlwangige Cowboys, Double-Uglies, Muckers ohne Jakobsleiter, haben das Himmelsdach mit Otis’ Hilfe schon fast erreicht.
Aus Ragtown, der versunkenen Stadt, hört man blutjunge Hunde winseln. Als man den überhitzten Hades geflutet hat, vergaß man den Wurf und weil wir vergessen haben, wie es sich anfühlt aus nackter Angst zu weinen, erinnern uns Hoovers Hunde daran.“

„Dies also“, hielt er an, „ist Little Nig’s Cabin“, wir verstanden kein Wort, die Wassermassen waren zu laut und ich glaube, er sagte noch: „Eine größere Hundehütte hat man nie gebaut.“

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Sabine Scho
Prosa