poetenladen    poet    web

●  Sächsische AutobiographieEine Serie von
Gerhard Zwerenz

●  Lyrik-KonferenzDieter M. Gräf und
Alessandro De Francesco

●  UmkreisungenJan Kuhlbrodt und
Jürgen Brôcan (Hg.)

●  Stelen – lyrische GedenksteineHerausgegeben
von Hans Thill

●  Americana – Lyrik aus den USAHrsg. von Annette Kühn
& Christian Lux

●  ZeitschriftenleseMichael Braun und
Michael Buselmeier

●  SitemapÜberblick über
alle Seiten

●  Buchladenpoetenladen Bücher
Magazin poet ordern

●  ForumForum

●  poetenladen et ceteraBeitrag in der Presse (wechselnd)

 


Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein

Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner lite­rarischer „Gedenks­teine“ in Form eines Gedichtes jüngst ver­stor­bener Dichter, über­wiegend fremd­sprachiger, aber auch deutsch­sprachiger. Aus­gangs­punkt sind unter ande­rem aktuelle Todes­mel­dungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.

John Montague
(1929 New York – 2016 Nizza)


Der Kampf

Als ich das Schwalbennest
Unter der Brücke fand
Knöcheltief im moorigen Fluß stehend
Über mir der dröhnende Verkehr
War ich so glücklich, daß ich losrannte
Um einen Schulkameraden zu holen
Er sollte sie sehen
Die nackte, farbgesprenkelte Zerbrechlichkeit
Der Eierschalen in ihrer Wiege
Aus Federn, Zweigen, Erde.

Brustwarm waren sie noch
Als ich sie in meiner gewölbten Hand
Zählte, Stück für Stück
Ich legte sie in seine kalte Handfläche
Wie eine Trophäe oder ein Opfer. Als ich
Mich umdrehte, um auch das letzte Ei herauszunehmen
Hörte ich ihn wegrennen
Unter die hallende Brücke.
Das Wasser spritzte auf, ich verfing mich
Im Draht des Brückenbogens, da sah ich
Wie er sie nahm und zerschlug, Stück für Stück
An einem sonnenbeschienenen Stein.

Minutenlang kämpften wir
Stehend und in das braune
Wasser des Flusses fallend
Und immer noch würde ich kämpfen
Doch inzwischen kann ich verzeihen.

Das Schöne bewundern oder zerstören
Ich erkenne, mit diesem Zwiespalt
Leben wir
Und auch mit dem bitteren Widerspruch
Der Liebe unrecht zu tun und sie zu verraten
Um dann, viel zu spät, loszurennen
Und sie mit Fäusten zu verteidigen.

Aus: (Gregor Laschen Hg.), Das Zweimaleins des Steins. Neue Gedichte aus Irland. Aus dem Englischen übersetzt von Hans-Christian Oeser und Rolf Haufs, edition die horen, 1998.

»… dieser Exilierte, in den USA geboren, in Nordirland aufgewachsen, im Süden der Insel lebend, ist mit vielfältigen Verbindungen nach Amerika und Frankreich auch einer der urbansten und kosmopolitischsten irischen Dichter.«
Hans-Christian Oeser


John (Patrick) Montague wurde 1929 als Sohn irischer Eltern in Brooklyn geboren und wuchs im nord­iri­schen Armagh auf. Er studierte Eng­lisch und Geschichte in Dublin und erwarb später den Master of Fine Arts an der Univer­sity of Iowa. An­schlie­ßend war er an ver­schie­denen Uni­versi­täten als Lite­ra­tur-Dozent tätig. Neben Gedichten publi­zierte er Kurz­geschich­ten und über­setzte Texte aus der iri­schen Sprache. Zuletzt erschie­nen auf Deutsch Das verlo­rene Notizbuch (Biblio­thek der Provinz, 1992) und Erste Land­schaft, erster Tod (Edition Rugerup, 2008). John Montague starb am 10. Dezem­ber 2016 in Nizza.

 

Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    21.12.2016

 

 

 
 

STELEN

    John Montague
  1   Inger Christensen
  2   John Updike
  3   Abdelkébir Khatibi
  4   Petre Stoica
5   Alexej Parschtschikow
6   Elfriede Gerstl
7   Craig Arnold
8   Idea Vilariño
9   Nazar Hončar
10   Kamala Das (Surayya)
11   Adolf Endler
12   Constantin Bănescu
13   Raymond Federman
14   Dilip Chitre
15   Rachel Wetzsteon
16   Gisela Kraft
17   P. K. Page
18   Abraham Sutzkever
19   Lucille Clifton
20   Jelena Schwarz
21   Wladimir Klimow
22   Erika Burkart
23   Edoardo Sanguineti
24   Pete Morgan
25   Bengt Emil Johnson
26   Vesna Parun
27   Walter Helmut Fritz
28   Bella Achmadulina
29   Alexander Mironow
30   Peter Paul Zahl
31   Edouard Glissant
32   John Haines
33   Hamid Skif
34   Thor Vilhjálmsson
35   Jordi-Pere Cerdà
36   Magang-Ma-Mbuju Wisi
37   Andrea Zanzotto
38   Fuad Rifka
39   Rémi-Paul Forgues
40   Wisława Szymborska
41   Wolfgang Schlenker
42   Bernard Vargaftig
43   Richard Anders
44   Nguyen Chi Thien
45   Ali Podrimja
46   Jacques Dupin
47   Bo Carpelan
48   Anne-Marie Albiach
49   Décio Pignatari
50   Werner Laubscher
51   Jean Krier
52   Federico Hindermann
53   Sarah Kirsch
54   Chinua Achebe
55   Alexandru Muşina
56   Rolf Haufs
57   Leung Ping-kwan
58   Elisabeth Borchers
59   Seamus Heaney
60   Hans-Jürgen Heise
61   Kofi Awoonor
62   Helga M. Novak
63   Giorgio Orelli
64   Amiri Baraka
65   Wanda Coleman
66   Juan Gelman
67   José Emilio Pacheco
68   Natalja Gorbanewskaja
69   Leo Vroman
70   Ryhor Baradulin
71   Szilárd Borbély
72   Tadeusz Rózewicz
73   Leopoldo María Panero
74   Samih al-Qasim
75   Gerrit Kouwenaar
76   Miodrag Pavlović
77   Martin Harrison
78   Mariano Lebrón Saviñón
79   Abdelwahab Meddeb
80   Bernard Heidsieck
81   Mark Strand
82   Tomaž Šalamun
83   Sabah al-Kharrat Zouein
84   Arnaldo Calveyra
85   Chris Bezzel
86   Rolf Persch
87   Malek Alloula
88   Yaşar Kemal
89   H.H. ter Balkt
90   Günter Grass
91   Hans Bender
92   Philip Levine
93   Henri Corbin
94   Klaus Rifbjerg
95   Herberto Helder
96   Ulrich Zieger
97   Renate Rasp
98   Tomas Tranströmer
99   Rainer Kirsch
100   Jørgen Sonne
101   Oleh Lysheha
102   Lee Harwood
103   Christopher Middleton
104   Dominik Steiger
105   C. D. Wright
106   Fathieh Saudi
107   Eduardo Chirinos
108   Gülten Akın
109   Yves Bonnefoy
110   Hans van de Waarsenburg
111   Geoffrey Hill
112   Paul Wühr
113   Leland Bardwell
114   Fabjan Hafner
115   Aleš Debeljak
116   Werner Lutz
117   Ilse Aichinger
118   David Antin
119   John Montague
120   Ferreira Gullar
121   Marcos Ana
122   Ray DiPalma
123   Ted Greenwald
124   David Meltzer
125   Harry Mathews
126   Hubert Lucot
127   Thomas Moore Raworth