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Nadja Küchenmeister
nachbild
erschöpft bist du bis in die knochen: nur kurz
zum see, dann ist auch das zuviel. das hohe gras
der hohe sonnenstand. du kannst nicht mehr
zurück. du bist wie dieser parkplatz leer und
ohne ufer und steigst ganz ohne bild von dir
jetzt in das auto ein, aufgeheizt in einer knappen
stunde und riecht schon nach dem stoff der sitze
gummi, oder…du weißt es nicht: siehst du hinaus
siehst du in dich hinein. da ist der schuppen
und die blaue hose, ölbeschmiert, wie alles hier.
in der küche rauscht der sender, ein glas mit
apfelsaft, ein teller nudeln und riecht es modrig
aus der speisekammer und tiefer noch aus der tapete
gefällt es dir. fleckiges linoleum. ein klirren kommt
von der vitrine, schritte. an einer ampel wirst du wach:
ein nachbild. ein verlassener garten. zugewachsen
nur die wäschestangen sind voll von wäsche, wie die
brombeersträucher so voll von brombeeren sind, dich
trifft nichts mehr. nicht der gesang in diesen breiten
straßen. kein hohes gras. kein hoher sonnenstand. du
steigst ganz ohne bild von dir jetzt aus dem auto aus
und hörst den leierton der feuerwache, der kommt durch
viele schichten näher, stille. fühlst du den schlüssel
in der tasche, weißt du, wohin du gehen kannst …
Aus. Alle Lichter. Schöffling & Co. 2010
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Nadja Küchenmeister
Lyrik
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