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Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein

Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner lite­rarischer „Gedenks­teine“ in Form eines Gedichtes jüngst ver­stor­bener Dichter, über­wiegend fremd­sprachiger, aber auch deutsch­sprachiger. Aus­gangs­punkt sind unter ande­rem aktuelle Todes­mel­dungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.

John Ashbery
(Rochester 1927 – Hudson 2017)

Paradoxa und Oxymora

Dieses Gedicht befaßt sich mit Sprache auf einer sehr einfachen Ebene.
Schau, wie es zu dir spricht. Du schaust zum Fenster hinaus
oder gibst vor, nervös zu sein. Du hast es, aber hast es nicht.
Du verfehlst es, es verfehlt dich. Beide verfehlt ihr euch.

Das Gedicht ist traurig, weil es gern deines wäre, und es nicht sein kann.
Was ist eine einfache Ebene? Sie ist das und andere Dinge,
von denen sie ein System ins Spiel bringt. Spiel?
Ja, eigentlich schon, doch betrachte ich Spiel als

ein tieferes Außending, ein geträumtes Rollenmuster,
wie in der Verteilung von Gnade an diesen langen Augusttagen ohne Beweis.
Mit offenem Ausgang. Und bevor du dich auskennst,
geht es in Dampf und Geratter von Schreibmaschinen unter.

Einmal mehr wurde es durchgespielt. Ich denke, du bist nur da,
Um mich dazu zu kriegen, es zu tun, auf deiner Ebene, und dann bist du nicht zur Stelle,
oder hast eine andere Haltung eingenommen. Und das Gedicht
hat mich sanft zu dir hinabgesetzt. Das Gedicht bist du.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Joachim Sartorius. Aus: John Ashbery,
Eine Welle. Ausgewählte Gedichte. München, Hanser 1988

»Das Gedicht kann bei Ashbery Wörter und Sprachfunde aus den unter­schied­lichsten Bereichen zusammen­ziehen, Dinge, die scheinbar nicht zusammen­pas­sen, die sich gegen­einander verkanten und die so wirken, als führten sie zunächst einmal ins Nirgendwo – und mit denen der Dichter dann doch etwas anstellt.«
Nico Bleutge


John Ashbery wurde 1927 in Rochester geboren und wuchs im Bundes­staats New York auf. Während seines Stu­diums an der Harvard-Uni­versität lernte er Kenneth Koch, Frank O'Hara und James Schuyler kennen, Autoren einer Gruppe, für die später der Be­griff der New York School of Poets geprägt wurde. 1975 erhielt er für den Band Self-Portrait in a Convex Mirror den Pulitzer-Preis. Bis 2008 lehrte er am Bard College im Bundes­staat New York. Auf Deutsch er­schienen unter anderem die Gedicht­bände Eine Welle (Carl Hanser) sowie Ein welt­gewandtes Land (Luxbooks Verlag). John Ashbery starb im September 2017 neun­zigjährig in Hudson.

 

Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    12.09.2017

 

 

 
 

STELEN

    John Ashbery
  1   Inger Christensen
  2   John Updike
  3   Abdelkébir Khatibi
  4   Petre Stoica
5   Alexej Parschtschikow
6   Elfriede Gerstl
7   Craig Arnold
8   Idea Vilariño
9   Nazar Hončar
10   Kamala Das (Surayya)
11   Adolf Endler
12   Constantin Bănescu
13   Raymond Federman
14   Dilip Chitre
15   Rachel Wetzsteon
16   Gisela Kraft
17   P. K. Page
18   Abraham Sutzkever
19   Lucille Clifton
20   Jelena Schwarz
21   Wladimir Klimow
22   Erika Burkart
23   Edoardo Sanguineti
24   Pete Morgan
25   Bengt Emil Johnson
26   Vesna Parun
27   Walter Helmut Fritz
28   Bella Achmadulina
29   Alexander Mironow
30   Peter Paul Zahl
31   Edouard Glissant
32   John Haines
33   Hamid Skif
34   Thor Vilhjálmsson
35   Jordi-Pere Cerdà
36   Magang-Ma-Mbuju Wisi
37   Andrea Zanzotto
38   Fuad Rifka
39   Rémi-Paul Forgues
40   Wisława Szymborska
41   Wolfgang Schlenker
42   Bernard Vargaftig
43   Richard Anders
44   Nguyen Chi Thien
45   Ali Podrimja
46   Jacques Dupin
47   Bo Carpelan
48   Anne-Marie Albiach
49   Décio Pignatari
50   Werner Laubscher
51   Jean Krier
52   Federico Hindermann
53   Sarah Kirsch
54   Chinua Achebe
55   Alexandru Muşina
56   Rolf Haufs
57   Leung Ping-kwan
58   Elisabeth Borchers
59   Seamus Heaney
60   Hans-Jürgen Heise
61   Kofi Awoonor
62   Helga M. Novak
63   Giorgio Orelli
64   Amiri Baraka
65   Wanda Coleman
66   Juan Gelman
67   José Emilio Pacheco
68   Natalja Gorbanewskaja
69   Leo Vroman
70   Ryhor Baradulin
71   Szilárd Borbély
72   Tadeusz Rózewicz
73   Leopoldo María Panero
74   Samih al-Qasim
75   Gerrit Kouwenaar
76   Miodrag Pavlović
77   Martin Harrison
78   Mariano Lebrón Saviñón
79   Abdelwahab Meddeb
80   Bernard Heidsieck
81   Mark Strand
82   Tomaž Šalamun
83   Sabah al-Kharrat Zouein
84   Arnaldo Calveyra
85   Chris Bezzel
86   Rolf Persch
87   Malek Alloula
88   Yaşar Kemal
89   H.H. ter Balkt
90   Günter Grass
91   Hans Bender
92   Philip Levine
93   Henri Corbin
94   Klaus Rifbjerg
95   Herberto Helder
96   Ulrich Zieger
97   Renate Rasp
98   Tomas Tranströmer
99   Rainer Kirsch
100   Jørgen Sonne
101   Oleh Lysheha
102   Lee Harwood
103   Christopher Middleton
104   Dominik Steiger
105   C. D. Wright
106   Fathieh Saudi
107   Eduardo Chirinos
108   Gülten Akın
109   Yves Bonnefoy
110   Hans van de Waarsenburg
111   Geoffrey Hill
112   Paul Wühr
113   Leland Bardwell
114   Fabjan Hafner
115   Aleš Debeljak
116   Werner Lutz
117   Ilse Aichinger
118   David Antin
119   John Montague
120   Ferreira Gullar
121   Marcos Ana
122   Ray DiPalma
123   Ted Greenwald
124   David Meltzer
125   Harry Mathews
126   Hubert Lucot
127   Thomas Moore Raworth
128   Emira Rodríguez
129   Derek Walcott
130   Anne Dorn
131   Nabile Farès
132   Sigurður A. Magnússon
133   Roy Fisher
134   Joanne Kyger
135   Larry Fagin
136   Gerd-Peter Eigner
137   Hansjörg Zauner
138   Liu Xiaobo
139   Peter Härtling
140   Eunice de Souza
141   John Ashbery
142   Kito Lorenc
143   Harry Almela