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Der Blumenweg zum Unbewussten

Zum 100. Todestag von Eduard von Keyserling
  Eduard von Keyserling     † 28.09.1918

Eduard von Keyserling; Gemälde von Lovis Corinth (1900)
public domain, 1900/1920
     


In seinem Nachwort zur neuen Manesse-Ausgabe von Eduard von Keyserlings Erzählungen stellt sich Florian Illies vor, dass man in diese Prosa hineinspringt wie in einen sonnigen See im Spätsommer: sich mit offenen Sinnen treiben lässt durch mal warme, mal kühle Partien. So ähnlich ist es mir mit Keyserling im zurückliegenden Endlos-Ausnahme-Sommer ergangen, als ich in der kleinen Stipendiatenwohnung des Heinrich Heine-Hauses in Lüneburg wohnen durfte, von der man über eine Hintertreppe in die Etage des Vorderhauses gelangt, auf der die Eltern Heines einige Jahre gelebt haben und heute das Literaturbüro Lüneburg residiert und zu Lesungen lädt. Im Frühsommer stellte hier Klaus Modick seinen Roman Keyserlings Geheimnis vor, der mir Anstoß war, einiges von Keyserling selbst zu lesen, von dem ich allenfalls den Roman Wellen kannte.


  Eduard von Keyserling
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Fortan verbinden sich für mich viele Werke Keyserlings mit diesem Sommer, in dem ich alle Zeit fürs ›Abtauchen‹ in Bücher wie in eigene Projekte hatte – wenn ich die kühle Wohnung hinaus in die Hitze verließ, dann, um mit dem Rad zu realen Badestellen oder mit dem Zug zur nahen Ostsee zu fahren. Im Kopf reiste ich mit diesen Erzählungen noch weiter ostwärts bis nach ›Kurland‹, jener Region zwischen Königsberg und St. Petersburg, in der Keyserling geboren und aufgewachsen ist. Wenn dieser Dichter auch nicht als Chronist der deutschbaltischen Geschichte gelesen werden kann – die Schauplätze seiner Erzählungen sind oft nach Ostpreußen verlegt oder unbestimmt –, so schien Lüneburg zufällig ein besonders guter Ort zu sein, sich mit der Geschichte jener Gegenden und Staaten zu beschäftigen: Das Nordost-Institut zur Geschichte des Baltikums und die Deutschbaltische Kulturstiftung haben hier ihren Sitz. Vor kurzem wurde das Ostpreußische Landesmuseum, 1958 in Lüneburg als „Ostpreußisches Jagdmuseum“ gegründet, nach gründlicher Entrümpelung und inhaltlicher Neuorientierung wiedereröffnet; in der assoziierten deutschbaltischen Abteilung hat auch Eduard von Keyserling einen Platz gefunden.
Bei mir schob sich noch ein anderes, man könnte meinen: ebenso außerliterarisches Interesse beim Lesen vor. Da gerade ein Jahr voller Recherchen zur Blumengeschichte – zu Nelken, aber darüber hinaus zu allem, was am Wegrand der Erkundungen blühte – hinter mir lag, hatte ich immer noch eine Art ›Garten- und Blumenblick‹ und konnte nicht anders als fasziniert registrieren, wie anschaulich, genau und sinnlich Keyserling die Gärten beschreibt, in denen sich seine Figuren bewegen. Was waren das für Zeiten, dachte ich, als man sich in Stockrosen-Beeten verirren konnte (während in heutigen Gärten immer nur einzelne Exemplare stehen), man in einem nachtdunklen Garten seinen Weg allein mit Hilfe der Blütendüfte fand, auch in Gemüsebeeten zuerst die Düfte der Zwiebeln und Kräuter wahrnahm, als die Herren jahreszeitlich passende Knopflochblumen trugen und die Gäste einer Abendgesellschaft sich damit unterhielten, aus dem Garten herbeiwehende Düfte zu unterscheiden: Reseden, Tuberosen oder Geißblatt? Während man heute vielleicht über die Parfüms der Gäste – Calvin Klein One, Chanel Nr. 5 oder Jil Sander Sun? – parlieren würde. Bei Keyserling sind Parfüms nur lästig: die Patchouli-Wolke der französischen Gesellschaftsdame, das „New Mown Hay“-Rasierwasser des ungeliebten Ehemanns.

Diese Gärten schienen geradezu auf eine berauschende Duftwirkung hin angelegt zu sein, wie es vom 15. bis 19. Jahrhundert durchaus üblich war, als der Duft noch als wesentliche Eigenschaft einer Blume galt, auch als ›Gegenzauber‹ zu den allgegenwärtigen schlechten Gerüchen, in denen Krankheiten lauerten. Heute zählt jedoch vor allem der visuelle Eindruck: Blumen haben ›gesund‹ auszusehen, fotografier-instagram-tauglich, und gut haltbar für den Blumenhandel, was in der Züchtung auf Kosten des Duftes ging. Was heute als ›duftend‹ angeboten wird, riecht oft nach nicht mehr als frischem Grün. Die stärksten Duftpflanzen sehen schnell angekränkelt aus, wie die einmal blühenden alten Centifolien- und Moosrosen, oder sind unscheinbar wie Nachtviolen und Levkojen, deren Blüten sich erst in der Dämmerung für nächtlich fliegende Falter öffnen. Im letzten Akt von Kleist Prinzen von Homburg haben diese ›Nachtschwärmerblumen‹ zusammen mit Nelken einen großen Auftritt.

Aus Keyserlings Texten leuchteten mir eben diese Blumen entgegen, die fast vergessen sind und kaum noch in Gärten gepflanzt werden, aber der Schlüssel zur Evokation seiner erzählten Welt zu sein scheinen. Eine explizite Bemerkung über den „Reseden- und Levkojenduft jener Tage“ fällt aber ausgerechnet in einer Erzählung mit Titel Schützengrabenträume und macht deutlich, dass es um ›Träume‹, um eine Imagination in einer bestimmten historischen Situation, einer Zeit gewaltiger Umstürze, geht. Laut einer These des Historikers Eric Hobsbawn endete das 19. Jahrhundert erst mit dem Großen Krieg, dem Ersten Weltkrieg, und währte damit besonders lang: von 1789 bis 1914 oder auch 1918. Am 28. September 1918, wenige Wochen vor dem Waffenstillstand, ist Eduard von Keyserling im Alter von 63 Jahren in München gestorben.

1855 wurde Eduard von Keyserling auf Schloss Tels-Paddern unweit der Ostseeküste in Kurland geboren; bereits seit 1795 war dies ein Gouvernement des russischen Zarenreiches, das vom deutsch-baltischen Adel verwaltet wurde, einer vor Jahrhunderten eingewanderten Oberschicht, die gerade zehn Prozent der Bevölkerung ausmachte. Keyserling besuchte die Universität von Dorpat (heute Tartu/Estland), von der er 1877 wegen einer nicht ganz geklärten ›Ehrensache‹ verwiesen wurde; er ging nach Wien, später nach München. Nach ersten Romane im Stil des Naturalismus begann er um 1903 seine ›Schlossgeschichten‹: Erzählungen, die in der gesellschaftlichen Schicht angesiedelt sind, in die er selbst hineingewachsen war. Ab 1908 setzte bei Keyserling aufgrund einer Syphilis-Erkrankung eine fortschreitende Erblindung ein; seine letzten Werke musste er seinen beiden mit ihm in München lebenden Schwestern diktieren.

Liegt hier der Grund dafür, dass es vor allem der Duft von Blumen oder einem Waldstück, einem Teichufer ist, mit der er die Szenerie seiner Erzählungen heraufbeschwört? Und war für ihn der Duft, der ans Stammhirn, also an tiefste Schichten der Psyche, rührt, nicht nur der Königsweg zu einer vergangenen Welt, sondern auch zum Unausgesprochenen, Uneingestandenen, Unbewussten und Verdrängten? Und sind vielleicht die Gärten und Blumen entscheidende Ingredienzien der Handlung, begleiten sie nicht nur als Kulisse, sondern auch als ›Stimulatien‹ die inneren wie äußeren Dramen?

Meist ist Sommer in den Erzählungen und Romanen, halten sich die Figuren in Schlössern oder auf Landsitzen nahe der Ostsee auf, meist ist es sehr warm, womit sich die Düfte noch stärker entfalten, und drängen die Blumen mit ihren Düften nahezu gewaltsam in die Häuser, in die Gartensäle, wo die Herren über die preußische Kreuzzeitung, die Damen über eine Handarbeit gebeugt sind, einen gesellschaftlichen Faux-pas in anderen Familien diskutieren und doch eine Beunruhigung und Bedrohung am eigenen Leib spüren: „Durch die geöffneten Fenster duftete der dunkle Garten herein.“ (Am Südhang)

Es ist nicht die ›freie‹ Natur, die hier lockt oder irritiert, es ist der selbst angelegte oder selbst geplante Garten. Vor den großen Erscheinungen der Natur – Meer, Mond, Sonnenuntergang – zeigen die Menschen bei Keyserling nur ihre Art, das Leben mit Plattitüden gegen das ›ganz Andere‹ abzu›dichten‹; Caspar David Friedrich-Blicke in eine große Unendlichkeit sind zur Pose erstarrt. Am Wald lobt man das schöne „Oberlicht“, das weite Meer wird als „sehr programmäßig“ abgetan, wenn es nicht zur Projektion von Sehnsüchten herhalten muss, die sich dann als Selbstillusion erweisen oder als allzu harter Verzicht auf den gewohnten ›Komfort‹.

Zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehört laut Keyserling, wie er in seinem Aufsatz Zur Psychologie des Komforts von 1905 schreibt, auch „der Komfort eines für mich erzogenen Stückes Natur“. Und gerade dort begegnen seine Figuren ihren unterdrückten Sehnsüchten.

Gärten bilden zwar ein Art Zwischenreich zwischen den Wohnungen der Menschen und der (mehr oder weniger) ›freien‹ Natur, aber zeigen meist keinen Gegensatz zur Einrichtung des Hauses, sondern einen ganz ähnlichen Stil: vollgeräumt, mit ›Nippes‹ im Regal und im Beet, oder minimalistisch, wobei die heute üblichen ›cleanen‹ Vorgärten mit Schotterflächen und Bambusgräsern beinahe so naturfern wie nur möglich ausfallen (und das ›Verdrängte‹ hier das große Insektensterben wäre). Die Gärten in Keyserlings Erzählungen spiegeln die Mode der ›naturnahen‹ Bepflanzung von Ende des 19. Jahrhunderts, als man in einer bereits stark industrialisierten Zeit eine – vielleicht ›blumenaristokratische‹? – Zuflucht suchte. Wie auch in den herrschaftlichen Parks der englische Landschaftsgarten in dem Moment zum großen Ideal aufstieg, als die realen Landschaften bereits von Eisenbahnlinien durchschnitten waren und sich über die Städte der Ruß der neuen Industrien legte. Wenn jedoch zur Jahrhundertwende die Interieurs mit ihren schweren Vorhängen, ihren plüschigen Sitzmöbeln als ›erstickend‹ empfunden wurden (auch wenn sich hier Naturformen einschlichen, wie die von asiatischen Blumen inspirierte Ornamentik des Jugendstils oder die Kronleuchter in Quallenform, die in Ernst Haeckels „Villa Medusa“ in Jena ein modernes elektrisches Licht verbreiteten), dann bot die ›erzogene‹ Natur rund ums Haus keine wirkliche Gegenwelt: Dort wurden zwar nicht mehr Buchshecken in Form geschnitten, kostbare Topfblumen wie Aurikeln gehegt wie im 18. Jahrhundert, aber auch keine wirklich schlichten, einheimischen Sträucher gepflanzt oder Wildblumen gesät. Die Gärten bei Keyserling scheinen dicht gefüllt mit schwer duftenden Rosen, mit Hyazinthen, Lilien, Gladiolen, deren sexuelle Symbolik neben den allgegenwärtigen „süßen Düften“ offenliegt („Die Gladiolen flammten wie Feuer ...“ Schwüle Tage). Hier wird auf ähnliche Weise die Schönheit kultiviert wie im Innern des Hauses und kommt wie auf Sigmund Freuds samtbezogener Couch das Unbewusste ans Licht: „Alles hatte hier Nerven, alle Menschen, alle Möbel, alle Blumen.“ Und wenn im Roman Fürstinnen die Baronin bemerkt, man verstehe „Kinder so wenig wie Blumen“, dann bestätigt sie damit nur einen Grundsatz der Psychoanalyse: dass sich in der als ›unschuldig‹ geltenden Kinderseele wesentliche psychische Dramen abspielen.

Die Menschen scheinen selbst überwältigt zu sein von der Wirkung ihrer Gärten, von dem, was sich dort ›triebreich‹ entfaltet, während das gesellschaftliche System, die Ständeordnung auf der Triebunterdrückung beruht. Daher müsse man, wie der Graf in Bunte Herzen rät, nur neun Zehntel von dem, was man denke, preisgeben, und vor allem, wie die Baronin in Fürstinnen betont, alles daransetzen, dass die Welt das „Schauspiel“ von Oben und Unten noch glaube, während andere Figuren Keyserlings bereits schwanken auf ihren Wegen als honorable Standesvertreter und Ehemänner, und, wie in der Erzählung Am Südhang, kleine goldene Morphinspritzen bei sich tragen, um das Leben zu bewältigen oder sich daraus zu verabschieden.

Auch in der Art der Gärten zeigen sich gesellschaftliche Distinktionen: Pfarrersfrauen scheinen bei Keyserling immer nur mit der Johannisbeerernte beschäftigt; eine adlige Dame, die von ihrer gesellschaftlichen Schicht gemieden wird, lebt in der Nähe des Waldes, wo ihre frei herumstreifende Tochter Britta allerlei Wildblumen sammelt, während ihre Altersgenossin im fürstlichen Garten sich nicht einmal auf eine Schaukel setzen darf und eine kleine gelbe Wildblume durch ein Gitter gereicht bekommt. Aber die drei Prinzessinnen, die hier in Fürstinnen, Keyserlings spätem, 1917 veröffentlichten Roman, standesgemäß verheiratet werden sollen, haben ihren ersten Auftritt in einem Obstgarten, also bereits an der Grenze vom Zier- zum Nutzgarten. Graf Streith, der Berater ihrer Mutter, der verwitweten und von Geldsorgen geplagten Fürstin, überspielt den ›Widerstreit‹ in seiner Brust – er kann sich über Jahre nicht zu einem Antrag bei der Fürstin entschließen – damit, dass er sich der fortgesetzten, nie abgeschlossenen Ausstattung seines eigenen Landsitzes und der Gartenanlagen widmet, in denen auch Rosen mit ›demokratischen‹ Namen wie „Miß. Vanderbilt“ einen Platz erhalten, jedoch bis in die Gemüsebeete hinein auf ein ästhetisches Gesamtbild geachtet wird. In dem Moment, als der Graf sich unvermittelt in die eigentlich nicht standesgemäße Britta verliebt, erkrankt er und stirbt. Das Schlussbild in diesem letzten Roman Keyserlings gehört einem Kranz von Feldblumen, den Britta auf Streiths Sarg legt.

Keyserling begrüßte wie die meisten Dichter und Intellektuellen Deutschlands im August 1914 den Kriegsbeginn, der ihm als etwas Verbindendes über die Stände hinweg erschien, als etwas Neues, das „stark und einfach“ mache jenseits der elenden Kompliziertheiten. Aber bereits seine Erzählungen aus diesem ersten Kriegsjahr, und alle folgenden, können als geradezu defaitistisch gelesen werden. Hier ist der Erzähler zu Deutschen wie Franzosen so ›gerecht‹ wie zu Grafen und Untergebenen, zu Vertretern der alten Ordnung und Rebellen. Einmal wird in Fürstinnen die erste Strophe des Deutschland-Liedes so laut herausgesungen, „daß drüben im Schlosse die Hunde zu bellen begannen“.

Gegen Ende meines Aufenthalts habe ich noch einmal das schöne Patrizierhaus in der Lüneburger Altstadt, in dem die Deutsch-Baltische Gesellschaft residiert, besucht, um die mittlerweile 95jährige Archivarin Renate Adolphi kennenzulernen. Sie, die ihre Heimat 1940 in Folge des Hitler-Stalin-Paktes, der das Baltikum der Sowjetunion zuschlug, verlassen musste, verwahrt und katalogisiert alles, was der Gesellschaft als Schenkung angeboten wird: von Urkunden über Fotografien bis selbst gestrickte Handschuhe. Als ich jedoch, um mein baltendeutsches Wissen zu beweisen, erwähne, dass ich in diesem Sommer viel von Eduard von Keyserling gelesen habe, meint sie nur kühl: „Ich habe ihn nie gelesen. In der Grundschule in Riga saß ich neben einem von Keyserling, der war so doof, der musste am Ende die Klasse wiederholen.“

Sie sollte dem Dichter, vermutlich ein entfernter Vorfahr dieses Mitschülers, noch einmal eine Chance geben. Auch wenn sie in den Werken die Welt ihrer Kindheit oder die ihrer Eltern kaum wiederfinden würde. Keyserling ist in diesem Sinn ›u-topisch‹, er schuf sich ein eigenes ›Grenzland‹ zwischen Erinnerung und Fiktion, geschichtlicher Welt und Möglichkeit, Sehnsucht und Vernunft.

Und was für Frau Adolphi das Sammeln konkreter Dinge, war für Keyserling das Ausspinnen seiner Erinnerungen zu Erzählungen als Versuchsanordnungen, mit Blumen als Katalysatoren im chemischen Sinn, Reaktions-Beschleunigern. Wie der Geheimrat Knospelius in Wellen ein Mittsommerfest unter Birken veranstaltet, das dank allerlei naturmagischer Wirkung die Beziehungen der Sommerfrischler aufmischt, so arrangiert Keyserling seine erzählten ›Sommernachtsträume‹, in denen man sich tatsächlich einfach treiben lassen kann, da es nicht eigentlich der Plot ist, der fesselt – aber dann doch, denn dies habe ich als Autorin beim Lesen gelernt: Diese Erzählungen würden ohne die oft überraschenden Wendungen und Keyserlings große Dialogkunst nicht als literarische Geschichte, modellhaftes Experiment funktionieren, ohne die atmosphärischen Evokationen aber auch nicht derart im Kopf des Lesers ›reagieren‹. Und vor seiner Gegenwart ist Keyserling auf keinen Fall in eine idealisierte Vergangenheit abgetaucht.
Susanne Stephan   27.09.2018   

 

 
Susanne Stephan
Lyrik