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Simone Unger
Your city lies in dust, my friend
Nachts auf dem Rad die Straße hinunter, immer weiter und allein auf der Bahn, überholt nur vom eigenen Schatten unter regel­­mäßigem Laternen­­licht geworfen, fuhr ich nordwärts: über die Kreuzungen noch von Baustellen umgrenzt und deren Absperrzäunen und Sandhügeln, schnitt ich gegen den Verkehr aus anderer Richtung, es roch nach Abgasen und langsam zu Staub fallenden Tagesdünsten, Beton auch. Kaum noch konnte ich der Spur folgen, die weißen Pfeile verschwammen und auch die Schriftzüge, die sich an Hochhäusern entlang wanden, Neonschilder von Hotels, Geschäften und kleineren Bars, davor zwei Menschen mit Flaschen, sonst niemand.

Die Pedale liefen auf großer Übersetzung und angetrieben von der Musik im Ohr glitt auch deren Rhythmus hinüber auf den Takt des Tretlagers, unterbrochen nur vom leicht gegen den Knie schlagenden Schlüssel in der Tasche.

Längst war das geschlossene Hauptfeld der Gruppe außer Sicht geraten, alle hatte ich abgedrängt, sie auf die Windkante genommen oben auf der Allee, als uns plötzlich ein heftiger Gegenwind aus Nordwest auseinander getrieben hatte.

Und weiter bis hinauf an den äußeren Gürtel der Stadt: Aus schweren Blöcken wurden back­­steinerne Gebäude, deren Firste sich auf­­lösten zu Bauten mit Himmels­­etagen, ganze Stockwerke schienen sich zu ent­­heben, und ja so wollte ich immer sein: Rauschend vorbei an einzelnen Punkten, die erst zu existieren begannen, wenn man stehen blieb, um abzusteigen vielleicht und sich umzuschauen, zu sprechen und zu verstehen wie jemand sagte: Wir dürfen nicht anhalten, sonst hören wir auf.

Simone Unger  15.12.2009   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen Diese Seite weiterempfehlen

Simone Unger
Prosa