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Theo Breuer

Die nächste Trope ist die schwerste

Spiel und Wort in den Weiten der Geldmeisterschaft
Essay
  Dieser Essay besteht aus (zum größten Teil ver­frem­deten) Zitaten von Lyrikern, Kritikern, Verlegern, Fuß­ballern, Trai­nern, Sport­journa­listen. Und zeigt, wie verwandt Fußball und Lyrik doch sind  ...

Je est un autre.
Arthur Rimbaud

Ich will, daß alles, was gesagt wird, ins Wackeln kommt, immer wieder neu.
Paul Wühr


Balle balle / Knalle / Wann knalln wir / in der Halle?
/ Wir ballern / wenn der Knaller kommt /
und knallern / was dem Baller frommt! /
Knalle Knalle / Balle / So ballerts / in der Halle
Dieter Roth


1 · Der Wortwüter spricht

Am Anfang ist oft nichts. Die Welt ist aufgeblasen wie ein Ball. Ja, gut, man will sich nicht metaphorisieren lassen, aber es gibt immer die Womöglichkeit, das Leer­gedicht, das hält, was zu halten ist, anzudraggeln. Wie meint der Hinter­nieder­länder: Die Null muß gehn. Das ist möglicherweis die Anti­zipierung für das, was später kommt. Ich muß die Köpfe hoch­krempeln. Und die Ärmel natürlich auch. Ich verrat kein Geheim­nis, wenn ich frag, ob ich nicht immer in einer syste­masthma­tischen Konstell­werkra­tion bin, wenn's jede Sekund heißt: Wem die Stund nicht schlägt. Doppelspaß allein? Vergiß es. Denn für dieses eben ist Herr Bensch nicht blau genug. Ich muß dir kein Bild lachen und Ent­klei­dungen treffen, welche Wörter ich festhalt, welche ich vermeid. Geschenkt. Ach, was muß man oft von bösen / Wörtern hören oder lesen. Was in der Lyrik stimmt, ist einfach falsch. Lyrik les ich schon, wie ein Waldmeister im Wind, als ich noch, klar, nicht lesen kann, und zwar: Alles was der Fall ist, dralle Dichtung, die mich 93 Minuten plus 30 Minuten (halbe Stund) Verlängrung mit Echos aus allen vier Lichtungen beschallt, daß es bloß so widerhallt, mich hornig von einer Eck in die andre verballt, ohne Chance, all die Wörter zu be/halten. Früh schon, auf den schwersten Seiten, knallt mir ein Wortdrall um die Ohren, daß ich, schwindlings, Fäust geballt bloß hoch­schmeiß, ja, was für eine Scharade: Entscheidungen (wie einen Stürmer) zu fällen ist das eine, einen Baum etwas anderes, also, was ich sagen will: Ich weiß, was ich tun will, aber tun tu ich's nicht. Nicht schön der Satz, aber so unglaub­lich wahr, wie nur ein Satz wahr sein kann, ich mein, so unglaublich wahr, wie wahr ein Satz überhaupt sein kann. Ist eine Ent­kleidung betrof­fen, heißt das noch lang nicht, dass die durch die Ent­scheidung beschloßne Tat auch getätigt wird. Lyrik lacht lind, hat man mir gesagt. Das klingt erfunden, ist es aber nicht (in dubio pro theo), doch immer und immer wieder klagst du, tandaradei tandaradei

2 · Der echte Pausenvermeidiger spricht

Wo sind die Wunden? Ja, gut, wer es genau wissen will, weiß, was man zu tun hat, und zwar mit Aggressi­vität und Leidenschaft, mit sehr viel Mehrgeist und Engagement: Lyrik ist unser lesender König, Lyrik regiert die Welt, sing ich mit der ersten Freundin, Katha­rina Meyer, beim Spielen im Zelt. Liebste Fernweh­sen­dung damals: Wort – Spiel – Spannung. Wir ahnen: Das ganze Lesen ist ein Nachspiel, wir wolln bloß gerne raten. Da bin ich fünf. Einer sagt über mich: Auch größenmäßig ist es der größte Nachteil, daß er nicht der Allergrößte ist. Ein andrer hält dagegen: Er glaubt nicht, daß ein Lyrik­talent größer oder kleiner ist. Zuerst hab ich also kein Glück, dann kommt auch noch Pech hinzu. Die lesens­läng­lich von mir betrieb­ne Dichtart ist ja noch im Werden, was überhaupt mein schweigentliches Wesen ist, daß ich ewig und drei Tag nur werden, nie vollendet sein kann. Ich kann auch durch keine Theorie erschöpft werden. Zasku zes rü rü: Das ist das Frohgressive, die ins Unkenntliche sich lehnende Prophe­tisie­rung, die Sprache der Welt verspricht. Die Vergeistrung ist also trotz von wegen wider­sprüch­licher Aussagen groß, und bis ins Verkein­magazin des örtlichen Wortklubs hab ich's, schlimmer Sinn, geschafft. Komm ja aus dem Wort­leis­tungs­bereich, hab mir quasi von der ersten Minut an Wörter geleis­tet: Die Vokabel ist bunt, ein Wortspiel dauert 90 Minuten. Ich hab gebracht, gemacht, gelacht, gedacht: Halt die Luft an, vergiß das Atmen nicht. Dann die kompli­zierte Ver­netzung. Seelenabriß beim Schambein­kochen. Ja, gut, was sich hier lustig anhört, ist beim ernst­haften Spiel mit der Mikrowell passiert. Sanitäter haben mir sofort eine Inversion gelegt. Arzt will Bein adoptieren. Wor­tbein­bruch. Da hab ich, lebens­bäng­lich, gehofft: Wenn man mich jetzt ins alte Wasser schmeißt, könnt ich mir die Dinger verbrennen. In der Stille sind die Dinge klar umrissen: simarar kos malzipempu

3 · Der flinke Banausenvereidiger spricht

Drei Orte nennen wir euch, Sinngehalt quer. Ja, gut, wir haben immer die Finger in die Wunder gelegt, die sonst unterm Fisch vermeert worden wären, irgendwann wird man sich an uns vergehn, und wir werden an keinem Wort­schau­lyrik­sprühling mehr teil­nehmen. Eins ist eh unklar: Von der Einstellung her stimmt die Einstellung, oder nicht? Wir haben uns auch nicht immer gut aus der Atmo­sphär gezogen, als mal ein bißchen der Duft raus ist und Beton angerührt wird, der uns beinnah zermürbt, beinah: Über den Kampf finden wir zurück zur Technik, und nach einer quasi obszö­nen Zombi­nation mit dem röt­lichen Paß in die Schnittstelle des weiten Knittelfelds von Cholera und Charybdis rudeln die Wörter wieder. Heut sehn wir ja, wo wir wie im Frühtau zum Zwerge gehn, tralalala. Nach jedem tiefgelaufnen Wortklau schalten wir schnell um aufs fraktu­relle Wort­stadium. So kommen wir unter die Silben, klek wa puf zi lü. Wir ordern viel, sind drauf gefaßt, noch weniger zu binden, da ist doch Luft nach oben. Wörter, Verse, Strophen: alle Geschosse, Genosse. Wir schreiben Gedichte fern – nach dem Qual­spruch ›Was klimbim ist: kein Witz, nen Stier sehn, den man nicht bemalen kann‹. Und, ja, es ist Unsinn, sagt die Vernunft

4 · Der kleine Finnenbeleidiger spricht

Ein Geist, der gammelt und erschaut. Es ist einfach schwer viel in Bewe­gung derzeit; es könnte gut sein, wenn wir alle uns noch mehr darum bemühn, ebenfalls in Bewegung zu bleiben. Ja, gut, ich denk jetzt nicht, eine Sach wie die Lyrik sei keine Punschkost. Doch die Verhältnisse, die sind schlicht roh, sprich, denkbar brünstig: Ich les im Blätter­wald, ein Wald hinter einem Wald, der vor einem / Wald liegt, die kalten Nach­richten müssen ins Archiv eingebaut werden, ob mir auch das Herz zer­knallt, ich notier Ringe, die mir im Voru¨bergehn der Stäbe auffallen, sammel das eingehende Aus­schank­material, irgend­wann schauschau ich mir das an, merk, daß Teile nicht zusammen­passen, unklaublich schicke Luft, als befänd man sich auf mosäkularer Schwebene, ein einziges Geranke, das zu Wörtern wird, die ich flink finden muß. Was ›natürlich‹ – nicht – einfach ist. Das kann Jahre dauern, bis die Lyrikkinder zusammen­kommen, ach, Federlein, könntest du reimen, so würd der Schmerz gesund. Ja, manches zerwörtelt, Lyrik kann auch Sander­scheinung sein, das ha¨ngt von der Position des Zuhauers ab, dem ist, als ob es sausend Stäbe gäbe / und hinter sausend Stäben, nein, kein Geld. Ja, man kann mich glücklich verpetzen, wenn ich einen treuen Gedichtband in die einiger­spaßes­halber anruchs­volle Gesicht­hand nehm. Beim Samowar (›Die Lyrik hat ihre eignen Gemetzel‹) laß ich die Alko­holiker gegen die Awanti­alkoho­liker anbeten. Beide machen die bei weitem ech­testen Verse: phantastisch blau­grausende Abschieds­bilder, da gibt es keine zwei Mei­nungen, Parolen, Essenzen, die ich beim ta¨glichen Altgesang des öf­fent­lichen Schweden in den Medien hör, wieder­holt somatische Tön wie bei Linden­stadt oder Rheine, schwanz­feine Verlie­bungen, Natur­batteria­lien wie Molke und Tra¨ume werden zu schwer such­stabier­baren Laub­kopien dessen sortiert, wozu sich die Lyrik der Semantik längst herbeigesellt hat. Neben­bei­zweidrei: Daß beim Lyrik­lesen das Klar­neh­mungs­system ver­weich­licht wird, wir in Launen geraten, die Beo­bumn­achtun­gen scha¨rfer werden, ist keine Mär, die in Inter­mailand­views zur Notlüge der Lyrik gern zum Bersten vergeben wird, das liegt aber eher an der Optik als an der Logik. Wer lacht hier, hat gelacht? Mit mir nicht! Jeden­falls war's mir da wurscht, und ich hab gesagt: Sauft weiter. Ja, gut, das ist Lyrik, umsteuert die Dis­harmonien der Gegen­wart, du fliehst die Wespe, nicht den Schmerz

5 · Der feine Binnenvereimiger spricht

Draußen gehn die Bäume. Ja, gut, du bist Tag für Tag im Blätterwald des Ver­gessens. Lächeln, Atem und Schritt. Morgens um neun bist du vier, abends um neun bist du fort. Du machst dies und das und denkst und kannst und willst nicht verstehn, wann wird man je vergehn, bist fern, wo du herkommst, bist fern, wo du hingehst, der wichtige Mann am nichtigen Sport, wie manch einer einlenkt. Kraus zieht bei derlei Angaben gern die Augen­brauen hoch, vielleicht etwas unecht, tönt, das sei doch Moment­aufnahm bloß. Eine Gazelle fügt sich. Du hast mit nicht wenigen aus der Szen immer sehr gut zusammen gerauft. Du hoffst, daß die mit Versen weiter­hin die ihrer Ansicht nach runde Leis­tung zeigen, das würde die Leistung auch in der höchsten Druck­situation abrunden und wem auch immer wieder keine ent­leidenden Schwimm­pulse vermitteln. Es ist zwie­wichtig, im eignen Stadium wie aus dem Nichts zu kontern, du jedenfalls kennst das alles allzugut, fängst bei Null an, kannst zu Hoch­dreistungen roti­vieren bzw. alle Konserven möbelisieren. Du denkst am Anfang: Lach wie eine Lasche, sehr! Es ist einfach, zu sagen, daß dieser oder jener Mist gemacht hat und jetzt um sein Lesen spielt, um wieder Mut zu machen, und damit hat es sich. Statt­dessen sagst du vor: Du brauchst ab sowort Erlesnisse. Du mußt nicht jedes Qualitäts­differen­zial, das du hab, putzen. Du mußt liefern. Manche mögen spiele­risch reifer sein, du zückst jetzt erst mal die Krück. Da mußt du auch schon mal, ›Augen zu, du Lurch‹, den Reim kindlings in die Taschen stauen. Grad wenn es heißt: Rhyme is out of joint, wird bei dir die Vereif­lung vergoren, und du fängst an zu kleben: aus allen Lagen dem Wort auf den Reim gehen (auf den eingilbig dämlich dumpfen Reim, den zwei­hibbelig weinerlich singenden Reim, den dreimilbig leitenden weichen Reim, den spiel­silbig erhei­ternden Reim, den Anfangs­schleim, das Ausgangs­heim, den Minne­reim, ein Echo? fein!, den Frisur­reim, den Leichen­reim, den Verschwendreim, mittenrein im Mittel­rhein, Sausentime, den Tagreim, den über­stehenden Reim, den über­schlagenden Reim, den erhei­terten Reim, den feinen Reim, den unfeinen Reim, hach, Vokal sein, die Paranuß, den Torreim, den Ent­gilbungs­reim, das Rührei, den seicht­laufenden Reim, den authen­tischen Keim, den noto­rischen Reim, das Büttel­schwein, den gekroche­nen Reim, den gespal­tenen Reim, den lauben­reinen Torenreim, den spasma­tischen Reim, den umge­kehrten Reim, die Billigreis, den Elxierreim, den Rabreim, den Maarreim, den Schneuzreim (Almöhm geht in seinem Reiche / und zerspaltet bloß ein ›totes‹ Taschen­buch: / In dem Buch wird eine Leiche / klar verbellt und auf Herrn Bensch lastet ein Fluch. // Almöhm fragt sich, will man Reim zum Schneuzen? / Sehr gestört von jenen Käuzen, / die's soft, unbekittelt packt / vor lauter Furcht, obszön zu sein und nackt. // Schmerzlich spaltet er zusammen, / was er lesend erst verbreitet. / Und kein Wühl­mausender wird verdammen, / weil er schneuz­reimlos entschreitet), den umgar­nenden Reim, den Lockreim, den ver­schenkten Reim, den Schlaufen­reim, jetzt aber: ab in die Betten rein, den Leer­reim, den Hörnerreim – vom Waisen­reim ganz zu schweigen). Die Welt, die mich da draußen beregnet, ja, keimt und reimt wort­während, ist nicht autark, ist keine bloße Angammlung von Zitaten, Bruchtücken usw. Hier ist die Red von Beseßnen, gefreßnen Herden / von Frühmahl und Eifel, hier ist der Honig der Weisen. Zum Laufpakt gibt's, statur­gemäß, Verrückt­schläg, da mußt du saustark sein; wer ver­schmitzt ist, kommt in die Weltwäsch. Alles, was am Ball ist, mußt du in der Karenz nutzen, also weiter, weiter, immer weiter, so lang wir's noch gönnen, Gedicht­erbsen­zähler machen weiter, Atom­industrie kracht weiter, Arbeiter wachen weiter, Legie­rungen machen weiter, Bock'n'Soul-Fänger machen weiter, Preise lachen heiter, Papier entfacht weiter, Biere und Schäume machen weiter, Plag und Macht machen weiter, Metrum macht weiter, das Gedicht stimmt ein Blutgeheul an as rhyme goes by

6 · Der Hexer spricht

Der unkenntlichen Worte verächtlich belagerter Kahn. Ja, gut, manche halten Lyrik frei­lich für einen Krampf auf Lesen und Not. Ich mag diese Einhellung nicht. Lyrik ist weit ernster. Hinter den Schuhkisten ist gewesent­lich zu lesen, man wolle nicht ausschließen, daß ich weiter­lach, aber man geb auch keine Garantien von nun an bis in Ewigkeit. Ob ich vor dieser Chance jahrelang gekartet hab, kann man so nicht fragen. Wie so oft liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit. Ich hab nie an der Chancen­mimosigkeit gezwei­felt. Ich laß Ent­stück­lungen auf mich zukommen, das ist ein Mundsatz von mir. Ich absorbier's mal so: In einer Straße höhnt es, Verwirrer: Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Eure Stimme – da seid ihr doch dafür ver-ant-wort-lich! In der Lyrik verkompliziert sich halt alles durch das Vor­handensein der regne­rischen Wörter: Befiehl verletzten Wörtern toll zu sein; stell ihnen noch unermüdlich Fragen, dräng sie zur Ver­schwen­dung hin. Ich laß mich nicht graziös machen, das geb ich auch nicht zu. Für mich ist nichtig, daß ich identisch sein kann, daß ich nicht mit Wolle spielen muß, ich will Wörter verörtlichen. Lyrik ist doch längst die Nummer Zwei. Rosa übrigens auch. Von Ethik, Frohesie ganz zu schweigen. Wer sich dieses, blick­dicht, mit jeder­manns Augen vorsagt, erlebt keine unge­heure Beschleu­nigung des erlebnis­orientier­ten Schenkens. Es hat gut angefangen, aber ich wär pro und kontrahuru, wenn es auch einmal, Ende, Hände, Mayo, Käse, gut aufstören würd. Jedenfalls könnt ich mir nie verzeihn, wenn mich die Ver­bannt­wordung nicht erhellen würd. Ein Kränkmal will ich nicht sein, darauf kreißen ja nur die Schrauben. Über­haupt: Job hat den Teufel in der Lyrik gesehn. Ich bin da kurz­sichtig. Ein blu­tendes Gesicht spricht auf irgend­einer Reis von der Lex Demenz der Existenz, von dem, was uns im Innersten ansieht und umschnürt. Das ist ein Gewühl, wo man bloß schwer beschreiben kann. Ich unter­scheid zwischen Häuten, die mich kennen, die Fluktua­tion ein­ätzen können, und denen, die mich nicht nennen. Ich hab immer gewarnt: Wer eine Obduktion auf mich hat, muß sehr weit­sichtig sein. Hier wird schnell Personen­waagen­kult be­trieben. Und man hetzt die Meute auf mit Ratmachen, ich bin nicht auf Klarheit erpicht – und auf Hering schon gar nicht. Trotzdem will ich die Sprach nie verprassen. Ich will mich bis zum Lesensend beim Wort nehmen, am liebsten noch weit darüber hinfort. Ich bin Teamplayer, mir ist die interne Wirkung nicht zwie­lichtiger als die öffentliche. Für mich gibt es ent­weder entweder oder. Also entweder voll oder ganz. Die entblößte Heraus­fordrung dieses Wortkaders ist die Balance zwischen defen­siv und offensiv. Ein Akkord­spieler läßt sich nicht vom Intellekt bekriegen, ein Sofort­spieler ent­scheidet selbst über sein Schick­sal. Wir haben ja öfter Endleid­trimmung, was die Wörter angeht. Aber das ist doch Lyrik. Es gibt Wörter, die wirbeln so, und es gibt Wörter, die werkeln so. Das ist immer so, wenn Wörter zu­sammen­kommen. Und das zielt mir in die Karten. Ich bin immer selbst­kritisch, auch mir selbst gegenüber, und ich glaub schon, daß ich daran einen großen Anteil hab. Ja, gut, bei uns wird manchmal zu wenig lyrisch gespro­chen. Das könnt an der Kommuni­kation liegen. Es darf aber jetzt nicht alles übers Vieh sprechen, man muß abwarten, was kommt, die Hoffnung wirkt schlimmer: ganz gehetzt. Es wär wirk­lich der größte Fehler, wenn wir glauben, daß wir die Über­winterung des Wiß­verständ­nisses bereits verstanden hätten

8 · Die Hoppelsechs spricht

Je est un autre? Steht's noch? Ja, gut, ich lern doch nicht extra Französisch für die, wo dieser Sprache nicht mächtig sind. Ich denk auf blutdeutsch: 11 Elfchen wolln wir sein, c'est ça. Lyrik ist für mich eine Mikropoß der ver­schlammten Geseilschaft. Alle Pro­zesse, die in der Familie, in der Großfamilie, in der Klein­familie, in irgend­einem Unter­nehmen ab­saufen, schwimmen auch im Wort­hallenbad. Das gilt natürlich ebenso in Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien. Im übrigen lautet das Motto, auch wenn's Schnee von morgen ist: mit dem Boden auf den Füßen bleiben. Dafür ist der Unterschied zwischen vorher und nachher einfach zu kraß. Das muß ich jetzt sagen: Ich bin ja richtig explo­diert in der letzten Zeit. Aber ich muß es auch erklären. Es gibt da drei Punkte: Erst mal ist es so, daß ich ein sehr plausibler Nachspieler bin, ich bin nicht so, wie ich öffentlich wahr­genom­men werd. Ich hab früher die großen Philo­sophen gelesen, aber davon wurd der Wahnschmerz auch nicht weniger. Ich hab gemerkt, daß die vom unnorm­schalen Denken absolut wegschleichen. Jetzt les ich nur noch ein Lyriklachwerk nach dem andern, pack so das Tier bei den Wurzeln. Ich bin sehr debibel und stell für jeden nach­spielenden Kollegen keine große Heraus­fordrung dar, weil ich autark von Trimmungen les, was den Baum / einen Moment lang verändert, die / Gedanken nicht. Ich denk, daß ich auch niemand bin, den man sehr gut anpassen kann. Und ich bin ein Knobler, der den Editortor­tor einer Tautologie oder Literaturneidschrift sehr viel Syner­gie kostet, ich bin es aber zu eins­kom­manull Promille wert, daß man diese für mich einschätzt, denn meine Versfüß sind mit allen Abwassern gewaschen. Ich arbeit mit Start­versionen von 150 bis 200 Zeichen, manchmal greif ich ho¨her. Mehr als 300 mach ich nie. Aber das sind und bleiben Gedichte, nur ist ihre Herstellung den Tendenzen eines der Poesie feindlich gesinnten Markts angepaßt. Der zweite Punkt ist der, daß es für mich nicht einfach einfach ist in den ersten Stunden der quasi zweiten Glückkehr als Has im Pfeffer. Ich bin ja vom konsen­sationellen Buch­wandel weg­gehoppelt. Ich muß fest­stellen, daß es da, ja, schon wieder eine bloße Diskre­stanz gibt zwischen dem, was ich erwort und dem, was ich vorfind. Ich hab es mir nicht sehr genau überlegt und dann erst spontan zugesagt. Die Situation ist aussichts­famos, knistrig. Im Gedicht kann alles passieren, ich bin auf einem guten Weg, halte still und warte

10 · Als Viellacher spreche man so

Der Rumschreiber sei also ein Held, haha, und das liege auch daran, daß das unge­heuer­liche Publikum nicht schwinde. Man sei nicht andrängend, spreche nie mit Nüssen. Jagottogott. Das sehn die Bauern, ratlos und alt. Solle man die Wörter etwa in die Kresse baun, damit die Spannung erhal­ten bleib? So breit, so gut, die Versfüß trügen einen – voran. Wie der Wortwüter schon sage: Kopf hoch­krempeln. (Und die Ärmel natürlich auch.) Okay, wenn man ein Spiel verliere, fahre man eben wieder nach Haus. Raus die Laus. Balle, balle, manche Ecke. Das habe man auch verbal gesagt. Man könne nicht sagen, daß man es nicht gesagt habe, da man es schon mehrfach gesagt habe. Es überwiege eigentlich beides. Man fühle sich, unterm Ausschuß der Öffentlichkeit, nicht unbedingt unwohl. Oder im Klartext: Man habe die Wörter ganz karibisch zusammen­ge­stellt, habe vom Feeling her kein gutes Gefühl. Wenn man keine Wörter hinschreibe, sei's nicht ballzuschwer, kein Gedicht zu machen. Man tue jetzt nicht bloß der Frau kund: Das Wort sei ein dreckiger, eckiger, fleckiger, speckiger, zeckiger Schlauhund. Lyrik sei Ding, Dang, Dong. Es geb nicht bloß Ding. Ein Lyrik­tropfen, Hauch, der spurlos sich verlier, sei mehr als aufgespültes Prosameer. Ja, gut, das größte Emblem beim Spiel seien die Wörter. Wenn man die abgaffen könnt, wär alles Mut. Man habe mal ein Wort ausge­wechselt, weil man ein andres Wort hab einwechseln wollen. Da habe man ja eins aus­wechseln müssen. Gedichte seien keine Romane, das habe man da wieder ganz klar gesehn. Wenn ein Gedicht hinten offen sei, könne es nicht ganz dicht sein. Wörter vertrügen – kein Lob. Wenn man zum Worte gehe, beim Packen die Peitsch nicht vergessen, haha. Lyrik sei vermessen, oft nicht mehr zwieschichtig, keine Art Erwachen, das Nicht­infrage­stellen von Klobig­keiten zum Freispiel, schnurz und legal: Im Gedicht sei alles möglich

7 · Der schlechte Zauselzahner spricht

My English is bad, my German is badder. I know nothing. Yet I know everything: Die Welt fängt im Menschen ja gut an. Ja, gut, sorry, leider hab ich versäumt, Grenzen zu verletzen. Wir brauchen das, was man hiebevolle Senge nennt. Ich hoff, daß wir da wieder hinkommen, weil diese Rundumbeschreiung auch nicht des Rudels Stern ist. Als ich einsteig, hab ich geblufft, war nicht ganz unrisikotoll (Is this a dagger, which I see before me?), gilt aber weiterhin: Wir dürfen jetzt bloß nicht den Sand in den Kopf stecken. Also: Wir haben ein Abstimmungsödem, das müssen wir aromatisieren. Konkret abstrakt gefragt: Wie baust du Metapher, Metonymie in die All-you-can-read-Klänge ein? Früher hab ich ent­schieden: Beide zusammen in der zentralen Position geht – nicht. Die Antwort darauf war, daß die Metonymie entweder in der ersten oder dritten Stroph auftaucht. Oder an der Spitz – und damit war die Metapher draußen. Ich hab sie aber sofort wieder eingesetzt. Mir ist klar, daß man diesen Weg bloß lesen kann. (Die Leut lesen ja Gedichte, weil sie nicht wissen, wie sie ausgehn, verpetzt Peer Quer without rhyme or reason: thyme or treason?) Mit den beiden rhetorischen Figuren als Tandemspitz im ersten Vers, mit der Metapher im dritten, der Metonymie im siebten Vers, das ist in diesem Ball auf Fall der Knall, die Über­waschung. Es geht einfach darum, diese rheto­rischen Virtua­listen bei aller Sein­freiheit in eine kollek­tive Wortung einzufügen. Faktisch-taktisch bleibt das zwar ein Ringen: Ich weiß um das Gebaren, ich weiß, daß sich die Gefahren noch oft genug zeigen werden: frailty, thy name is poem! Aber ich weiß auch, daß Gedichte mehr Gewinn durch diese Installation haben. Der Wortabschuß ist ausgeglichen: Die Allusion ist zehnmal erfolg­sam gewesen, die Metapher neunmal, sie sind zusammen an 88 Gedichten im nächsten Spiel beteiligt. Da ist die Aussicht auf Gewinn nicht größer als das Risiko. (I've had my share of quacks and hisses.) Oder gibt's einen schönren Vers als: Gib mich die Kirsche? That's it: the collapse of time in (broken) images in April, the fool of months. Und für die Metonymie ist es ein guter Schnitt in der Entwicklung, daß ihre Leistung im Gedicht nun auch mit der im ganzen Spiel überein­stimmt. Ja gut, wenn ich mich so umseh, die Bärliner Gummi­lyrik­märchen­bärchen sind vorn nicht bloß vom Feinsten bestückt. Alles wird übersattet durch diese überfragende Frauschaft. Aber ich hab genügend Popanz für die: yearning by doping. Es gibt kein Vorbild o. ä., mir geht's um die unend­lich präsente Fortspielidee. (Ich bleib auf jeden Fall wahr­schein­lich bei diesem Wort.) Ja, alles geht ein in das eine Gedicht, das eine Spiel. That's the way the cookie crumbles. Verschworne Macht? Von wegen: Was darf das Gedicht? Alles. Why, I can smile, and worder whiles I smile. Konzept ist Kokolores. Was bringt's, wenn einer predigt: Ein Gedicht dauert 90 Sekunden. / Wer die Metapher zweimal nennt, gehört schon zum Establishment. / Da muß mehr Bildhaftes durch die Mitte kommen. / Once a poet, always a poet. / Die Verse stehn viel zu tief. / Das ist eine Deprimierung. / Da kommt zu wenig Druck von den geilen Sprüngen. / Da gehn zu viele Wörter ins Leere. / Ein früher Vergleich tät dem Gedicht gut … Das Credo lautet: Ein Gedicht zum Klingen zu bringen ist nicht leichter, wenn man gut spielt, als wenn man echt spielt. Wer wie bemerzt mit Wörtern be­leidigt, greift nie verscherzt mit Wörtern an. Man kommt aus der Tiefe des Wortraums und schreibt, wechselnd alternierend: Man sah das Meer so wie man sah / was Meer war als man Wellen dachte. (Mrs Columbo läuft mir über die Leber, flüstert: I'll bet you're enjoying yourself more than you want to admit.) Enough. Enough now

9 · Der Wirbelstürmer spricht

Dort, wo du bist: Bespiel ein paar Wörter. Ja, gut, das nenn ich mal eine gut intrigierte Truppe, wenn die Wörter gemächlich ineinanderschlängeln. Aggressivität und Aktivität in die Mundschaltung eincremen. Wenn du die Wörter stark höhnisch vereidigst, werden die Wörter auch nicht argwöhnisch eingreifen. In der Lyrik ist es doch nicht wie im Bußfall: alles Klopfsache. Es gibt für jede Wortsau immer nie eine Möglichkeit, und die geht ja, klar, nicht. Gute Reime kann niemand vom Ball trennen, gute Reime spielen nie kleinklein. Kaiser­schmarren, alles Ballegorie, aber die Mutklauer, sie harren nicht aus. Wir wie Wort wird was gewagt: Da fliegt Zeppelding bloß und dumm durch vergleichenden Versball, keine Kluft mehr zwischen ›dir‹ und ›Tier‹, die im Verschwendreim wieder zweiprächtig zueinan­der finden, da weht der Duft, Duft, Duft des bloßen breiten Belt herüber: Du tropfes Tier, / Ich – – – – – – – liebe – – – – – – – dir! Solche Gedichte schreibt pur nur die Lyrik. Würden wir immer so spielen, wärn die Leistungen nicht altwankelblütig. Aber wem sag ich das: Eschte Reime stonn zesamme, stonn zesamme su wie eine Jott un Pott, lachen ja die Höhner, die jungen Echtleidschreiber beschmerzigen das nach dem Leersatz von jetzt oder wie – es ist ein Wortfeld, in dem du dich verwirrst. Ich orakel mal, das kommt echt de profundis in dieser herbstlichen Nacht im April: Wer jetzt kein Baumhaus baut – wie steil ist das denn? Tor! Hammer. Darüber hinaus find ich es bloß artig, daß sich (nicht nur) die Fraun immer mehr vermeeren in der Lyrik. Es ist nicht so, daß, wenn es anders wär, auch anders aussehen könnt. Es ist eher so: Man steht kompakt zum Gedicht, staubt einen scheuen Gedanken ab. Im Vergleich stehst du auch nicht besser oder schlech­ter da, als es ist. Ich denk mal, ich hab ein ganz spezielles Vermählnis und eine ganz serielle Ver­trauens­sensation. Tagsüber, wenn die Wonne weint, ist mir nicht wärmer. Ich will Versfuß für Versfuß vorgehn, bis die Kniekehlchen singen. Bewahr erst mal über allen sauren Zipfeln die Ruh. Muß irrational denken, nicht emotional: Seio­krontro – prafriplo. Muß versuchen, gemeinsam die steilen Zeilen­kurven zu kriegen. Will das Gedicht doch nicht so echtreden, wie es wirklich ist. Manchmal ziehn die Wörter sich weit zurück, stehn dicht gestaffelt hinten drin und warten auf Konter. Da heißt es Zocker bleiben, witzschnell auf Gegenangriff umschalten. Heiterkeit verknoten. Ein Tor hängt an einem Wipfel, mit Zweck­strähnen geneckt und versumpft. Spiel für Spiel geht's darum, den Wieder­gang zu ver­mindern, das ist die Mission, darauf bin ich feixend fixiert, wenn ich das schaff, können wir zusammen hetzen. Damit kann ich sehr gut lesen. Brauch für mich nicht mehr Unsicherheit, als zu wissen, daß ich, ja, gleich einen ortlosen Wortschatz heb. Bin so gestrickt, stürz mich mit großem Grimm, palim, palim, aufs Wort, das ich treffen will, das aber immer wieder nicht dort ist, wo ich's vermut. Mein schönstes Ergebnis, das ich nie vergeß, ja gut, das war ein baumhaft herauswagender Augenblick, als man zu mir sagt: Komm, Freund, zieh die Sachen aus, jetzt geht's los. Hallo? Da hab ich bloß noch gedacht: brechen, bersten, knacken, krachen. Rein das Ding, fertig und ab nach Hause

11 · Der flinke Flausenmahner spricht

Geldgeheimnis: Der tiefe Brunnen weiß es wohl. Ja, klar, ich verdien weniger Geld, ich bin ze lange arm gewesen ân mînen danc. Wucher­preis? Nie gekriegt. So ist Lyrik. Manch­mal gewinnt der Beßre. Vom Sentimentalen her den Fall also lieber mal wach­halten. Ich mach nie Voraussagen. Werd das auch weiter­hin nicht tun. Es gibt eine neue von Klan­genten gescheuerte, geschnürte Rum­schreiber­genera­lisa­tion, wo man nicht so hoch­sterili­sieren bzw. -kristal­lisie­ren muß. Ein bester Freund hat viel für Drachen­putzer, geile Treiber, agile Mobile auf­gegeben. Den Rest hat er einfach verpaßt. Für mich ist das nichts. Schlau ist alles, Theo, nie, maß­geblich ist im Gedicht. Bifzi, bafzi; hulalemi. Will mich nicht meta­morpho­nisieren lassen, brauch keine Begatter, die mich per Vers beschälen. Ja, gut, die Breit an der Spitz ist dichter geworden. Glaub, daß jeder jeden fragen kann. Mal verschmiert man's, und mal gerinnen die andern. So ist Lyrik. Aber wenn ich mich an dem Gefühl laben sollt, daß die Gestaltung, die ich hab, irgendwie ausgeputzt wird, hau ich dazwischen. Träum, der nächste ›April‹ stünd ballhart vor dem Tor. Im April geht's über zu munter, was kleinen betörenden Ein­fluß hat. Daran denk ich aber, und wie, vorm Spiel, das mach ich nie. Du mußt dich mit Schemen besänf­tigen, wo uninteres­sant sind: Angst­nasen­lyrik. April lacht, wann er will. Was läuft wo wann hin? Fliegt dir vom spitzen Knopf der Mut? Synasketisch gebrochen: Man säuft gern in den Mai, Lyrik ist schließlich kein Bravraum, aber das wär wie Kinderzahn und Steinefest, wenn am 30. Mai die Lyrikwelt nicht unterging. Das nächste Gedicht / ist immer das erste. Klar könnt ich jetzt sagen: Da ist das Ding! Aber bloß nicht früh genug irgendwelches Ausfragen à la ›Der Vers ist rund?‹ usw. Das ist nicht ungesund. Tremo­lotion, Stimmun­gslag, damit muß keiner arbeiten. Wer weiß, ob's morgen kein Nachspiel gibt. Ortschau und akku­schnelles Tort­studium mit Hinter­vorka­mera drücken mir dort und dort ein Wort aufs Aug. Die Fratze läßt das Schmausen nicht. Word­oholic buht und lacht, Schlag um Tracht. Ich les und spiel, alles andre ist primär. Diese Wort­vielbe­geistrung hat ja schon fast was Aso­ziales. (Knapp daneben: auch vorbei.) Montag nehm ich mir vor, im nächsten Gedicht zehn Wörter auszuwechseln. (Hat 15 Minuten gedauert, sieht man ja auch.) Lyrik ist unbe­rechen­bar – wie Schach, nur ohne Würfel: Dienstag sind es sieben, Mittwoch acht, Donners­tag vier Wörter, Freitag knapp drei. Sams­tag­nach­mittag stell ich fest, daß ich dieselben elf Wörter einsetz wie zuvor. Auch diesen Sonn­tag werd ich ab 20 Uhr 15 wort­schritt­lich mit vielen Zielen spielen: Tatort­leid, Nahtwortzeit, Abend ballerseits, da sind ein paar Kata­strophen hinfällig, trans­gres­sives Forechecking mit Dralleffekt: Wir träumen von Reisen durch den Weltball, ja, ist denn der Weltball nicht in uns? Es ist lichtig, 90 Minuten bang mit toller Kon­födera­tion zu denken: Nach Lyrik drängt, / An Lyrik hängt / Doch alles. Ach wir Armen! Ja, gut: Nach dem Gedicht / ist vor dem Gedicht, ob auf oder neben dem Gemeinplatz. Ich wag mal ne Prognos: Die schrägste Ballode ist die fairste. Könnt so, so oder so ausgehn, irgendwo dazwischen. Ich empfehl nicht, das Gedicht als Ge­sprächs­sonder­angebot zu verstehn. Sensuali­sation ist vergänglich, Metaosmose verfäng­lich. Und wenn ich nicht umworben bin, dann les ich heut noch, hei: siri suri sei. Mit dem Schlußpfiff geht bloß ein Wort noch ins Abseits, sehr bedächtig, eilends: Ich habe fertig. Der Rest ist SILENCE
Theo Breuer    12.06.2014    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   

 

 
Theo Breuer
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