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Theo Breuer

Versnetze · Wortnetze · Lebenszeichen

Axel Kutschs Lyrik-Anthologien 1983 – 2011
 
Versnetze_vier
Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart
Hrsg. Von Axel Kutsch
Verlag Ralf Liebe 2011
Das Buch bei Amazon  externer Link



Keine Anthologie vermag alle Erwartungen zu erfüllen.
Karl Otto Conrady

1  Ansichten · Anthologie · Anzug · Augenblick · August · Auffassung · Aufbruch

ANZUG, KRAWATTE, KEIN ANZUG, KEINE KRAWATTE,
Blick aus der Straßenbahn als hättest du wie eh und je

nichts zu tun mit ihren Geschäften, als seist du noch
immer jener fremde Blick aus heftig schaukelndem

Bummelzug, sich nirgends einmischend, Unpartei, kein
Gesicht, kein Name, abgestellt zwischen Umspannwerken

und Warenkatalogen. Als seist du noch immer dieser
Zeichenstift, der, aufs Papier gedrückt seinen Tanz vollführt,

sprachlos, strichlos, mit oder ohne Krawatte, mit oder ohne
Anzug, fixiert auf die beiden Bremslichter in der Nacht.

Hans Eichhorn


Pro captu lectoris habent sua fata libelli – Je nach Auffassungsgabe des Lesers haben die Büchlein ihre Schicksale (Terentianus Maurus, 2. Jh. n. Chr.), lese ich in Ivo Leder­gerbers im Spätsommer 2011 beim Frauen­felder Waldgut-Verlag er­schie­nenen Gedicht­band Besuch bei einem Freund. „Besuch bei einem Freund“ – so mag eine Eigen­tüm­lich­keit der Lek­türe des Lyrik-Sammel­bands Versnetze_vier be­schrie­ben sein, den ich in diesen späten August­tagen (die Seen hell, die Himmel weich) lese und der mir – wie die in den Jahren zuvor erschie­nenen Bände – durchweg die Empfin­dung vermittelt, ich säße mit dem Freund zusammen und läse (bespräche) mit ihm gemein­sam die aus­gewähl­ten Gedichte, Vorzüge dieses Verfassers hervor­hebend, Haken und Ösen jener Verse in Frage stellend, wobei die jeweiligen Auffas­sungen – entgegen des von Heidi Brühl bzw. Brings in die weite Welt hinein gesungenen Wunsches, der mir in diesem Augenblick unweigerlich in den Ohren summt – auch immer wieder einmal auseinandergehen.
Im August 2011 erscheint mit Versnetze_vier der 29. der von Axel Kutsch seit 1983 edierten Lyrik-Sammel­bände (mit Gedichten von 216 Auto­rinnen und Autoren auf 329 Seiten), die seit 2008 jeweils den­selben Titel tragen und in den Jahren zuvor unter den verschie­densten Titeln – zumeist als Lyrik­jahrbuch, gelegent­lich als histo­risch angelegte Themen-Antho­logie – erschienen:

1 · Die frühen 80er. Lyrik und Prosa · 1983.
2 · Keine Zeit für Lyrik? · 1984.
3 · Lebenszeichen 84
. Lyrik · 1984.
4 · Gegenwind
. Neue Gedichte deutschsprachiger Autoren · 1985.
5 · Ortsangaben
. Lyrik · 1987.
6 · Lyrik 87
 · 1987.
7 · Wortnetze I
. Neue deutschsprachige Lyrik · mit Michael Rupprecht · 1988.
8 · Wortnetze II
. Neue deutschsprachige Lyrik · 1990.
9 · Wortnetze III
. Neue deutschsprachige Lyrik · 1991.
10 · Zehn
. Neue Gedichte deutschsprachiger Autor(inn)en · 1993.
11 · Zacken im Gemüt
. Deutschsprachige Lyrik der 90er Jahre · 1994.
12
· Der Mond ist aufgegangen. Mondlyrik vom Barock bis zur Gegenwart · 1995.
13 · Jahrhundertwende
. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart · 1996.
14 · Orte. Ansichten
. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart · 1997.
15 · Das große Buch der kleinen Gedichte
. Deutschsprachige Kurzlyrik der Gegenwart · 1998.
16 · Reißt die Kreuze aus der Erden!
Lyrik in den Zeiten der Revolution von 1848 · 1998.
17 · Der parodierte Goethe
. Neue Texte zu alten Gedichten · 1999.
18 · Unterwegs ins Offene
. Erste Gedichte aus einem neuen Jahrt. · mit A. G. Leitner · 2000.
19 · Blitzlicht
. Deutschsprachige Kurzlyrik aus 1100 Jahren · 2001.
20 · Städte. Verse
. Deutschsprachige Großstadtlyrik der Gegenwart · 2002.
21 · Zeit. Wort
. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart · 2003.
22 · Lunas kleine Weltrunde
. Das Mondkarussell der Poesie · 2003.
23 · Spurensicherung
. Justiz- und Kriminalgedichte · mit Amir Shaheen · 2005.
24 · 47 & 11
. Echt kölnisch Lyrik · 2006.
25 · Versnetze
. Das große Buch der neuen deutschen Lyrik · 2008.
26 · An Deutschland gedacht
. Lyrik zur Lage des Landes · 2009.
27 · Versnetze_zwei
. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart · 2009.
28 · Versnetze_drei
. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart · 2010.
29 · Versnetze_vier
. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart · 2011.

Nachdem ich im Frühjahr 2011 anläßlich des 28., von Christoph Buchwald in Zu­sam­men­arbeit mit Kathrin Schmidt heraus­gege­benen Jahrbuchs der Lyrik den Essay Jahrbuch der Lyrik 1979 – 2011 einschlie­ßlich eines voll­ständigen Alpha­bets aller 850 von 1979 bis 2011 im Jahrbuch ver­öffent­lichten Autorinnen und Autoren im Poetenladen publi­zier­te, erscheint es aus meh­reren Gründen sinn­voll und selbst­verständ­lich, Ver­gleich­ba­res anläßlich der Heraus­gabe des 29. von Axel Kutsch edierten Lyrik-Sammelbands zu tun und dem Porträt Vers­netze über den Sprach­raum legen von 2009 den Essay Versnetze · Wortnetze · Lebenszeichen zur Seite zu stellen.
Die 24 zumeist kurzen Einwürfe (die ausführ­licher und dif­feren­zier­ter die Eigen­arten der Kutsch-Antho­logien in den Blick nehmenden Auskünfte sind in Versnetze über den Sprach­raum legen nachzulesen) werden von Buch­staben zu Buch­staben – mit insgesamt 1.200 von A bis Z aufge­liste­ten Namen – von Wörtern, Zitaten und Gedichten beglei­tet, die ich in der Mehrzahl – wie Anzug und aufbruch – in Versnetze_vier vorfand.

aufbruch

von augen und ohren
bewachte tage
jahrzehntelange nacht
wortschablonen vorgestanzt
kopfvermintes land
schrittgrenzenblick
kreuzrisse im beton
auf ausgetrocknetem boden
fluchten demonstrationen
erschüttern fundament
implosion hinter mauer
aufbruch

Roland Mittag


Abel – Axmann
  • Abel, Günther – 3
  • Achten, Willi – 29
  • Achterberg, Joachim – 3
  • Adler, Erich – 28 · 29
  • Agthe, Kai – 25
  • Ahr, Isolde – 19 · 20 · 21 · 27
  • Alexander, Elisabeth – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 19 · 21
  • Alkofer, Andreas – 1 · 2 · 3
  • Al-Maaly, Khalid – 9
  • Althammer, René – 9
  • Altmann, Andreas – 13 · 14 · 15 · 18 · 20 · 21 · 22 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Altschwager, Gerda – 2
  • Ames, Konstantin – 27 · 28
  • Ammon, Renate – 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 7 · 13 · 15 · 23 · 27 · 28 · 29
  • Anderka, Johanna – 3 · 4 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
 
  • Ani, Friedrich – 4 · 5
  • Anspach, Ingo – 4
  • Ansull, Oskar – 5 · 6
  • Anton, Rolf – 1 · 4
  • Arend, Käte – 4
  • Arenz, Michael – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Arlt, Ingeborg – 27 · 28 · 29
  • Arlt, Jochen – 20 · 21 · 22 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Arndt, Ernst Moritz – 12
  • Arnim, Achim von – 12
  • Arzenheimer, Melanie – 26 · 27 · 28 · 29
  • Aslan, Gazi – 7 · 8 · 9 · 11
  • Asmuth, Gabriele – 7 · 8 · 9 · 10 · 11
  • Ausländer, Rose – 12
  • Axmann, Elisabeth – 8


2  Bild · Blick · Buchstäblich · Blutberberitze · Beiträger · Bora

bora

mit der europastraße nach zagreb einen nachmittag
aus der ebene gesägt nachts hob sie sich

morsch von gedankeneinschüssen & den salven
der plastikplane über der vorvorgestrigen

grillkohle und MOSOR & KOZIAK alles gefallener abfall
vom mond gebröckeltes licht und irgendwo

landet (der flughafen wiedereröffnet) im tv-verminten
gelände der blick zurück ohne ziel

Marcus Roloff


Es ist Fama, daß Gedichte im zeit­genös­sischen Leben moderner Menschen kaum eine oder gar keine Rolle spielen. Das Gegenteil ist der Fall: Buchstäblich überall begegne ich attraktiven Wörtern, Reimen, Sprüchen, Zweizeilern, Vierzeilern. SMS-Botschaften vor allem junger Menschen geraten immer wieder zu verblüffend lyrisch verdichteten Kurzsequenzen (hat man mir gesagt). Ich erlebe nonstop Lyrisches in der Sprache des Alltags – an der Ecke, im Kiosk, an der Tank­stelle, im Supermarkt, in der Fabrik­halle, am Mittagstisch, auf dem Feldweg, im Wald, beim Fernsehen, am Meer, im Internet „usw.“ –, die unentwegt so über­raschend bildhaft daherkommt und voller übermütiger Vergleiche, tollkühner Metaphern, geistreicher Witze, hemmungs­loser Über- und Unter­treibungen steckt. Und wieviel Lust am bildstarken, klangvollen Wort finde ich in den Fachsprachen vor – wie viele biologische Bezei­chnungen, beispielsweise, tragen dieses Besondere in sich, das ich ›lyrisch‹ nenne: Blut­berberitze, Tausend­gülden­kraut, Teufels­kralle. Die Sprache der Werbung begleitet mich auf Schritt und Tritt mit zugespitztem Wort und eingän­gigem Bild, ganz zu schweigen von den zumeist gereimten, oft anspie­lungs­reichen Texten der allge­genwärtigen Songs der Hardrock-, Hiphop-, Pop-, Funk- und Punk-Szene (usw.), die wiederum vor allem junge Menschen wie selbst­ver­ständ­lich mitsingen. Die meisten von ihnen denken dabei wahr­schein­lich gar nicht darüber nach, wie nah ihnen Lyrik und lyrische Sprache am laufenden Band sind, vor allem einge­denk der von Karl Otto Conrady so einfach und klar formu­lierter Ansage: Lyrik muß nicht lyrisch sein, die die Bandbreite der Form(ulierungs-)Möglich­keiten im Gedicht ins Unend­liche gleichsam ausdehnt.

Bachmann – Bydlinski
  • Bachmann, Ingeborg – 19
  • Bächler, Wolfgang – 12
  • Bäumchen, Ulrike – 11 · 14 · 15 · 19
  • Balzer, Guntram – 9 · 10 · 11 · 12
  • Bardola, Nicola – 5 · 6 · 7 · 8
  • Barwasser, Karlheinz – 4 · 5 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 14 · 19 · 20
  • Basse, Michael – 4
  • Bauer, Thomas – 7
  • Baumann, Richard – 3
  • Baumeister, Pilar – 9
  • Baumgarten, Rolf – 3
  • Beck, Ingrid Jutta – 1 · 2
  • Beck, Klaus – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13
  • Beck, Patrick – 28
  • Beck, Ulrich – 5 · 6 · 7
  • Beckelmann, Jürgen – 5 · 7
  • Becker, Jürgen – 13 · 14 · 18 · 24
  • Becker, Kerstin – 28 · 29
  • Becker, Thomas C. – 7 · 8 · 9 · 10 · 11
  • Becker-Berens, Gisela – 19 · 20 · 23 · 25 · 29
  • Bee, Brigitte – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11
  • Beeler, Jürg – 12
  • Beeren, Dorit – 1 · 2 · 3 · 4
  • Beetz, Dietmar – 10 · 11 · 13
  • Beierwaltes, Margot – 28
  • Beil, Leander – 27 · 28 · 29
  • Beil, Ulrich Johannes – 11 · 13 · 14 · 17 · 18 · 19 · 20 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Beisel, Stephan – 10
  • Beitlich-Dörfler, Gertrud – 7
  • Bellack, Udo – 4 · 5 · 6 · 7
  • Bender, Hans – 8 · 19 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Benn, Gottfried – 19
  • Berghaus, Karin – 2
  • Berghof, Gabriele – 19
  • Bergmann, Rolf – 10
  • Bernarding, Klaus – 5 · 6
  • Bernauer, Joachim – 3 · 4
  • Bernhard, Dagi – 7 · 8
  • Bernstein, F. W. – 18
  • Beyer, Marcel – 7 · 8 · 9 · 14 · 15
  • Bianga, Carl – 15
  • Bieberle, Christian – 7
  • Biebricher, Rita E. – 3
  • Bien, Stefan – 10
  • Bierbaß, Dirk – 28
  • Bierbaum, Otto Julius – 12
  • Binder-Casper, Christiane – 7
  • Bingel, Horst – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25
  • Bittl, Monika – 7
  • Bittner, Wolfgang – 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28
  • Blachnik, Gertrud – 8 · 9 · 23
  • Blankertz, Stefan – 29
  • Blass-Tonnius, Dorothea – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 13
  • Blauth, Marlies – 27 · 28
  • Blazek, Helmut – 7
  • Blechmann, Liselotte – 2 · 3 · 4
  • Bleutge, Nico – 19 · 21 · 25
  • Blume-Werry, Ferdinand – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 20 · 21
  • Boerboom, Peter – 24
  • Boermann, Dirk – 7
  • Böhm, Elke – 13 · 14 · 23
  • Böll, Heinrich – 24
  • Böning, Heike – 3
  • Böttcher, Bastian – 18 · 22
  • Bohm, Gunhild – 5
 
  • Bohmeier, Bernd – 19 · 20 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Bohne, Wilfried – 15
  • Bohnhorst, Brigitte – 5 · 6 · 7
  • Bolaender, Gerhard – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 12
  • Bolay, Karl H. – 4
  • Borchers, Elisabeth – 10 · 14
  • Boßmann, Eva – 27 · 29
  • Bossong, Nora – 22
  • Braem, Harald – 4 · 5 · 7 · 9 · 10 · 11 · 12 · 14 · 15 · 19
  • Brandt, Frank – 9
  • Brantsch, Ingmar – 5
  • Braun, Elke – 6 · 7 · 8 · 9
  • Braun, Volker – 13
  • Braune, Lars – 7
  • Brecht, Bertolt – 19 · 23
  • Brentano, Clemens – 12 · 22
  • Breuer, Theo – 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 20 · 21 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Breuer, Thomas C. – 4 · 5 · 9 · 10 · 11
  • Brincker, Andrea – 29
  • Brings, Benjamin – 27
  • Brings, Peter – 26
  • Brings, Rolly – 21 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Brings, Stephan – 24 · 26
  • Brinkmann, Martin – 14 · 15 · 19 · 20
  • Brinkmann, Rolf Dieter – 8 · 12 · 24
  • Brischke, Lars-Arvid – 27 · 28
  • Britting, Georg – 12
  • Brôcan, Jürgen – 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Brockes, Barthold Hinrich – 12
  • Brodmann, Gundi – 8 · 9 · 10
  • Bröking, Anna – 13
  • Brommer, Bernhard – 3
  • Bronikowski, Rosemarie – 5 · 7
  • Brühl, Marcus – 19
  • Brühl, Ruth – 7 · 8 · 9
  • Bruhn, Hans Dietrich – 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28
  • Brune, Bert – 8 · 9 · 24 · 29
  • Brunner, Heinz Rudi – 8 · 9 · 10 · 20
  • Bruske, Maria – 6 · 8
  • Bucher, Werner – 19 · 21 · 25 · 28 · 29
  • Buchfeld, Monica – 20 · 21
  • Buchholz, Günter – 7
  • Büchner, Georg – 12 · 22
  • Buchta, Andreas Tilman – 3 · 4 · 5
  • Buck, Inge – 4
  • Budde, Harald – 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 14
  • Buhl, Joseph – 19 · 20 · 21 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Bulkowski, Hansjürgen – 11 · 13 · 19 · 21 · 25 · 27
  • Bulla, Hans Georg – 25 · 28 · 29
  • Bulla, Jürgen – 14 · 19 · 21 · 25
  • Buntrock, Annemarie – 3 · 4 · 5 · 6
  • Bürger, Gottfried August – 12 · 19
  • Burghardt, Götz – 4
  • Burghardt, Tobias – 12
  • Burkart, Erika – 18 · 19 · 20 · 25
  • Burkert, Dolores – 21 · 27 · 28 · 29
  • Burkhard, Walter Andreas – 4
  • Busch, Kira – 1 · 2 · 3 · 4
  • Busch, Wilhelm – 19
  • Buth, Matthias – 9 · 11 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Büyükeren, Hildegard – 9 · 10 · 11 · 19 · 20
  • Bydlinski, Georg – 12


3  Can · Careless · Chaos · Chaotisch · Comic

Chaos (vom griechischen χάος oder cháos) ist ein Zustand voll­ständiger Unord­nung oder Ver­wirrung und damit der Gegen­begriff zu Kosmos, dem griechi­schen Begriff für die (Welt-)Ordnung oder das Universum.

Wikipedia


Zu brav, zu eindimensional, zu leichtfertiges careless writing, denke ich beim Lesen eines Gedichts auf dieser, zu glatt, zu konventionell, zu schwingungsarm bei einem Gedicht auf jener Seite, um unmittelbar auf das chaotisch-wilde Comic 3 zu stoßen, das dieser lakonisch-lockre Sound durchweht, den ich mir in Gedichten, denen er guttäte, immer wünsche. Und da wir gerade beim Buchstaben C sind – Billy Collins meint: One of the ridiculous aspects of being a poet is the huge gulf between how seriously we take ourselves and how generally we are ignored by everybody else, während Noel Coward betont: Work hard, do the best you can, don't ever lose faith in yourself and take no notice of what other people say about you.

Comic 3

An dem Tag (ein Dienstag),
an dem die Theorien anfingen
mit ihren Konsequenzen Ernst zu machen,

d. h. ein riesiger Schrödinger-
STRUMPF oder SCHLUPF (das weiß man nicht)
die Maschen der Raum-Zeit zerriß,

plötzlich alle top-Quarks TRUDELTEN
(Kramers), und zwar chaotisch, also
ein sog. von-Neumann-KUCHEN entstand:

eine Schönheit, aus der 1 Vögelchen flog
(vermutet ein Higgs-Teilchen), zwitschernd,
an dem die gesamte web-Wissensgesellschaft

sich zur ersten Weltorgasmusparty
im Internet traf, und ein gentechnisch
erzeugter JAPANER mit nachts nach-

wachsenden Extremitäten alle Kinder
entzückte ... entstanden seltsame
Sorgen in uns; für kurze Zeit.

Maximilian Zander


Calopresti – Czernin
  • Calopresti, Angela – 8 · 9 · 10 · 11 · 13
  • Caputo, Carmen – 23
  • Cassim, Dawood – 15
  • Celan, Paul – 19 · 24
  • Cenefels, Gabriele – 9 · 10
  • Cesaro, Ingo – 6 · 14 · 15 · 17 · 19 · 21 · 23 · 25 · 28 · 29
  • Chamisso, Adelbert von – 19 · 23
  • Chattrus, Reza – 10 · 11 · 13 · 19
  • Chobot, Manfred – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Chollet, Hans-Joachim – 3 · 4 · 5 · 6
  • Christoff, Charlotte – 6
  • Christophery, Martin – 9 · 10 · 11
  • Cremer, Elke – 29
  • Crome, Peter – 12
 
  • Cron, Anna – 8 · 9 · 10 · 11 · 15
  • Chwalek, Johannes – 5 · 6 · 7 · 8
  • Cissarek, Jürgen – 4
  • Claassen, Uwe – 1 · 3 · 4
  • Claudius, Matthias – 12 · 19 · 22 · 23
  • Claus, Uwe – 14 · 19 · 20 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Conrady, Karl Otto – 19 · 24 · 25 · 28
  • Corff, Calamo – 20
  • Corino, Eva – 9 · 10 · 11
  • Coryllis, Peter – 5 · 6 · 7
  • Cotten, Ann – 25
  • Craciun, Ioana – 9 · 10
  • Crauss – 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Czechowski, Heinz – 14
  • Czernin, Franz Josef – 18


4  Duddel

Das Café Duddel vermittelt den Eindruck eines gemüt­lichen Wohn­zimmers, in das man sich verirrt hat. In einer sehr fami­liären Atmo­sphäre genießt man hier klas­sisches Caféflair.

Locationsite


Wenn schon ein Kölner Café Duddel heißt, wäre es doch eine geradezu sträfliche Vernachlässigung, wenn es kein Gedicht mit diesem Titel gäbe. Aber es gibt eins, sehr wahrscheinlich dieses eine bloß. Und so ist also jetzt der Augenblick gekommen, mir Zeit für die Bereitstellung eines seit Jahrzehnten liebgewonnenen Getränks zu nehmen, einmal nicht an Brinkmann oder Ringelnatz zu denken, mich zurückzulehnen, um nichts als frohen Herzens zu genießen (wie damals in den 70ern, als ich noch nicht wußte, daß Rauchen tödlich sein kann):

Mittags im Duddel

Wenn man im Café Duddel sitzt
sagen wir gegen Mittag
und die Sonne kommt gut rein
dann kann man durchs Fenster auf die nackten Schultern eines Mädchens sehen
nackte Schultern mit dünnem schwarzem Träger
nackte braune Haut strahlt durchs Glas in die Pupille.
Und man nimmt einen Schluck von dem Milchkaffee
und guckt rüber in die Ecke
wo Schatten ist
und eine Kerze auf dem Tisch steht.
Und hinter der Kerze sitzt ein rauchendes Mädchen
es sitzt allein am Tisch und blickt traumverloren vor sich hin
und es ist ein schönes Bild.
Und es gibt noch die abblätternden Farben an der Tür
die leicht offen steht
und die Musik von einer sanften Gitarre kommt aus den Boxen.

Es ist Mittag im Duddel
und die Sonne kommt gut rein
und du sitzt am Tisch am Fenster
und spürst ein angenehmes Gefühl in dir hochsteigen.
Die Kellnerin hat sehr lange und sehr blonde Haare
sie sitzt neben ihrem Freund auf dem Kaminsims des russischen Ofens
und der Mann streicht ihr sanft über den Kopf
man traut sich nicht – obwohl jetzt in Eile – „zahlen!“ zu rufen.

Ich lehne mich zurück
auf ein paar Minuten kommt es auch nicht an
nicht im Café Duddel
vor allem nicht gegen Mittag
wenn die Sonne gut reinkommt und man durchs Fenster auf die nackten Schultern
 eines Mädchens sehen kann.

Bert Brune


Dästner – Dziuk
  • Dästner, Wolfgang – 10 · 11 · 12 · 14
  • Däubler, Theodor – 12
  • dag-mar – 29
  • Dauerer, Uwe – 10
  • Dauthendey, Max – 12
  • Degens, Marc – 15
  • Degkwitz, Andreas – 8
  • Deglow, Hans Jürgen – 5 · 6
  • Dehmel, Richard – 12 · 22
  • Demange, Monika – 21 · 23 · 26
  • Demuth, Volker – 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 26 · 27 · 29
  • Deppert, Fritz – 4 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Dern, Harald – 21 · 23 · 25 · 28
  • Dietrich, Wolfgang – 4
  • Dietz, Alfred – 3 · 4
  • Dingelstedt, Franz – 16
  • Distelmaier-Haas, Doris – 28 · 29
  • Dittberner, Hugo – 18 · 19 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Dittrich, Raymond – 4 · 7 · 25 · 29
  • Dittrich, Volker – 7 · 9 · 11 · 12 · 13 · 15 · 20 · 21
  • Döring, Frieder – 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 14 · 15
  • Döring, Nicola – 5 · 6 · 7 · 8
  • Dombrowski, Dominik – 27 · 28 · 29
  • Domin, Hilde – 9
 
  • Dominik, Nikolaus – 15 · 18 · 19 · 20 · 21 · 22 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Donus, Bruno – 3 · 4 · 8
  • Doppagne, Brigitte – 11 · 12 · 13 · 14 · 20 · 21 · 28
  • Dopychai, Martin – 1 · 3 · 4
  • Dorn, Anne – 23
  • Dornheim, Jutta – 28 · 29
  • Dosdall, Dietrich – 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 23 · 28 · 29
  • Dove, Richard – 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Draesner, Ulrike – 18 · 19 · 20 · 21 · 22 · 25
  • Drawert, Kurt – 13 · 18 · 19 · 21
  • Dreppec, Alex – 25 · 26 · 27
  • Dressler, Rudolf – 5
  • Drews, Ingeborg – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 19 · 20
  • Drodofsky, Gisela – 2 · 3
  • Droste-Hülshoff, Annette von – 12 · 22 · 24
  • Drude, Lothar – 3 · 4 · 5
  • Dürr, Rolf – 4
  • Dürrson, Werner – 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25
  • Dukowski, Frank – 25
  • Dullau, Michael – · 13
  • Dybwad, Marie – 2 · 3 · 4 · 5
  • Dziuk, Jürgen – 5 · 6 · 8 · 9


5  Editionsart · Ergänzung · Eisberg · Ende · Exemplarisch

Es bringt Poeterey zwar nicht viel Brot ins Haus /
Das drinnen aber ist / das wirfft sie auch nicht auß.
Friedrich von Logau (1605-1655)


Mittlerweile hat sich der von Shafiq Naz so liebevoll dialogisch und kenntnisreich edierte deutsche Lyrikkalender. Jeder Tag ein Gedicht neben dem Jahrbuch der Lyrik und Vers­netze als gleichsam dritte jährlich heraus­gegebene Lyrik­sammel­band­kraft etabliert. Wird die erste Ausgabe von 2005 noch in erster Linie vom Club der toten Dichter dominiert, finden sich seit einigen Jahren unter den jeweils 300 Autorinnen und Autorinnen rund 150 Zeit­genossen. Ich vergleiche die Register der drei aktuellen Sammlun­gen von Buchwald, Kutsch, Naz und komme zu dem Ergebnis, daß die drei Anthologien einander vorzüglich ergänzen. So tauchen, beispielsweise, Nora Gomringer, Marion Poschmann und Monika Rinck 2011 nicht in Jahrbuch oder Versnetze auf, im Lyrik­kalender 2012 (der Ende September 2011 erscheint) finde ich sie – alle drei.
Wir können getrost davon ausgehen, daß schon jede einzelne Anthologie für sich betrachtet mit ihrer spezi­fischen, eigen­willigen Editions­art exemplarisch die Bandbreite von bewährten, mehr oder weniger bekannten hin zu neuen, nahezu unbekannten Autorinnen und Autoren vermittelt, aber eine gleichsam allumfassende Übersicht wird erst durch das Zusammen­spiel aller drei Antho­logien ver­mittelt, deren Herausgebern ich ein langes, langes Leben wünsche, in dem die Lust aufs Heraus­geben von Gedichten – trotz sicherlich manchen Verdrusses bei der wohl nicht nur lustigen Editions­arbeit – nie geringer werden möge. Versnetze-Heraus­geber Axel Kutsch ist übrigens das verbindende Glied in dieser außer­ordent­lichen Antho­logie-Kette, ist er doch als Lyriker immer wieder im Jahrbuch und regelmäßig im Lyrik­kalender vertreten:

Was Gedichte dürfen

In diesem Gedicht sehen Sie
einen Eisberg versinken
und die Passagiere der Titanic
auf den Untergang trinken.

Nach der Ankunft erzählen sie
ihren Verwandten froh:
Stellt euch vor, wir reisten mit
Kate Winslet und Leonardo DiCaprio.

Doch die Verwandten
fragen sichtlich betroffen:
Ihr seid hier in New York
und nicht abgesoffen?

So ist es, wenn Eisberge
im Wege steh'n:
In Gedichten läßt
man sie untergeh'n.

Axel Kutsch


Ebert – Eyl
  • Ebert, Rumjana – 7 · 10
  • Ebner, Jeannie – 12
  • Eckart, Gabriele – 28 · 29
  • Eckert, Horst – 23
  • Effert, Gerold – 4 · 5
  • Egyptien, Jürgen – 21 · 23 · 25 · 26
  • Ehlers, Christian – 19
  • Ehrismann, Albert – 12
  • Eich, Günter – 12 · 19
  • Eichendorff, Joseph von – 12 · 19 · 22
  • Eichhorn, Angelika – 14
  • Eichhorn, Hans – 18 · 19 · 21 · 24 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Eichhorn, Ossi – 7
  • Eilers, Reimer – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 15 · 25 · 26 · 27
  • Einstein, Siegfried – 5 · 12
  • Einzinger, Erwin – 18
  • Elhardt, Armin – 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 23 · 26
 
  • Elze, Carl-Christian – 25 · 27
  • Engel, Peter – 15 · 17 · 18 · 19 · 20 · 21 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Engelke, Kai – 5 · 6 · 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 20
  • Engels, Helga – 4
  • Enzensberger, Hans Magnus – 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 21 · 23
  • Enzensperger, Manfred – 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Erb, Elke – 9
  • Erdtmann, Karin M. – 12
  • Ernst, Christian – 15
  • Ettl, Peter – 15 · 20 · 21 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Everts, Evert – 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Eybe, Olaf – 5 · 6 · 8 · 9
  • Eyl, Ansgar – 10 · 14 · 19 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29


6  Frei · Forciert · Fragiles Fragment · Fortgeschrieben

Die Absicht des Versnetze-Herausgebers war es auch dies­mal, ein möglichst umfas­sendes Pano­rama lyrischer Schreib­weisen zu ent­werfen, in dem der bodennahe Vers ebenso seine Berech­tigung hat wie der experi­mentelle Umgang mit dem Wort. Leichter zugängliche Gedichte stehen neben hoch­komplexen Arbeiten, Disso­nanzen neben Wohlklang, Epi­gramme neben seiten­fül­lenden Texten, Scherz, Satire, Ironie neben tieferer Bedeutung. Im Gegen­satz zu durchaus begrü­ßens­werten Sammel­bänden mit Lyrik junger Autoren, die in den vergangenen Jahren erschienen sind, gibt es in den Versnetzen keine Alters­kontrol­le. Poeten aller Genera­tionen sorgen mit immer neuen Texten für die pulsie­rende Vielfalt der gegen­wärtigen deutsch­sprachigen Dichtung. Beispiele dafür finden sich in Versnetze_vier, einer Anthologie mit lyri­schem Werkstatt­charak­ter, in reichem Maß.


Axel Kutsch


Faszinierend die Vielgestaltigkeit, die seit Beginn der 1990er Jahre wieder zuneh­mend selbst­verständ­licher ist in den Gedichten, die im deutschen Sprachraum verfaßt werden. Axel Kutschs Antho­logien sind die ersten Versvehikel, mit denen ich vor gut zwanzig Jahren inten­siver als in den Jahrzehnten zuvor (in denen Prosa die erste Geige spielte) durch die Welträume deutsch­spra­chiger Gedichte zu düsen beginne. Als ich mich 1999, in der Mono­graphie Ohne Punkt & Komma. Lyrik in den 90er Jahren, erstmals an eine Bestands­aufnahme der Kutsch-Sammel­bände mache, versuche ich, die verschie­denen vorge­fundenen Arten und Weisen von Gedichten in einem mehrere Merkmale aufzäh­lenden Satz zusam­men­zufas­sen. Jener Satz ist gleich­sam die Urzelle für das an dieser Stelle in wiederum über­arbei­teter Fassung plazierte fragile fragment, das im Laufe der Jahre vom prosa­ischen Satz­gefüge zum lyrischen Essay­gedicht geworden ist, das in einem (aller­dings recht langen) Atemzug die Band­breite der Gestal­tungs­möglich­kei­ten einzu­fangen sucht, die ich im Jahrbuch der Lyrik, in Versnetze und vielen ande­ren Sammel­bänden im Laufe der Jahre an zeit­genös­sischen Ausdrucks- und Form­möglich­keiten ent­deckt habe.

fragiles fragment
sentenz vom gedicht im deutschen sprachraum nach 2000

The poem is a machine made out of words
William Carlos Williams

Mais Degas ce n'est pas avec des idées qu'on fait des vers c'est avec des mots
Stéphane Mallarmé

No verse is libre for the man who wants to do a good job
Ezra Pound


das spektrum des zwischen hinterland- und großstadt­straßenflucht schwingenden einsilbig oder kakophon fest- oder freimetrisch allite­rierend oder assonant (binnen-)ge­reimt oder prosa­nah karg oder simultan­kaskadisch luftig licht und klar oder geheimnisvoll mysteriös und rätselhaft hoch­poetisch klingend oder antilyrisch gebrochen überhitzt oder unterkühlt synästhetisch oder katachresisch standardi­siert wortspielerisch konkret oder dialektal leichtfüßig oder verschleppt schlicht oder krass rotzig oder erhaben jambisch (trochäisch) oder daktylisch (anapästisch) erdig oder intellektuell ernst finster trocken oder ironisch sarkastisch zynisch schwärmerisch oder nüchtern herb oder sanft heiter oder hypochondrisch lässig oder forciert („usw.“) ge|form(ulier)ten jedes banale und bedeutsame ding des mikro- oder makro-daseins als ECU oder aus der totalen in den blick nehmenden vielfach konter­karie­renden gedichts in diesen zeiten der nur noch ganz kleinen verschie­bungen reicht vom einge­wurzelten strophen­gedicht zur experimen­tellen collage und visuellen bricolage vom anagramm übers leipogramm zur paragramma­tischen verball­hornung vom kreuz­gereimten zum alltagsparlando vom haiku übers akrostichon zu ode sestine sonett und terzine vom aphorismus übers epigramm zum sprichwort vom einwort­gedicht über den vierzeiler zum erzähl- oder lang­gedicht vom feurigen stimmungs­bild zum wasser­umwallten wortschwall von politisch grundierten mit suggestiven botschaften garnierten versen zur privaten poesie für öffentliche ohren vom hermetischif­frierten übers doppelbödig zum offen struk­turierten gedicht vom block- zum flatter­satz von der assoziativ verketteten über­bordenden paradox-skurillen phantasmagorie zur (realität verfremdenden) lakonischen inventur von beat über pop zum ätherischen gedicht vom ungelegenen vers zum gele­genheits­gedicht von sonnen­strahl über thunderstorm zu schnee­gestöber von der innovativen sprachschöpfung zur kongenialen nachempfindung vom mit der universalen lyrik aller länder und zeiten rin­genden gedicht des poeta doctus zum naiven notat des art-brut-dichters von der chiff­rierten zur inter­textuellen verflech­tung von der not­geborenen attacke zur müßigen besinnung von allegorie über metonymie metapher und emblem zum symbol zur bewußt davon befreiten lyrik vom grotesken oxymoron zum skurrilen paradoxon vom farbenfrohen nonsens zum schwarz­weißen tiefsinn von reiner lyrik über metalyrik (gedichtgedichte) zum didaktischen lehrgedicht vom stillen und kurzen um eine einzige metapher rankenden gedicht zur hektisch-wilden übers ganze blatt und darüber hinaus sich windenden montage oder endlos­zeile vom stakkato zum geschmei­digen vom surrealen purzel­baum über dis­sonanz und laut­poesie zur magischen volks­lied­strophe von der urbanen häuser­zeile zur rustikalen zeit­gemäß frag­men­tierten bezie­hungs­weise ver­frem­deten sumpf­dotter­blume

im schneegestöber 2010

der dichter liegt vor hitze stockt der mut
in heißen lüften ist kein wort dabei

die zeit der großen verse ist vorbei
und in den brüsten seh ich geizt die glut

der wurm ist nah hier hilft wohl bloß noch ducken
und sich mit schicken kämmen zu bestücken

die feisten schreiber gehen schon an krucken
die dreisten leser wollen sich verdrücken


Fabich – Funke
  • Fabich, Peter J. – 4 · 5 · 6 · 7
  • Fäh, Jolanda – 29
  • Falberg, Tobias – 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Falke, Waltraud – 15
  • Falkner, Gerhard – 18 · 25
  • Faßbender, Rudi – 19
  • Fassel, Alicia – 9
  • Feibel, Thomas – 6
  • Feldhoff, Heiner – 21
  • Feldkamp, Karl – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 20 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Feldkamp, Margret – 15 · 23
  • Fellner, Johann – 3 · 4
  • Fellner, Karin – 19 · 20 · 21 · 22 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Feraru, Peter – 4 · 5
  • Ferber, Elmar – 15
  • Fienhold, Wolfgang – 13 · 14 · 17 · 28
  • Fink, Henriette – 3
  • Fischer-Nagel, Irene – 7
  • Fitterer, Mario – 3 · 4
  • Fix, Julietta – 29
  • Fleischer, Helga – 9 · 10 · 11
  • Fleming, Paul – 12
  • Flemmich, Ilse – 4
  • Flenter, Kersten – 25
 
  • Fontane, Theodor – 19 · 23
  • Forster, Cordula – 6
  • Försterling, Rheinhard – 4 · 7
  • Fraeulin, Dieter – 12 · 15
  • Frahm, Thomas – 10
  • Franck, Uta – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 19 · 20 · 21 · 23 · 26 · 27
  • Franzobel – 18 · 19 · 20 · 21 · 22
  • Freiligrath, Ferdinand – 16 · 24
  • Freude, Manfred H. – 27 · 28
  • Frickenstein, Hans Josef – 28
  • Fried, Erich – 7 · 8 · 12 · 19 · 23
  • Friedmann, Herbert – 4
  • Friedrich, Dirk K. – 4 · 5 · 6 · 9 · 10 · 13
  • Fritz, Helmut – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28
  • Fritz, Walter Helmut – 18 · 19 · 20 · 21
  • Fritzsche, Gerdi – 15
  • Frueh Keyserling, Sylvia – 4
  • Fuchs, Brigitte – 21 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Fuchs, Renate – 29
  • Fuhrmann, Rudolf – 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25 · 28 · 29
  • Füssel, Dietmar – 3 · 4
  • Funck, Anita – 21
  • Funke, Falk Andreas – 19 · 20 · 23 · 29


7  Gedicht · Gegenteil · Geschichte · Gewicht · Gewichtung · Gesang

To have great poets, there must be great audiences, too.
Walt Whitman


Die Formel für die Berechnung des spezifischen Gewichts des Gedichts ist noch nicht entdeckt. (Das in meinen Augen viel schwieri­ger zu berechnende Gewicht der Seele wurde bereits 1907 von Duncan MacDougall ermittelt: Es beträgt 21 Gramm.) Und so zanken In- und Outsider, Lyriker, Leser, Kritiker, Profes­soren und sonstige Lese­wesen nach wie vor wie die Kessel­flicker bei der Gewichtung von Gedichten – stets nach dem Grundsatz Das Gedicht ist so harmlos und gefährlich wie der Leser selbst. (Ulla Hahn) Wie untröstlich, bei Maximi­lian Zander, der im übrigen den Vorschlag für die Klassi­fizierung: Lyrique, Lyrik, Lürick macht, zu lesen: Viele Damen und Herren, die Gedichte schreiben, müßten dies nicht tun, wenn sie nur rechtzeitig Klavierspielen gelernt hätten, oder Geige.
Ich lese in Versnetze_vier, wie in beinahe allen von Axel Kutsch edierten Sammel­bänden, neben hoch­komplexen auch aus­ge­sprochen belanglos-schlichte Gedichte, in denen ich Elemente wie Bildlichkeit, Brechung, Form­bewußtheit, Klang­korres­pondenz, Kontrast, Listen­reichtum, Magie, Mehr­fach­ebene, Meta­pho­risierung, Mon­tage, Tempe­rament, Schwingung, Sinn­lichkeit, Sound, Über­raschung, Witz, Wortspiel „usw.“ vermisse, die ich mir beim Lesen von Gedichten immer wünsche: ein Gewitter / wirft funkelnde Schlüssel / ins Zimmer, lese ich heute bei Ernst Meister.
All das findet sich, mehr oder weniger, je nachdem, was notwendig erscheint, natur­gemäß auch im gelungenen schlichten bzw. lakonischen Gedicht, das ich überaus liebe: Ich hätte gern viele Gedichte so einfach geschrieben wie Songs, seufzt Rolf Dieter Brinkmann. Im übrigen finde ich Gedichte aller Stil­richtun­gen und Mach­arten gut – wenn sie gut gemacht sind. Aber: Was heißt ›gut‹, höre ich nun meinen Vater (1924–2006) flüsternd fragen, und, schon wieder, scheiden sich die Geister.
Alarm­signal ist für mich, beispiels­weise, die Verwendung einer Formulierung wie Und doch. Wer das ohne ironischen Hinter­sinn niederschreibt, wird, sehr wahr­scheinlich, der Botschaft den Vor­rang vor dem Formalen geben. In solchen Momenten fühle ich mich vors Wort zum Sonntag katapultiert, das ich als bekömmlich allerdings bloß in der Art und Weise empfinden kann, wie Otto, der außer­friesische Kirchen­mann, es mir so herrlich nahebringt.
Nun, was wollen uns diese Worte sagen, fragt der Außerirdische zum Schreien salbungsvoll, und gerade das will ich mich beim Lesen von Gedich­ten nie fragen, werde jedoch regelrecht dazu gezwungen, wenn ich Worte wie Und doch mit anschließender Auflösung vorfinde, denn diese Worte wollen mir ungefragt und offenbar unbedingt etwas sagen, mit­teilen. Ja, bin ich denn hier beim Kreuz­wort­rätsel oder was?! Ich muß mir so viel sagen lassen in diesem Leben, da will ich mir wenigstens die Welt der Gedichte als Frei­zone gönnen, in der ich mir nichts sagen lasse. Die Wörter sind, die Wörter scheinen auf, die Wörter klingen. And that's that. (Nichts, übrigens, dagegen, wenn ein Gedicht darüber hinaus eine Geschichte erzählt – im Gegenteil.)
Dieser Tage befragte Marietta Slomka Guido Westerwelle zum Libyen-Konflikt, und ich fragte mich bei den Antworten die ganze Zeit: Nun, was wollen (sollen?) uns diese Worte sagen??? Wir werden es nie heraus­finden, und es ist an dieser Stelle und sonst wo auch nicht weiter wichtig.
Mehr lesen (Bücher sind natürlich gefähr­lich, zeigen Grenzen auf), sich intensiver mit Gedichten aller Arten, Weisen und Zeiten befassen, die Errungenschaften der Lyrik seit 3000 Jahren eigenen Versen im besten Sinne anverwandeln lernen, ruft es unwillkürlich in mir, wenn ich die fast schon zu schlichten Verse vor­nehmlich älterer Jahrgänge lese, die der exzellente Lyrik­kenner Axel Kutsch offenbar ganz bewußt, wohl­überlegt und mit gutem Grund in Antho­logien mit Werk­statt­charakter nicht ablehnt.
Und so taucht, unwill­kürlich, erneut die Frage nach dem spezi­fischen Gedichtgewicht auf: Liege ich bei der Gewich­tung der von mir im stillen als Schwachstromzeilenbruch abquali­fizier­ten Texten daneben? Legt manch anderer Leser gerade auf diese Texte beson­deres Gewicht? Empfindet er, im Gegenteil, gerade die oft so komplex (und auf ihn verkopft?) wirkenden Gedichte jüngerer Jahrgänge forciert, seelen- und ge­wichts­los?
Lyrik­land­schaften mit treib­sandigem Unter­grund, vermintes Gelände. Allen Lesern mit zu vielen Sorgen­falten im Gesicht möchte ich in diesem Augenblick mit Charlie Chaplin, der einst meinte, das Leben sei halb so schlimm, zurufen: Versnetze_vier ist halb so schlimm. Und wer eine Antho­logie anders edieren will als Kutsch, Conrady, Kuhligk & Co. – nur zu: Niemand hindert sie/ihn daran.

UHREN ZOGEN MICH AUF.
Einmal trat ich auf eine Ameisenstraße
und löschte den Wald.
Ich saß auf einem Strohballen
und wußte noch nichts
von der Strichliste meiner Tage.
Mein Herz, hieß es,
habe man auf einer Drosselschmiede gefunden,
und der Gesang
kam schon näher.
Noch verschlossen,
fand mich das Gedicht.

Ulrich Koch


Gabler – Gutzschhahn
  • Gabler, Claudia – 27 · 28 · 29
  • Ganglbauer, Petra – 12
  • Gaponenko, Marjana – 20 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Garbe, Burckhard – 20 · 25
  • Gatter, Nikolaus – 24 · 29
  • Gaus, Werner – 4 · 5
  • Geibel, Emanuel – 12 · 22
  • Geissler, Heinz-Peter – 6
  • Geist, Dany – 15
  • Gelfert, Ute – 9
  • Gerlach, Angela – 6 · 7
  • Gernhardt, Robert – 12 · 18 · 20 · 21
  • Gerstmeier, Angela-Marcella – 29
  • Giesenbeck, Karl-Heinz – 3
  • Glasmacher, Anke – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 15 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27
  • Glaßbrenner, Adolf – 16
  • Glaßer, Marianne – 27
  • Gleim, Johann Wilhelm Ludwig – 12
  • Gliedner, Robert – 8
  • Gloose, Siegfried – 3
  • Gmehling, Magdalena S. – 3
  • Gödtel, Reiner – 3 · 4 · 5 · 6
  • Göllnitz, Christoph – 25
  • Görischk, Werner – 4 · 7 · 8 · 9
  • Görlach, Manfred – 26 · 27
  • Görner, Peter – 3 · 4
  • Goethe, Johann Wolfgang von – 12 · 17 · 19 · 22 · 23 · 24
  • Gogolin, Nadja – 14
  • Gogolin, Peter H. – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 11 · 14 · 19 · 20 · 21 · 23 · 29
  • Goll, Yvan – 12 · 24
 
  • Gomringer, Eugen – 19
  • Gonserowski, Annette – 3 · 4
  • Gonzalez, Jose Llano – 4
  • Gorenflo, Gisela – 7 · 8 · 9 · 10
  • Gottlieb, Margret – 4
  • Gottschall, Rudolf – 16
  • Gräf, Dieter M. – 6 · 7 · 14 · 18 · 19 · 20 · 26 · 27
  • Granderath, Greta – 22
  • Gray, Alexander C. – 15
  • Greven, Jan M. – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 14
  • Grill, Harald – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 14 · 21 · 28
  • Grillparzer, Fanz – 12
  • Grischke, Erik – 8 · 9 ·
  • Gröhler, Harald – 4 · 5 · 6 · 7 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 28
  • Groißmeier, Michael – 11 ·
  • Grömping, Monika – 14 · 15
  • Großkurth, H. Jürgen – 4 · 5 · 6 · 7
  • Grotjohann, Horst – 5
  • Gruber, Thomas – 6
  • Grünbein, Durs – 11 · 13 · 15 · 18 · 21 · 23
  • Grüne, Mascha – 7 · 8 · 9
  • Grünert, Gerd Robert – 26 · 27 · 28 · 29
  • Gryphius, Andreas – 12 · 19
  • Gsödl, Michael – 8
  • Günderode, Karoline von – 19
  • Günther, Florian – 28
  • Günther, Johann Christian – 19
  • Gütter, Ernst – 3 · 4 · 5 · 6
  • Gutsche, Edda – 15 · 17
  • Gutzschhahn, Uwe-Michael – 6 · 13 · 14


8  Heute · hänget · Himmel · Herz · Hirn

Dichtung ist Geometrie im wahrsten Sinne des Wortes.
Lautréamont


Heute ist der 2. September 2011 · Mit gelben Birnen hänget / Und voll mit wilden Rosen / Das Land in den See · Ich lese, ziellos, in Fragmenten: Offenbar ist es keines­wegs leicht, ein großer Dichter zu werden (Ezra Pound) · Die Arbeit bringt einen zur Raserei (Wladimir Maja­kowski) · Der Dichter, der im Begriff ist, ein Gedicht zu machen, hat die unbestimmte Empfindung, daß er in einem sehr fernen Wald auf eine nächtliche Jagd geht (Federico García Lorca) · Weh mir, wo nehm ich, wenn /Es Winter ist, die Blumen, und wo / Den Sonnenschein, / Und Schatten der Erde?

DUNKELKAMMER träumen, rapid
eye movement wie ein vogel flöge
in die entsicherte landschaft
spreizen, das hirn weit, weiter
bis das denken zerstiebt
sperrig das ufer
federn, bleiche
lichtbrechende pfützen
pulsierend nur der rand der aussicht
der sich ins vage verliert
der schmale streifen meer
solider als der zögerliche himmel
der geile, tote salzgeruch unter
schwindender sonne
flatline – –
und das herz, der vogel schreit
sanfter, unerreichbarer körper
blass krallen sich finger
ins unterbelichtete

Andrea Heuser


Haag – Hutt
  • Haag, Klaus – 3
  • Haas, Christine – 9 · 10
  • Haas, Ursula – 15 · 19 · 20 · 21 · 26
  • Haase, Ingrid – 4 · 5
  • Habalik, Irena – 29
  • Hacks, Peter – 23
  • Häfner, Eberhard – 6 · 7
  • Hähner, Margit – 24 · 29
  • Haenle, Wolfgang – 27 · 28 · 29
  • Hagen, Jens – 15 · 17 · 23
  • Hahn, Achim – 4
  • Hahn, Marcus – 8 · 9
  • Hahn, Ulla – 18 · 22 · 25 · 28 · 29
  • Hahs, Heinz G. – 6 · 7
  • Halm, Heinz – 19 · 21
  • Halm, Henrik – 23
  • Hamann, René – 20 · 21 · 24 · 25
  • Hanefeld, Gertrud – 3
  • Hangert, Ilse – 5
  • Hanke, Carmen Verena – 4
  • Hansen, Klaus – 9 ·
  • Harbaum, Reinhard – 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Harksen, Harke – 2 · 3
  • Harring, Harro – 16
  • Hartge, Caroline – 25 · 27 · 28 · 29
  • Harth, Ulli – 4
  • Hartl, Alois – 4 · 6
  • Hartmann von Aue – 19
  • Hartung, Marie Antoinette – 13 · 14
  • Haßlöcher, Elke – 3
  • Haucke, Karl – 5 · 6
  • Haufs, Rolf – 10 · 11 · 14
  • Haunschild, Marc Anno – 10 · 11 · 14 · 19
  • Hausin, Manfred – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 21 · 23 · 27 · 28 · 29
  • Hausmann, Manfred – 12
  • Havers, Christoph – 3 · 4
  • Hebbel, Friedrich – 19 · 23
  • Heemann, Christoph – 14 · 15 · 19 · 21 · 25
  • Heembrock, Simone – 27
  • Heib, Stéphanie – 28
  • Heidebrecht, Brigitte – 5
  • Heidenreich, Gert – 22
  • Heim, Uta-Maria – 5 · 6 · 7 · 8 · 9
  • Hein, Manfred Peter – 18 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Heine, Heinrich – 12 · 16 · 19 · 22 · 23 · 24
  • Heinemann, Wilhelmina – 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 23 · 26 · 27 · 29
  • Heine-Schröder, Brigitte – 3 · 4 · 5 · 6 · 7
  • Heinicker, Grit – 9 · 10 · 11 · 13
  • Heinrich von Morungen – 19
  • Heinrich, Paul – 27 · 28 · 29
  • Heins, Rüdiger – 13 · 15
  • Heinze, Richard – 3 · 5 · 7
  • Heinze de Lorenzo, Ursula – 19 · 20
  • Heise, Hans-Jürgen – 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 25 · 26 · 27 · 28
  • Heißenbüttel, Helmut – 12
  • Heitmann, Anne – 15
  • HEL – 11 · 13 · 14 · 15 · 20 · 28 · 29
  • Heller, Fred – 1 · 3 · 8
  • Helmig, Günter – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19
  • Helminger, Guy – 20 · 21 · 24 · 25 · 27 · 28
  • Hemau, Gisela – 20 · 21 · 23 · 24 · 25 · 26 · 28 · 29
  • Hemgesberg, Patric – 21
  • Henkel, Vera – 13
  • Henn, Carsten Sebastian – 14 · 15 · 17 · 19 · 20 · 21 · 25
  • Henning, Reinhard – 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 23 · 24
 
  • Henschel, Thomas – 7
  • Hensel, Kerstin – 13 · 18
  • Herbold, Steffen – 7
  • Heres, Elisabeth – 29
  • Hermann, Esther – 5 · 7 · 8 · 9 · 10 · 12 · 13
  • Herms, Uwe – 7
  • Herold, Roswitha – 27
  • Herr, Trude – 24
  • Herwegh, Georg – 16
  • Hetzler, Peter – 4 · 5
  • Heuer, Stefan – 14 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Heuser, Andrea – 25 · 27 · 29
  • Heussen, Burkhard – 10 · 11 · 12 · 14 · 15 · 19
  • Heym, Georg – 12 · 23
  • Heynens, Lou – 1 · 2 · 3
  • Hieronymus, Marc – 20 · 21 · 25 · 26 · 27 · 29
  • Hilbert, Ralf – 19 · 21
  • Hilger, Caroline – 8 · 9
  • Hillen, Michael – 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 21 · 23 · 26
  • Hiller, Marianne – 5
  • Hintzen, Jürgen – 2
  • Hirsch, Jens – 27 · 29
  • Hirschmeier, Michael – 3 · 5 · 6 · 7
  • Hoddis, Jakob van – 19 · 23
  • Hodjak, Franz – 13 · 18 · 19 · 20 · 21 · 22 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Höcherl, Eva – 19 · 20
  • Hoefs, Christian A. – 10 · 11
  • Hoehn, Helmut – 5 · 6
  • Hölderlin, Friedrich – 12 · 19 · 22
  • Höll, Peter – 1 · 2 · 3 · 4 · 8
  • Hönes, Waltraud – 9 · 10 · 11
  • Höpfner, Robert – 14 · 15
  • Höptner, Axel – 11
  • Höss, Dieter – 24 · 27 · 28 · 29
  • Hövelmann, Annette – 13 · 14 · 20 · 21 · 25 · 28 · 29
  • Höxtermann, Martin – 4
  • Hofmann von Hofmannswaldau, Christian – 19
  • Hoffmann, Angela – 3 · 8
  • Hoffmann, Anna – 21
  • Hoffmann, Leopold – 8
  • Hoffman, August Heinrich von Fallersleben – 16 · 22
  • Hoffmeister, Peter – 5 · 6
  • Hofmann, Peter – 9
  • Hofmannsthal, Hugo von – 12
  • Holger, Dirk – 19
  • Holschuh, Andreas – 9 · 10 · 11 · 13
  • Holznagel, Franz-Josef – 5 · 6
  • Horn, Peter – 5
  • Hosemann, Jürgen – 5 · 6
  • Huber, Roswita – 10
  • Huchel, Peter – 12
  • Huckauf, Peter – 27 · 28
  • Hübsch, Hadayatullah – 8 · 9 · 14 · 15 · 17 · 20 · 21
  • Hülsmann, Harald K. – 4 · 5 · 7 · 10 · 15
  • Hüttenberger, Michael – 27 · 28 · 29
  • Huhn, Nikolaus – 5 · 6 · 7
  • Hummelt, Norbert – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 13 · 26 · 27
  • Humphrey, Kevin Lynn – 28
  • Hunger, Roland – 4 · 6
  • Hurková, Klára – 20 · 21 · 25 · 28
  • Hutschenreuther, Bernd 10 · 11 · 13 · 14 · 15
  • Hutt, Andreas – 28 · 29


9  Ineinander · Informatorisch · Interesse · Intuition

Die Stimmenvielfalt in Versnetze erscheint wichtiger als die Auslese
Matthias Hagedorn


Es gibt drei Arten von Anthologien. Die der ersten sind Dokumente der hohen Literatur, machen jeden­falls darauf Anspruch: Auswahl­sammlungen, die von einem mehr oder minder berufenen Literaten nach Grundsätzen gemacht sind, die, ein­gestan­dener­maßen oder nicht, einen normativen Charakter haben. Solche Samm­lungen können großes Interesse besitzen. Man braucht nur den Namen des deutschen Dichters Rudolf Borchardt zu nennen, um anzu­deuten, in welchem Grade sie eigentliche literarische Dokumente darstellen können und als solche der Kritik ausge­setzt sind. Die zweite und seltenere Gattung setzt sich rein informa­torische Ziele. Ihr ist gemäß, daß der Herausgeber anonym bleibt, wenn man es nicht überhaupt mit einer größeren Gruppe von Editoren dabei zu tun hat. Die häufigste aber unerfreuliche Gattung ist die dritte; ein undeut­liches Ineinander eklektischer und informa­torischer Gesichts­punkte sucht das nutzlose Spiel eines Unbe­rufenen dem Publi­kum gegenüber interessant zu machen. Die vorliegende Sammlung ist ein reiner Typ der zweiten Gattung, die augen­blick­lich die will­kommenste zu nennen ist. (Walter Benjamin)
Axel Kutsch bleibt als Heraus­geber nicht anonym, er hat auch keine Gruppe von Mitheraus­gebern um sich geschart, er überläßt jedoch – nach einem kurzen, rein sachlich formu­lierten Vorwort – den Gedichten (jedem ein­zelnen Gedicht) vorbe­haltlos den Raum, in dem diese sich, Seite für Seite, entsprechend des Anord­nungs­prinzips nach Post­leit­zahl und Geburts­jahrgang der Verfasser für sich präsentieren und mit­einander arran­gieren – je nach dem, wie es den Lesern gefällt. Versnetze, die Antho­logie mit Werk­statt­charakter setzt sich in erster Linie informa­torische Ziele.

Ende vom Lied

der lange Marsch
durch die Intuitionen

knirschende Laute
aus der Hirnlandschaft

vor einer Winterwiese
abgestreifte Schuh:

das Glück, nicht mehr
dazuzugehören

Marcus Neuert


Iasevoli – Israel
  • Iasevoli, Roswitha – 4
  • Ihnen, Robert – 3
  • Ingold, Felix Philipp – 18 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25
 
  • Ische, Hans – 13 · 15 · 21 · 23
  • Ischebeck, Marc-Thomas – 15
  • Israel, Jürgen – 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 29


10  Jandl · Jugend · Judenstern

Die Rache der Sprache ist das Gedicht.
Ernst Jandl


Ich vermisse Ernst Jandl, dabei ist er doch allzeit gegenwärtig, anwesend, da. So wie immer vor 2000. Denn wir sind einander ja nie persönlich begegnet. Das ist schade. (Was genau ist das – ›schade‹?) Ich habe eine großformatige schwarzweiße Photographie, da hockt Jandl neben FM auf dem Bett in der Wiener Wohnung und blickt, GANZ ERNST, in die Kamera. Wenn ich einen Jandl-Vers lese, werde ich unmit­telbar an den Ort katapultiert, den Shafiq Naz the domain of poetry nennt. Ich habe, meine ich, alle seine Bücher gelesen und nehme sie immer wieder zur Hand, lese Gedichte, Verse, Gedanken immer und immer wieder. Mit ver­gleich­barer Vorliebe lese ich die Bücher von Friederike Mayröcker. In der Kutsch-Anthologie Blitz­licht von 2001 lese ich:

 an Ernst Jandl

will dir Schwalbe ausschneiden :
blaues BUNTPAPIER
himmelblau wie dein Herz
das ich entbehre

Friederike Mayröcker

Ich denke, glaube ich, täglich an Jandls Gedichte, spreche die mir geläufigen gern halblaut vor mich hin. In den Kutsch-Antho­logien Orte. Ansichten, Das große Buch der kleinen Gedichte, Blitzlicht und Spuren­sicherung ist Ernst Jandl vertreten. Ich nutze den Augen­blick, nehme die vier Sammel­bände aus dem Regal, lese die Jandl-Gedichte burgtheater (aus meiner jugend), camping, gewür­feltes gedicht, kor­re­spon­denz, lichtung, vater, komm erzähl vom krieg und schließlich

unterwegs

auf der straße zum belvedere
schritt ein bleicher hagerer mann
trug einen kaftan mit judenstern
wir blickten einander an

dieser blick war unsere rede
was sie ihm gab? mir gab sie mut
was ihm geschah, muß ich vermuten
von mir weiß ich: ich lebe

Ernst Jandl

Jacobs – Jütting
  • Jacobs, Ingo – 9 · 10
  • Jacobs, Steffen – 18
  • Jahns, Horst – 25 · 27
  • Jandl, Ernst – 14 · 15 · 19 · 23
  • Janßen, Peter – 6 · 8 · 9 · 10 · 14 · 15 · 19 · 20
  • Janz, Angelika – 26 · 27 · 28
  • Jascke, Gerhard – 15 · 19 · 20 · 25
  • Jegge, Barbara – 4 · 5 · 6
  • Jelend, Wolfgang – 4
  • Jeschke, Mathias – 14 · 15 · 19
 
  • Jeschke, Tanja – 19
  • Jessulat, Sabine – 4
  • Jörgensen, Gerhard – 3 · 8 · 9 · 10
  • Jordan, Wilhelm – 16
  • Jünger, Hubert R. H. – 15 · 19
  • Jung, Manfred Markus – 8
  • Junghans, Marianne – 3 · 5 · 7 · 8
  • Jungheim, Hans Josef – 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28
  • Jütting, Ruth Maria – 3 · 7 · 8 · 9


11  Klekwapufzi · Königin · Kontroverse · Kopf · Kriegserklärung · Kroklokwafzi

[Sind es die Straßen]

Doch sind es die Straßen, die erzählen, / oder sind es die Menschen, die den Straßen / erzählen, sind es die Schuhe der Menschen / auf den Straßen, die zählen, zählen die Straßen / die Schuhe der Menschen, oder zählen die Schuhe / die Straßen und die Menschen, die sie queren, / queren die Schuhe mit den Menschen die Geschichten / auf den Straßen, tragen die Schuhe der Menschen / die Geschichten der Straßen, wenn sie laufen, laufen / die Menschen mit den Geschichten der Straßen / an den Schuhen in die Häuser, wo sie leben, leben / die Geschichten der Straßen an den Schuhen in den Häusern / der Menschen, die dort wohnen, sind die Menschen / für die Häuser, wenn sie schlafen, oder / sind die Häuser und die Menschen für die Straßen / sind es die Straßen

Sabina Lorenz


Allerhand Verse, Versarten gibt es, katalek­tische, akata­lek­tische, brachy­katalek­tische, sogar hyper­katalek­tische. Füße haben sie, aller­dings kein Rückgrat, keinen Kopf. Keinen Kopf? Da fällt mir die Stelle im zweiten Akt von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen ein, als Moritz seinem Freund Melchior diese Geschichte erzählt:

Es ist, als hörte ich Großmutter selig die Geschichte von der „Königin ohne Kopf“ erzählen. – Das war eine wunderschöne Königin, schön wie die Sonne, schöner als alle Mädchen im Land. Nur war sie leider ohne Kopf auf die Welt gekommen. Sie konnte nicht essen, nicht trinken, konnte nicht sehen, nicht lachen und auch nicht küssen. Sie vermochte sich mit ihrem Hofstaat nur durch ihre kleine weiche Hand zu verständigen. Mit den zierlichen Füßen strampelte sie Kriegserklärungen und Todesurteile. Da wurde sie eines Tages von einem Könige besiegt, der zufällig zwei Köpfe hatte, die sich das ganze Jahr in den Haaren lagen und dabei so aufgeregt disputierten, daß keiner den andern zu Wort kommen ließ. Der Oberhofzauberer nahm nun den kleineren der beiden und setzte ihn der Königin auf. Und siehe, er stand ihr vortrefflich. Darauf heiratete der König die Königin, und die beiden lagen einander nun nicht mehr in den Haaren, sondern küßten einander auf Stirn, auf Wangen und Mund und lebten noch lange Jahre glücklich und in Freuden ... Verwünschter Unsinn! Seit den Ferien kommt mir die kopflose Königin nicht aus dem Kopf. Wenn ich ein schönes Mädchen sehe, sehe ich es ohne Kopf – und erscheine mir dann plötzlich selber als kopflose Königin ... Möglich, daß mir noch mal einer aufgesetzt wird.

Friedrich Schiller schreibt im Brief an J. W. Goethe vom 24. November 1797: Man sollte wirklich alles, was sich über das Gemeine erheben muß, in Versen wenigstens anfänglich konzipieren, denn das Platte kommt nirgends so ins Licht, als wenn es in gebundener Schreibart ausgesprochen wird. Das mag ja alles sein. Ich für mein Teil zähl jedenfalls die ›Kontroverse‹ (zu meinen liebsten). Beispiel gefällig? Das Gedicht steht zwar in keiner Kutsch-Anthologie, schwingt bei mir beim Lesen von Lyrik jedoch zumeist (ungefragt) mit, was naturgemäß weitere Kontroverse auslöst:

Das große Lalula

Kroklokwafzi? Semememi!
Seiokrontro – prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi:
quasti basti bo ...
Lalu lalu lalu lalu la!

Hontraruru miromente
zasku zes rü rü?
Entepente, leiolente
klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lala la!

Simarar kos malzipempu
silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu
Siri Suri Sei []!
Lalu lalu lalu lalu la!

Christian Morgenstern

Kade – Kyrion
  • Kade, Thomas – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Kafitz, Franz – 9
  • Kalka, Dieter – 11
  • Kalkmann, Hans-Oiseau – 3
  • Kamm, Hubert Joseph – 4 · 13
  • Kapp, Peter – 25 · 27 · 28 · 29
  • Karesch, Christel J. M. – 3
  • Karsch, Anna Louise – 12
  • Karsten, Antje – 4 · 5 · 7 · 8 · 9 · 10 · 15 · 19
  • Karsunke, Yaak – 10
  • Kartheuser, Elisabeth – 9
  • Kasnitz, Adrian – 13 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Kassajep, Margaret – 14
  • Kaulisch, Thomas – 10
  • Kehle, Matthias – 10 · 11 · 14 · 15 · 19 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Keko, Srdan – 5 · 6 · 7 · 8 · 10
  • Keller, Lorose – 21
  • Kellermann, Johannes A. – 4
  • Kellner, Hedwig – 3
  • Kempkes, Eka – 9 · 14 · 15
  • Kern, Jonas – 17
  • Kerner, Justinus – 12 · 19 · 22
  • Keshmiripour, Behzad – 9 · 10
  • Kiefer, Alexander Maria – 29
  • Kiefer, Reinhard – 21 · 27 · 28 · 29
  • Kieser, Albrecht – 6
  • Kinder, Dietmar – 9 · 10
  • Kinkel, Gottfried – 16
  • Kirchhoff, Eberhard – 4 · 5 · 6 · 7 · 8
  • Kirchhoff, Martin – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 15 · 20 · 29
  • Kirchrath, Phyllis – 4 · 5
  • Kirsch, Sarah – 14 · 15
  • Kirschmann, Hanswerner – 6
  • Kirsten, Wulf – 13
  • Klabund – 12 · 19 · 22
  • Klees, Thomas – 25
  • Klefinghaus, Sibylle – 27 · 28
  • Klein, Hans – 5 · 25
  • Kleinebeckel, Arno – 20 · 23
  • Kleinert, Paul Alfred – 10 · 14 · 19 · 27
  • Kleinert, Sabine – 10 · 15 · 23 · 25
  • Kleinke-Bialy, Inka – 23 · 27
  • Kleinmann, Horst Joseph – 3 · 4 · 5 · 6 · 8
  • Kleist, Heinrich von – 19
  • Klett, Carmen – 9
  • Klimke, Christoph – 1 · 3 · 4 · 5
  • Kloos, Barbara Maria – 5 · 7 · 8 · 9 · 10 · 21 · 23 · 25
  • Klopstock, Friedrich Gottieb – 12 · 22
  • Kloster-Holl, Hedwig – 7 · 8
  • Klute, Hilmar – 5 · 6 · 8
  • Knerr, Ellen B. – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11
  • Knisel, Hartmut – 17
  • Knodt, Reinhard – 3
  • Knüpffer, Andreas – 11 · 12 · 13 · 14 · 25
  • Kober, Udo – 4
  • Koch, Gisela – 5 · 7 · 8 · 9
 
  • Koch, Olaf – 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 19 · 20
  • Koch, Ulrich – 29
  • Köhler, Barbara – 13 · 14
  • König, Sela – 25 · 28
  • Koeppel, Matthias – 18 · 19 · 20 · 25 · 29
  • Köppen, Theo – 9 · 10
  • Körtgen, Regina – 17
  • Kohnen, Hildegard – 14 · 15 · 17 · 19 · 21
  • Kohnen-May, Jörn – 14 · 15 · 19
  • Kohtes, Michael – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 28 · 29
  • Kolb, Helga – 10 · 25 · 29
  • Kolbe, E. Martin – 5 · 6
  • Kolbe, Uwe – 11 · 14
  • Kolz, Anise – 18
  • Komers, Rainer – 28 · 29
  • Koneffke, Jan – 18
  • Konietzko, Josefine – 5
  • Kopisch, August – 24
  • Konrad von Würzburg – 19
  • Kornel, Lutz – 9 · 10 · 11
  • Koschorrek, Ute – 3
  • Kosmidis, Dimitris – 11
  • Kostadinovski, Savo – 14 · 15
  • Köster, Gerd – 12 · 13 · 14
  • Krämer, Klaus-Dieter – 15 · 19
  • Kratzert, Armin – 22
  • Krause, Thilo – 27 · 28
  • Krechel, Ursula – 10
  • Kreis, Christian – 26 · 27
  • Krischker, Gerhard C. – 4
  • Krolow, Karl – 10 · 11 · 12 · 13 · 15
  • Kromat, Erik – 8
  • Kron, Norbert – 5
  • Kross, Jürgen – 13 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Krüger, Michael – 12 · 14 · 15
  • Kubitschek, Hildegard – 3 · 4 · 9 · 10 · 15 · 17 · 23
  • Kudernatsch, André – 9
  • Kühl, Barbara Hedwig – 19 · 23
  • Kühn, Johannes – 12 · 18 · 19 · 20 · 21 · 22 · 23 · 24 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Kühne, Karl A. – 20 · 21 · 23
  • Küsters, Arnold – 1 · 2 · 3
  • Kuhligk, Björn – 20 · 21 · 22 · 24 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Kuhn, Christoph – 9 · 10 · 19 · 28 · 29
  • Kull, Andrea – 4
  • Kummer, Erich – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25
  • Kunert, Günter – 9 · 10 · 13 · 14 · 15 · 18 · 19 · 23 · 25
  • Kunkel, Ivette Vivien – 25
  • Kunst, Thomas – 25
  • Kureishy, Salim A. – 4
  • Kurt, Manuela – 28
  • Kurz, Carl Heinz – 6 · 8 · 9 · 11 · 12
  • Kurz, Paul Konrad – 13 · 14 · 19 · 21
  • Kusz, Fitzgerald – 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Kutsch, Axel – 1 – 29
  • Kyrion, Käthe – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 25 · 26 · 28 · 29


12  Lebenslauf · Leichtigkeit · lindgrüne Lufttänze · Lyrik

lehmslauf

wennsd aff di weld kummsd
gräichsd vuä deim geburds-
daddum ä schdernlä
wennsd schdirbsd ä kreizlä:
wos willsdn meä?

Fitzgerald Kusz


Ja, was will ich mehr?
(Lyrik – also:)

Lufttänze

Sie stürzte und stand auf, setzte sich in Bewegung und fiel, erhob sich, verlangte noch viel von den Füßen ... Und wenn ihr an manchen schief hängenden Tagnächten nichts mehr gelang, war zumin­dest der Küsten­wind da, der sie aufrichtete. Aber nun schweigt seine wehende Zunge, und sie rührt sich von der Stuhlkante, nur um auf dem sich weich anfühlenden Boden zu liegen.
Und umgekehrt. Je starrer der Rücken, desto rasender ihre Blicke, die auf dem Fensterglas bibbern und krabbeln, sich an den gealterten Stuckdecken stoßen, während ihr Hirn tot geglaubte Film­szenen auswirft, wie sie rudert, zum Beispiel, und den Flußweg der Klapperschnäbel durchkreuzt oder sich im spitzgelben Heu wie eine Großkatze umwälzt, ein sinnlicher Anblick.
Sie erkennt sich wieder, und dennoch kommt es ihr vor, als sei sie nie so gewesen. Oder nur einsommerlang. Wie der über­schwäng­liche Maikäfer, ihr lindgrünes Haar durchstreifend. Gestern kehrte er zurück. Als wollte er nochmals vorführen, wie sie aus sich, dem Überbleibsel, eine Luft­tänzerin erschaffen könnte.

Mit welch einer Leichtigkeit läßt sich auf einmal der Stuhl zum Fenster schieben, ruft sie verwundert. Viel­leicht lerne ich die pas­senden Dre­hungen schnell, und der Aufwind läßt mich dann fliegen.

Francisca Ricinski

Lafleur – Lungershausen
  • Lafleur, Stan – 19 · 20 · 21 · 22 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Lahr, Ingo – 11
  • Laib, Sabine – 5
  • Lakebrink, Markus – 6 · 7 · 8 · 9 · 10
  • Lambert, Margitta – 23
  • Landau, Horst – 4 · 7 · 8 · 9
  • Landin, Walter – 4 · 5 · 6 · 7 · 8
  • Langbein, Nicole – 19 · 20
  • Lange, Elmar – 7
  • Lange, Horst – 12
  • Langer, Christine – 20 · 21 · 22 · 25 · 27 · 29
  • Langer, Federica – 6
  • Langer, Jochen – 4
  • Langstein-Jäger, – 10 · 11
  • Langwege, Achim von – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19
  • Larsen, Alma – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25 · 28
  • Lasker-Schüler, Else – 19
  • Lassahn, Bernhard – 4
  • Lavizzari, Alexandra – 4
  • Lebert-Hinze, Vera – 3 · 4 · 5 · 8 · 9 · 10 · 11 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21
  • Ledersberger, Erich – 5 · 7
  • Ledig-Schön, Käte – 5
  • Lehmann, Andreas – 28 · 29
  • Lehmann, Wilhelm – 12
  • Lehmann-Sinapius, Hilde – 13 · 14
  • Lehnertz, Frank – 15 · 17 · 21
  • Leifert, Arnold –10 · 11 · 12 · 14 · 19 · 21 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Leifheim, Hans – 12
  • Leisten, Christoph – 20 · 21 · 24 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Leitner, Anton G. – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 22 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Lemmer, Christa – 4
  • Lenau, Nikolaus – 17 · 22
  • Lengsholz, Christoph – 9
 
  • Lennartz, Sven E. – 3
  • Lentz, Michael – 8 · 9 · 10 · 11
  • Leonhardtsberger, Karl – 1
  • Leopold, Friedrich – 12
  • Lercher, Marianne J. – 19
  • Leskien, Jutta – 15 · 25
  • Lessing, Gotthold Ephraim – 19
  • Lessmann, Ulla – 24
  • Levend, Helga – 9 · 10
  • Lewis, Heidi – 1 · 2
  • Li Mura, Claudio – 10
  • Lichtenstein, Alfred – 12
  • Lichtenstein, Swantje – 24 · 25 · 26 · 27 · 29
  • Liliencron, Detlev von – 19
  • Limpert, Richard – 5
  • Link, Hermann – 14
  • Linke, Wilfried – 5 · 6 · 7 · 8 · 9
  • Linnhoff, Martin – 14
  • Lins, Gabriele – 6
  • Lippelt, Helga – 6
  • Lippert, Maik – 19 · 23
  • Lischke-Naumann, Gabriele – 5 · 6
  • Littau, Monika – 9 · 10 ·
  • Löchner, Ulli – 6
  • Loerke, Oskar – 12 · 19
  • Löffler, Kay – 14
  • Lövenich, Friedhelm – 29
  • Logau, Friedrich von – 19
  • Lohr, Michael – 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 20 · 25 · 28 · 29
  • Lorber, Christiane – 12 · 13 · 15
  • Lorenz, Sabina – 28 · 29
  • Loyen, Ulrich van – 15
  • Lubina, Vesna – 26 · 27 · 28 · 29
  • Luck, Hannes – 10
  • Lüchow, Johann Christian – 16
  • Lüdenbach, Katja D. – 11 · 12 · 13 · 14 · 15
  • Lühr, Hermann – 3 · 5 · 7
  • Luft-Kornel, Katharina – 21 · 27 · 29
  • Lungershausen, Helmut – 3 · 4


13  Müll · Menschen · Möwen · Mütze · Mikrowelle

Unter Abfall bzw. Müll (schwei­ze­risch auch: Keh­richt, öster­rei­chisch auch: Mist) versteht man nicht mehr benötigte Über­reste im festen Zustand, was Flüssig­keiten und Gase in Behältern einschließt. Chemische Rück­stände werden auch als Abfall­stoffe bezeichnet.

Wikipedia


Während ich Claudia Gablers Gedicht zu lesen beginne – Ich gehe durch die Straßen, als hätte ich den Müll / der ganzen Welt in meinem Kopf – schleichen sich, ungefragt, aus der Tiefe des inneren Raumes die Auftaktverse von Else Lasker-Schülers WeltendeEs ist ein Weinen in der Welt, / als ob der liebe Gott gestorben wär – heran und legen sich über die Gablerschen Wörter – ein faszinierendes Erlebnis, das mich begei­stert und nicht nur nicht vom Weiterlesen dieses Gedichts ablenkt, sondern dieses zusätzlich befeuert, und ich denke (lächelnd und frei nach Terentianus Maurus): „Je nach Auf­fas­sungs­gabe des Lesers haben die Gedichte ihre Schick­sale“.

Ich gehe durch die Straßen, als hätte ich den Müll
der ganzen Welt in meinem Kopf. Aber tatsächlich sind
meine Gedanken nur Punkte auf meinem Haus. Ich

ertaste die Fassaden und wünsche mir Handschuhe
aus Cashmere (so ist schon mancher Fuchs zum
Menschen geworden). Ich treffe auf ein Auto, das

allein seine Runden dreht. Das gibt mir Kraft und ich
mache ein Bild von uns zwei, das vom Reisen erzählt.
Im Hinterhof träumen die Möwen vom Strand, die

Töne dazu kommen aus der Mütze ihres Betrachters,
der wie ich ein Spaziergänger ist. Meine Mikrowelle
singt leise das Lied von der Berlin-Immobile.

Claudia Gabler


Maas – Musil
  • Maas, Helga – 8
  • Mach, Bruno – 4 · 5 · 7
  • Macht, Siegfried – 7 · 8 · 9
  • Mäuler, Frank – 15 · 21 · 28
  • Mäurer, German – 16
  • Mahr, Petra – 1 · 3 · 4
  • Mai, Stefan – 21
  • Maiberger, Bärbel – 21
  • Maier, Hans Helmut – 4 · 5 · 15
  • Maisenbacher, Christoph – 5 · 6
  • Maiwald, Peter – 10 · 12
  • Mallmann, Klaus-Michael – 6 · 7
  • Mantzel, Horst – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 26 · 27
  • Marcuse-Grünberg, Magda – 4
  • Marquis, Marie-Claire – 5 · 6
  • Martens, Bernd – 4
  • Martens, Frank – 29
  • Marti, Kurt – 18 · 19 · 21
  • Martin, Marie T. – 27 · 28 · 29
  • Marx, Udo – 10 · 14
  • Maschke, Liberto Max – 1 · 2
  • Masciadri, Virgilio – 29
  • Matenaer, Ursula – 8 · 9 · 10 · 11 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 27
  • Matthes, Otmar – 19 · 20 · 21 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Matthies, Frank-Wolf – 8 · 9 · 10 · 27 · 28 · 29
  • Mauersberger, Horst – 3 · 4 · 7
  • Maur, Hanns – 5 · 6 · 7 · 9 · 10 · 11 · 12
  • Maurer, Ursula – 5 · 7 · 8 · 9
  • Mauritz, Hartwig – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Mayer, Rupert – 9
  • Mayröcker, Friederike – 12 · 14 · 15 · 18 · 19 · 22
  • Mechthild von Magdeburg – 19
  • Mehring, Walter – 12
  • Meier, Elvira – 9
  • Meier, Ruth – 14 · 15 · 19 · 20 · 25 · 28
  • Meier-Lenz, Dieter P. – 22 · 25 · 26 · 28 · 29
 
  • Meissner, Alfred – 16
  • Melter, Adolf A. – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10
  • Menke-Peitzmeyer, Jörg – 3 · 4 · 5 · 6 · 7
  • Mennel, Claudia – 1 · 2 · 3 · 4
  • Menninger, Hanns – 4 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 13 · 14
  • Messmer, Erich – 19 · 20 · 21 · 25 · 28
  • Metzger, Herbert – 3 · 4 · 5 · 6 · 8 ·
  • Metzger, Iris Caren – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9
  • Meyer, Conrad Ferdinand – 19
  • Michael, Barbara – 4
  • Micovich, Jo – 7 · 8 · 9 · 10 · 12 · 13 · 20 · 23
  • Midinet, Gert – 7 · 8
  • Milautzcki, Frank – 13 · 15 · 19 · 20 · 25 · 26 · 27 · 29
  • Milloth, Heinz – 9 · 10
  • Milzner, Georg – 9 · 10 · 11
  • Ming, Barbara – 9 · 10 · 15 · 23 · 26
  • Mittag, Roland – 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 20 · 28 · 29
  • Mittelgöker, Jutta – 2 · 3 · 4 · 7 · 8 · 9
  • Mödder, Gynter – 8 · 12 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25 · 27 · 29
  • Mödder-Reese, Renate – 8 · 12 · 14 · 15 · 19 · 21 · 25 · 29
  • Mönch von Salzburg – 19
  • Mörike, Eduard – 19
  • Mörla, Klaus L. – 4
  • Modlmayr, Hans-Jörg – 5 · 6 · 8 · 9 · 10 · 11
  • Mohnnau, Ralph Günther – 1 · 3 · 5 · 6
  • Morawetz, Uwe – 5 · 6 · 7
  • Morgenstern, Christian – 12 · 19 · 22 · 23
  • Mülder, Friedrich – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 13 · 14 · 15 · 17 · 18 · 19 · 20
  • Müller, Dorothea – 13 · 21
  • Müller, Richard – 24
  • Müller, Roland – 17 · 21
  • Müller, Titus – 20 · 21
  • Müller-Felsenburg, Alfred – 6
  • Müller-Jahnke, Clara – 22
  • Musil, Robert – 12


14   Namen · Nimm · Nachtgeräusch

Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut
Goethe · Faust


Durch die 24 Listen der 1.200 in Axel Kutschs 29 Lyrik-Anthologien versammelten Namen rollend, springen mich Altschwager · Bunt­rock · Cenefels · Dorn­heim · Eich­horn · Funke · Gutzsch­hahn · Heide­brecht · Ische­beck · Jung­heim · Kudernatsch · Lichtenstein · Morgen­stern · Nitz­berg · Pockrandt · Quin­ken­stein · Rafflen­beul · Schröpfer · Tucker­mann · Uhlen­bruck · Vort­mann · Wilden­hain · Zornack an, ich schreib sie hier auf, lese sie laut, lausche, lache und jongliere: ›dorn‹ / ›horn‹ /›zorn‹ finden wie von selbst zusammen, ›fels‹ und ›stein‹, ›alt‹ und ›jung‹, ›hain‹ und ›stein‹, ›do‹ und ›isch‹, ›funke‹ und ›stein‹, ›berg‹ und ›heim‹, ›rock‹ und ›stein‹, ›vort‹ und ›nitz‹ …

nachtgeräusch

nimm meinen kleinen
vers an dich

mit diesem proviant komm durch
den lauten tag und leg

die stimmen ab, den staub
das raue tuch

nimm dir von meiner dunkelheit
so viel du brauchst

und bette dich
in meinen atem

Andreas Lehmann


Narew – Noy
  • Narew, Ski – 4 · 5
  • Naumann, Meino – 14 · 23
  • Nehmer, Joachim – 27 · 28 · 29
  • Nendza, Jürgen – 4 · 14 · 15 · 18 · 19 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Nesch, Thorsten – 15
  • Neuburger, Kurt – 4 · 5
  • Neuert, Marcus – 23 · 25
  • Neumann, Gerhard – 18
  • Neumann, Walter – 13 · 14
  • Neunert, Andrasch – 4
  • Ney, Norbert – 5 · 7
  • Nick, Dagmar – 12
  • Nieding(-Weiler), Ursula – 5 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 20
  • Nietzsche, Friedrich – 12 · 22
 
  • Niklas, Angelo – 1 · 2 · 3 · 4 · 21 · 25
  • Nitsche, Alex – 13 · 15
  • Nitzberg, Alexander – 22
  • Nitzsche-Kornel, Lutz – 14 · 21 · 27 · 29
  • Noack, Gisela – 5 · 6
  • Noack, Hannelore – 8 · 9 · 10
  • Nobis, Horst – 4 · 5 · 6
  • Nockels, Bernhard – 8
  • Noerden, Joseph – 8
  • Noga, Andreas – 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Nogaj, Hans – 25 · 28 · 29
  • Nordmar-Bellebaum, Sigrid – 8 · 9
  • Noy, Gisela – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 14 · 19 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29


15  Ohr · Opfer · Orte-Worte

Ich möchte die Gedichte schlichtweg verorten.
Björn Kuhligk · poet 10

Vielleicht sollte man das Konzept Orte abschaffen.
Uljana Wolf · poet 10


Ortung

 Für Sigurd Paul Scheichl

Ein Rauschen im Ohr, es könnte
das Meer sein. Bald sind die Jungmöwen
flügge. Die Erinnerung sucht, was du nicht

sahst, als du es erlebtest und das nun
etwas anderes ist. Die See, gelangweilt fast, leckt
die Wunden ihrer Opfer, ist es Trauer, ist es

Verhöhnung? Nach heftigen Kämpfen
pissen übernächtigte Poeten ihr Bier
aus. Widersprüchliche Meldungen kommen

in Cabrios angerauscht, aus denen der Anhang
irgendwelcher Scheichs steigt. An der Erdachse
wird kräftig gebastelt, die Morgendrossel

knallt gegen die Fensterscheibe. Noch
verschlafen, suchst du deine Seele.

Franz Hodjak

abwesende vielfalt im dörflichen garten · im rinn­stein · durch diese stadt der geis­ter­fahrer · weit im festland · im fluß · zwischen den zweigen · auf dem rücken der nafta­liberge · in der ägäis · liegen gleise blind in gräsern · unisono am fenster · im son­nen­licht an der wand · prachtvoll durch rußland · gänge treppen throne · das tal hinauf das tal hinab & über den berg · in den ängste­bunker · über dem felsennest · made in china · aus schwange­rem himmel · springt über den rand die dohle · in der bar st. tropez · unter den haufenwolken · im wald · dreht sich die erde indes weiter · hinter char­manten ecken · am tresen · im kino · im schat­ten des schilfs · in 300 mil­lionen­städten · vom erdboden ver­schluckt · in gedächt­nis­gruben · und an den fens­ter­scheiben laufen sich gesichter ab · die komplette wendel einer eisen­treppe · den himmel ritzt der horizont · windräder drehen beschaulich ihre runden · auf die weiße lein­wand · am hinterkopf trennen sich die wege · die schornsteine des heiz­kraft­werks · laufen barfuß über stoppel­felder · bis zum

Bundesbeach Berlin

Übertragungsfehler meldet das iPad launig
Wie ein Bild das sich nicht übermalen lässt

Die Soprane quengeln
Reste von Roxy Music in der Luft
Ursula v. d. Leyen äußert sich erstmals zum Thema Intimrasur

Überall Lachsschlacke Spucksahne
Einige berichten vom Feuer im Fraktionsraum
Porzellanschweiß Piercings aus Nato-Draht

Und auch 9Live sendet nicht mehr

Markus Peters


Oberthür – Otto
  • Oberthür, Irmhild – 19 · 20 · 25 · 27 · 29
  • Oelfke, Roland – 7 · 8 · 9 · 10
  • Ohlig, Elisabeth – 7 · 8
  • Ohlsen, Birgit – 4 · 5
  • Oidtmann, Peter – 14 · 19 · 20
  • Olszewski, Charlotte R. – 4 · 9 · 10
  • Ooyen, Hans van – 4 · 5 · 6 · 7
 
  • Opitz, Martin – 12 · 19 · 22
  • Opitz-Ohlsen, Günter – 6
  • Osnabrück, Lotte – 11
  • Ostermann, Irmgard Maria – 19 · 21
  • Osthaus, Johannes – 5
  • Otto, Christa – 6 · 7 · 8
  • Otto-Peters, Louise – 16


16  Paar · Papageno · Poetische Plattform · Pferde · Poker · Pot · Prediger

Alles hat seine Zeit.
Prediger 3,1–11 


„Wat is ene Sammelband?“, höre ich Physiklehrer Bömmel in der Feuerzangenbowle fragen, und ein neunmalkluger (angehender) Junglyriker von heute würde auf seine altkluge Art wohl etwa so antworten: „Ein Sammelband ist eine Anthologie ist eine poetische Plattform.“ Bömmel würde ob soviel Beredsamkeit wahrscheinlich verdutzt gucken, grinsen und in seinem gemütlichen rheinischen Akzent meinen: „Immer langsam mit de junge Pferde.“ Womit sich der Witz­bold gleich als fein­sinniger Kenner deutscher Lyrik geoutet hätte. Stelle mer uns also mal janz dumm und saren: Die Antho­logie ist Forum, Jahrmarkt der Eitel­keiten, poetische Platt­form, Aussichts- und Leuchtturm.
Die Lyrik-Anthologie ist aber auch Poker­runde: Die Lyriker setzen ohne Wissen um das Gedicht des Gegners ihren vollen Einsatz auf die Gewinn­chancen des eigenen Gedichts. Der Bluff spielt naturgemäß auch beim poetischen Poker eine Hauptrolle: Mancher Autor versucht die Co-Autoren durch verflucht forcierte Verse dazu zu bringen, aus dem Pot auszusteigen, obwohl er selbst ein eigentlich schwaches Gedicht in der Hand hält. Beim Lesen kommt es nun zum Showdown, und jeder der tausend und hoffentlich mehr Leser entscheidet, welches Gedicht einem Paar, zwei Paar, Drilling, Straße, Flush, Full House, Vierling, Straight Flush oder gar Royal Flush vergleich­bar ist. Je nach Anthologie-Variante hat der Herausgeber natürlich verschiedene Möglich­keiten, seinen Sammelband zusam­men­zustellen. Auch die maximale und die bevorzugte Autorenanzahl sind je nach Variante verschieden.
In mancher mit allen Wassern des Mains gewa­schenen Antho­logie gewinnt nicht die beste Lyrik (High), sondern die schlech­teste (Low). Wie? Wie? Wie? Ihr an diesem Schreckensort? Nie, nie, nie kommt ihr glücklich wieder fort, singen die drei Damen in der Zauberflöte. Nein, an solchem Port will ich mich denn doch nicht metapho­risieren lassen, da schweige ich lieber, im Gegensatz zu Papageno, still. (Weitere Platz­patronen, Pleonas­men, Positionen finden Sie hier im Plausch mit Poesie­pathologe Hagedorn.)

My Pokerface

ringsum
nur geschiebe von
leinwänden der entwurf
einer groß
artigen landschaft mit

(blut und gedärm)

draußen fallen die blätter
innen blättert das leben
seine letzten herztöne
auf den tisch und
möchte sehen

Peter Ettl


Pade – Pütz
  • Pade, Oliver – 13
  • Paehler, Antje – 19 · 21 · 29
  • Pastior, Oskar – 10 · 11 · 15 · 18 · 21
  • Pataky, Gabriele – 8
  • Paulus, Arno – 1
  • Pauly, Gisela – 7 · 8
  • Pelzer, Hildegard – 15 · 21 · 23
  • Perkert, Anke – 3
  • Persch, Rolf – 10 · 11 · 14 · 15 · 23 · 24 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Pertim, Erna – 3 · 5
  • Peters, Franz – 15 · 19 · 21 · 23 · 25
  • Peters, Helmut – 6 · 7
  • Peters, Karin – 27 · 28 · 29
  • Peters, Markus – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 24 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Peters, Robert – 27
  • Peters, Silke – 28
  • Petersdorff, Dirk von – 9
  • Petschner, Raimund – 4 · 5 · 6 · 7
  • Peuckmann, Heinrich – 4
  • Pfau, Ludwig – 16
  • Pfeffer, Paul – 19 · 20 · 21 · 25 · 27
 
  • Pfefferlen, Erich – 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 21
  • Pfeiffer, Herbert – 23
  • Pfennig, Jörn – 7 · 8 · 9
  • Pfisterer, Helmut – 9 · 10 · 11 · 12 · 14 · 15 · 17
  • Pietrzik, Angela – 3 · 4
  • Piontek, Heinz – 9
  • Platta, Holdger – 4 · 5
  • Pockrandt, Danilo – 28 · 29
  • Pohl, Kai – 25 · 27 · 28 · 29
  • Pohlmann, Maria – 7
  • Pohlmann, Tom – 11 · 13 · 14 · 15 · 27 · 28 · 29
  • Polch, Erna – 3 · 4
  • Politt, Sigrun – 4
  • Politycki, Matthias – 18 · 22
  • Posth, Rüdiger – 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 25
  • Preuss, Jürgen – 17 · 19 · 20 · 21
  • Preuß, Werner – 8 · 9 · 10
  • Pricha, Manfred – 27 · 29
  • Prochaska, Wolfgang – 5 · 6
  • Prutz, Robert Eduard – 16
  • Puls, Gerd – 4 · 7 · 8
  • Pütz, Claudia – 5 · 7 · 10


17  Qualheimat · Qualm · Qualmwolke · Qualwolke

Umgangssprachlich wird dichter, undurch­sich­tiger und gege­benen­falls dunk­ler Rauch als Qualm bezeichnet.

Wikipedia


Ohne die exorbitante Qualmwolke über Sistig am späten Vormittag des 9. April 2011, die ich beim Verlassen des Hauses, ohne Ahnung, daß ich kaum zwei Stunden später mit der Niederschrift eines Gedichts befaßt sein würde, unmittelbar als Qualwolke empfand, wäre das an dieser Stelle eingefügte Gedicht nicht qualm über sistig tituliert. Es hieße jedoch auch nicht so, wenn mir nicht das englische Wort qualm in den Sinn gekommen wäre, das u.a. die Bedeutungen ›Skrupel‹ und ›Zweifel‹ hat. In ›Skrupel‹ steckt wiederum der ›Rüpel‹, der dieses große Feuer mit offen­bar feuchtem Holz und nassem Laub entfachte, in ›Zweifel‹ natür­lich ›Eifel‹. Als Grübel­mensch passe ich ganz gut in diese rauhe Gegend, die ich zwar als Wahlheimat betrachte, dabei auch – naturgemäß – als Qualheimat erlebe.
Fünf Tage lang arbeitete ich an diesem sieben­strophigen Gedicht, bis es zur vor­liegenden Form mit dem drei­zei­ligen Langvers fand.
Gelegentlich versende ich neue Gedichte, die ich in den ersten Monaten nach (ver­meint­licher) Fertigstellung nur höchst ungern ver­öffent­liche, an den einen oder anderen befreundeten Autorenkollegen – in diesem Fall an Axel Kutsch (mit dem ich mich bekann­termaßen regel­mäßig und intensiv über lyrische Fragen austausche) sowie an Ulf Stolter­foht (den ich beim Poesie­festival in Konstanz im November 2010 endlich persönlich kennen­lernte und dem ich nach langer Zeit ein Lebenszeichen schicken wollte), um einige möglichst sachdienliche Hinweise zu erhalten, die entweder meinen naturgemäß noch von der Euphorie des Schaffens­prozes­ses beeinflußten Eindruck vom neuen Gedicht bestätigen oder nicht. Das Feedback ist im vor­liegenden Fall von der Art, daß ich das Gedicht im Juli 2011 mit fünf weiteren für den Abdruck in Versnetze_vier einreiche. Axel Kutsch ent­scheidet sich schließlich für bensch – endlich, blaupause · fortrocken und kraus, und so erscheint qualm über sistig, das u.a. aus einer Vertiefung in Kapitel 16 der Geheimen Offen­barung des Johannes entstand, hier zum erstenmal.

qualm über sistig

nach der (schalen) tsunamizornradioansage rieben tausend nikabur­katragende re­gie­rungstote augenstrahlende zeugen auf verteidigen flüchtlings­truppen bei zu­sam­menstößen asyralibyen

mit wadenlosen rohgebärden gegen die aufständische elf der jemenbeinküste wo möglich kommen island­kräfte zum grimmigen wider­standseinsatz rück­kehr zur for­ma­lität geht weiter

frage: sind massenkarambodemonstrationen gegen unherrscher vergleichbar mit sehr be­fristeter nach­bebenlage im viel­kampf­zerfahrenen japan (klecks im akw onagawa) was grassiert

wenn regierung ungekühlt licht macht leiden kind und flegel schwer kopflose tote von adschdabija fukushima madrid paris rom smolensk tschernobyl blieben im interview uneins

über kryptonstrontiumtritiumuranschlammdammplage werden natospezial­puppen gegen paläs­tinenser­klage nur protestieren zwecks strate­legischem waffen­spar­paketat­streit mit ai weiwei

verschleppt goubattagarabo heitere arbeiter im fatalen lampe­dusa­pflichteinsatz be­schlie­ßen herz­verzerrte guerilla­gruppen blind offenbar geheime durch­halte­parolen [lauft rennt weg]

versprechen stellen über­einander­stürzende räuberzivilrebellen vage blut­ver­seuchte visa gau gau das schwei­ge­minutenspiel ist gau­landsmeldungen der letzten sieben aktiven ruhe­stage

Quinkenstein – Quirin
  • Quinkenstein, Lothar – 26 · 27
 
  • Quirin, Ursula – 7


18  Rausch · Rarotonga · Rhetorik · Rhythmus · Rostkopf · Rostzwerg · Rudel

Benn, Eich, Huchel – read one line and you are in the domain of poetry.
Shafiq Naz während seines Besuchs in Sistig am 30. August 2011


Gedichte treten heutzutage gern im Rudel auf. Ich lese sie in erster Linie im Zusammen­hang der Lektüre von Einzeltiteln, Sammelbänden und Zeitschriften, in denen sie immer wieder gewollte und ungewollte Korres­pondenzen mit­einander führen. Ich lese Lyrik-Antho­logien weiterhin so, wie sie mir geliefert werden: von der ersten bis zu letzten Seite, gleichsam in einem Zug. Und auch die Lektüre von Versnetze-vier versetzt mich nach wenigen Seiten bereits in den Rausch, den ich mir beim Lesen immer wünsche und der hier zu bestän­digem kopf­nickenden Bejahen, dort zu kopfschüttelndem (virtuellem) Bearbeiten von Versen und Strophen führt. Da gibt es kein Halten mehr.
Die Zeit des alle anderen über­ragenden gran­diosen einzelnen Gedichts, denke ich auch beim lust­vollen Lesen dieses Sammelbandes, das sich wie von selbst einprägt, scheint vorbei zu sein. Kaum noch einmal für 15 Minuten drängt sich ein Gedicht dermaßen in den Vordergrund, daß es zumindest für alle Gedichte, die in den anschlie­ßenden 15 Minuten ent­stehen, zum Vor­bild werden könnte. (Ja, es wird viel geschrieben.) Jakob van Hoddis erschrieb sich mit Weltende einem einzigen Gedicht Weltruhm im deutschen Sprachraum. Eine Anthologie (Arbeits­titel: This Is Just to Say) mit jeweils von den Autoren selbst ausge­wählten sechs bis acht Gedichten stelle ich mir in diesem Augenblick vor, die mich vom Gegen­teil dessen über­zeugen könnte, was ich soeben gemut­maßt habe. So bleibt, wie Freund Kraus gern betont, letztlich stets alles

in der schwebe

kraus schlug · in der tat brutal · die augen auf
schon kam · mittelwelle kanal 7 · wie immer
die nachricht vom ende der welt

der held lachte · dachte: na bravo
rieb sich · allein zuhaus · infam · die hände
hörte posaunen von vogelsang

alsdann: hunger · qualgefühl in der kehle
im kühlschrank blieb · : kolossaler kracher · die eine
blankgelbe · blendend feine · kleine mirabelle

kraus trug sie · auf die schnelle · ins schonzimmer
las weiter in der amsel von glanmore
und bat · keine menschenseele · um vergebung

daß er lebe

In der Anthologie „Beständig ist das leicht Verletzliche“. Gedichte in deutscher Spra­che von Nietzsche bis Celan, 2010 bei Ammann in Zürich erschienen, schreibt Heraus­geber Wulf Kirsten im Nachwort: Jede noch so ausführliche wie jede noch so ver­knappende Gedicht­sammlung muß zum Konstrukt geraten, gemes­sen an dem überreichen Fundus. Wie jede Gattung bedarf auch das Gedicht, das „die Bestän­digkeit des leicht Verletz­lichen“ (Oskar Loerke) in vielen Spiel­arten vorführt, mehr oder weniger kunstvoll variiert, einer Lebenskultur, auf der es zu gedeihen vermag. Diese wiederum trägt den pyrami­den­förmigen Bau, dessen Basis gemeinhin außer Betracht bleibt. Doch ohne ein solches in die Breite laufendes Erpro­bungs­feld und ein ent­sprechendes geistiges Klima sind Gipfel­leistungen schwerlich zu erreichen.
Inmitten des Rudels (der Herde) der Gedichte stoßen mich Wörter mit ihren Schnau­zen an. In blau­pause · fortrocken verwende ich das Wort rostkopf, bin des­halb in diesen Tagen mög­licher­weise vorzugsweise sensi­bilisiert für Rostwörter und stoße schon im ersten Versnetze_vier-Gedicht (von Andrea Brincker aus Banzkow) auf verrostete posten, im zweiten (von Stephan Reich aus Berlin) auf blut schmeckt wie rostiges eisen, im dritten auf rostlos, ach nein, rastlos. So steckt Rost, ich weiß es wohl, in vielen Wörtern, Phäno­menen. Finde ich in den Gedichten Trost? Keines­wegs verwunderlich jedenfalls, daß ich in Saza Schrö­ders 2011 in der Itzehoer edition footura black erschie­nenem und heute vom Postboten über­reichten Lyrikband AchKind­heit­du­schreck­liche­Süße gleich am Anfang auf den Rostzwerg stoße. Wenig später klingelt es erneut, Shafiq Naz, der Heraus­geber des deutschen Lyrik­kalenders steht mit den Druckfahnen des Kalen­ders für 2012 vor der Tür, und zack, am 19. Januar schlägt's schon wieder 13: In Christa Wißkirchens Gedicht Verirrter ICE steht der Rostzaun im Wege.

Überlieferung
  für Michael Hamburger

Chaos, das weite, gute, des Ozeans,
  Aus dem, äolisch, Inseln sich lösen; viel
    Später, zum ersten Mal, ein Sprechen,
      Diesseits des Chors, von den eignen Nöten.

Alkäos, der von Stürmen, Seekriegen, sang,
   Ist, bis auf Trümmer, untergegangen; es
     Bleibt uns ein Rhythmus, träge, eilend,
       Leicht wie der Wind auf der Insel Lesbos.

Hölderlin, auch gebrochen, vermochte nicht,
   Die hochgeschwungne Bahn zu vollenden; doch
     Noch in dem gelben Turm im Alter
       Fand er Asyl in Alkäos' Strophe.

Hamburger, durch den Holocaust wurden die
   Lebensgrundlagen gründlichst zertrümmert dir;
     Darum dein Streben, alle Fäden,
       Alle Freundschaften intakt zu halten.

Früh hast du jedes Versmaß der Welt beherrscht;
   Doch das Mißtrauen gegen Rhetorik ließ
     Karg deine Lyrik werden, schmucklos,
       Stimme verdrängter Natur dann schließlich.

Im Krieg schon, sechzig Jahre lang, hieltest du
   Hölderlin fest die Treue; nicht deinen Wunsch,
     Sondern sein Metrum übertrugst du,
       Noch als er, spät, bei Alkäos Trost fand.

  Rarotonga, Cook-Inseln, August 2010

Richard Dove


Raap – Ruville
  • Raap, Jürgen – 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 19
  • Rademacher, Cay – 5 · 6 · 7 · 8 · 9
  • Radzioch, Walter – 23
  • Rafflenbeul, Volker – 4 · 7 · 8 · 9 · 10
  • Rahmelow, Gisela – 7 · 9
  • Rait, Rita – 2 · 3
  • Rakusa, Ilma – 18 · 19 · 21
  • Rathenow, Lutz – 4 · 6 · 7 · 9 · 10 · 13 · 14 · 15 · 17 · 18 · 19 · 20 · 21 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Rathjen, Friedhelm – 125
  • Ratz, Heinz – 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26
  • Ratzenböck, Manfred – 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7
  • Raus, Ingeborg – 10 · 11 · 13
  • Raus, Michel – 8
  • Rautenberg, Arne – 15 · 19 · 20 · 21 · 22 · 23 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Real, Anna – 18 · 19 · 20
  • Reber, Sabine – 19 · 20 · 21
  • Reh, Amber Rusalka – 25
  • Reich, Stephan – 29
  • Reichelt, Lutz – 10 · 11
  • Reichling, Emmi – 7 · 8
  • Reifarth, Gerd – 27
  • Reimert, Karla – 27 · 28
  • Reinboth, Gudrun – 4 · 7 · 8
  • Reinhards, Otto – 3
  • Reinecke, Bertram – 26 · 27 · 28 · 29
  • Reinig, Christa – 23
  • Reinke, Andreas – 8 · 9
  • Reiprich, Elisabeth Sophie – 3 · 4 · 9
  • Reiprich, Walter – 3 · 4 · 9
  • Reklies, Bernd – 5 · 6
  • Reus, Wolfgang – 3 · 4
  • Rex, Hartlib – 4 · 5 · 6
  • Reyer, Lars – 27 · 28
  • Rheinberg, Bernd – 4
  • Richards, David H. – 1 · 2 · 3 · 4 · 5
  • Ricinski, Francisca – 28 · 29
 
  • Riedel, Wilhelm – 1 · 2 · 3 · 5 · 6 · 7
  • Riefert-Miethke, Marianne – 5 · 6
  • Riemenschneider, Helmut – 6
  • Riha, Karl – 19 · 25 · 26 · 28 · 29
  • Rilke, Rainer Maria – 12 · 19 · 22
  • Ringelnatz, Joachim – 12 · 19 · 23
  • Ritter, Jana – 8
  • Ritz, Erika – 4
  • Roers, Georg Maria – 20 · 21
  • Röhnert Jan Volker – 20 · 21 · 26 · 27 · 28
  • Römmer, Sabine – 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Röser, Hubert 4
  • Rohde, Friedrich – 15
  • Rohrmoser, Waltraud – 15 · 17 · 19 · 20 · 21
  • Rolfes, Bettina – 4
  • Roloff, Marcus – 26 · 27 · 28 · 29
  • Ronca, André – 13
  • Rosenlöcher, Thomas – 14
  • Rosky, Bettina – 14 · 15
  • Rosowsky, Norbert – 15 · 20 · 21 · 28
  • Rossa, Matthias – 4
  • Roßbach, Stefan – 3
  • Rossi, Mata – 3
  • Rost, Hendrik – 13 · 14 · 25
  • Rotta, Linde – 457
  • Rottenburg, Iris von – 10 · 11 · 13
  • Rovers, Karl – 8 · 10 · 11 · 15 · 17 · 19 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Rühm, Gerhard – 18 · 24
  • Rühmkorf, Peter – 9 · 10 · 12 · 13
  • Rümmler, Artur 4
  • Rumler, Andreas – 19 · 20 · 21 · 23 · 24
  • Rupprecht, Imme Anna – 13 · 14 · 20
  • Rupprecht, Michael – 4 · 5 · 6 · 7
  • Rupprecht-Wenzel, Angela – 4 · 6
  • Rütten, Egidius Paul – 1 · 4 · 15
  • Rütten, Ursula – 6
  • Ruville, Karin von – 14 · 15


19  Sammelband · Sandbank · Schatten · Schwermut · Spuk · Strom

Spuk

Schatten stürzt auf Schatten
     hinter vorgehaltnen
Händen hehres Gesicht
     Würgeengel auf den
Gemahl der Einsamen

Weißes Katzentier nur
     Hilfe gegen den Spuk

Manfred Peter Hein


In den Anmerkungen zu Ivo Ledergerbers Gedichten in Besuch bei einem Freund lese ich: Thomas von Aquin (um 1225–1274), Dominikaner, Theologe, Philosoph. Empfiehlt gegen Grübelei und Schwermut beten, weinen, erkennen, Gespräche führen, schlafen, sich freuen und baden. Baden, ja, in Wörtern baden, auch Versnetze_vier befreit mich beim beinahe ununterbrochenen Lesen der Gedichte von Grübelei und Schwermut, immer wieder schwappt eine Wörterwelle über mich, daß ich den Boden unter den Füßen verliere, ich tauche ein und unter, wate ich durch Untiefen, ruhe auf Sandbänken aus, um mich doch schnell wieder in die Fluten zu stürzen. Und da ist sie wieder, diese nicht zu bremsende Leselust, die wegen der paar allzuschlichten Gedichte in diesem Versnetze-Sammelband, über die ich schnell hinweglese, nicht vergeht, zu stark ist der Strom flotter Sequenzen, guter Wörter, kerniger Verse in originellen Gedichten.

Sachs – Suhr
  • Sachs, Lou – 1 · 2 · 3 · 4
  • Sadik, Ahmed Altimimy – 9
  • Sagurna, Marco – 4 · 5 · 6
  • SAID – 11 · 29
  • Sallet, Friedrich von – 16
  • Salm-Hoogstraeten, Elmar & Thomas von – 5
  • Salomon, Peter – 13 · 14 · 19 · 23 · 25 · 27 · 28
  • Samson, Horst – 14 · 19 · 25 · 26 · 29
  • Sandig, Ulrike Almut – 25 · 27
  • Sanjosé, Àxel – 5 · 6 · 7 · 8 · 10 · 20 · 21 · 27 · 28 · 29
  • Sanmann, Angela – 26
  • Sartorius, Joachim – 18 · 19 · 21 · 22 · 27
  • Sauer, Jutta – 3
  • Saurer, Andreas – 15 · 19 · 20 · 27
  • Sayer, Walle – 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Scappini, Gerard – 4
  • Schaarwächter, Ingrid · 13 · 14 · 20 · 25 · 27 · 28
  • Schablewski, Frank – 26 · 28 · 29
  • Schacht, Ulrich – 25
  • Schaefer, A. Louisa – 21 · 23 · 27
  • Schäfer, Astrid – 15
  • Schäfer, Wendel – 3 · 4 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 15 · 19 · 25 · 28
  • Schaflinger, Knut – 25 · 27 · 28 · 29
  • Schalk, Gisela 6
  • Schamp, Matthias – 15 · 23
  • Schanz, Julius – 16
  • Scharfenorth, Ulrich – 11 · 13 · 21 · 26
  • Scharnagl, Horst J. – 7
  • Schaus, Robert – 21 · 29
  • Schedlinski, Rainer – 6
  • Scheidgen, Ilka – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 14 · 19 · 25
  • Schell, Klaus Rudolf – 9 · 10 · 11 · 15
  • Scherm, Gerd – 4 · 5
  • Scherr, Katharina – 2 · 3
  • Schertenleib, Hansjörg – 18
  • Scheuer, Norbert – 14
  • Schiffer, Wolfgang – 7
  • Schiffner, Sabine – 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 24
  • Schilcher, Ursula – 4
  • Schiller, Friedrich von – 19 · 23
  • Schindel, Robert – 18
  • Schindler, Udo – 14 · 15 · 20 · 21 · 25 · 29
  • Schindler-Wunderlich, Vera – 25 · 28 · 29
  • Schinkel, André – 29
  • Schittko, Clemens – 28 · 29
  • Schlageter, Kerstin Rose – 25 · 28
  • Schlegel, Friedrich – 12
  • Schliesser, Karl-Heinz – 5 · 9 · 10
  • Schlüter, Ellen – 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 19 · 20 · 29
  • Schlund, Hans Hermann – 5 · 6
  • Schmadalla, Renate – 35
  • Schmale, Helmut – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Schmatz, Ferdinand – 18
  • Schmeiser, Rudolf A. – 5 · 6 · 8
  • Schmelmer, Helmut – 14 · 19 · 20 · 21 · 26 · 28
  • Schmid, Erhard – 4 · 6
  • Schmid, Nathalie – 25 · 28
  • Schmidt, Kathrin – 15 · 18 · 22 · 27
  • Schmidt, Matthias – 9 · 10 · 11 · 13
  • Schmidt, W. F. – 8
  • Schmidt, Werner Helmut J. – 8
  • Schmitz, Franna – 9
  • Schneider, Karla – 4 · 7
  • Schneider, Thomas – 9 · 10 · 11
  • Schneiderhans, Hans – 19 · 20 · 29
  • Schnettler, Gabriele – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 14 · 19 · 21 · 25 · 26
  • Schnetz, Peter 3 · 5
  • Schnurr, Kurt – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 23 · 25
  • Schöfer, Erasmus – 21 · 25
  • Schördling, Lutz – 9 · 10 · 11
  • Scholz, Ferdinand – 14 · 17 · 19 · 21 · 27
  • Scholz, Kajo – 13
  • Schoof, Renate – 24 · 25 · 27 · 28
  • Schrader-Taschenberger, Gisela – 4 · 8
  • Schramm, Heinz – 1 · 2 · 3 · 4
  • Schreiber, Karl-Heinz – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 13 · 15 · 19 · 27 · 28
 
  • Schreiber, Wolfgang – 5
  • Schrey, Helmut – 5 · 7
  • Schröder, Karen – 15 · 19
  • Schröder, Peer – 10 · 11 · 12
  • Schröpfer, Landfried – 19 · 21 · 25 · 28
  • Schröter, Heinrich – 1 · 2 · 3 · 4 · 10
  • Schroeter, Nikolaj B. – 3 · 4
  • Schubert, Jutta – 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 20 · 21 · 23 · 28 · 29
  • Schuemmer, Silke Andrea – 15 · 18 · 19
  • Schüren, Hermann-Josef – 4
  • Schüürmann, Eicke – 1
  • Schulreich, Ekkehard – 9 · 10 · 11
  • Schults, Adolph – 16
  • Schulz, Tom – 20 · 21 · 24 · 27 · 28 · 29
  • Schwab, Gustav – 12
  • Schwab, Rich – 24
  • Schwedes, Johanna – 27
  • Schweinar, Robert J. – 5 · 6 · 7 · 8
  • Schwöbel, Hans-Peter – 4
  • Sczesny, Christian – 56
  • Seeger, Ludwig – 16
  • Seeger, Thomas – 10
  • Seemann, Karl – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19
  • Seger, Marianne – 7 · 8 · 9 · 10
  • Seidl, Leonhard – 45
  • Seifert, Jörg – 25 · 27 · 28 · 29
  • Seiler, Lutz – 14 · 18
  • Seitz, Angelika – 3
  • Sellke, Signe – 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 28
  • Semmler, Horst-Ulrich – 4 · 5 · 6
  • Seul, Michaela – 78 · 9 · 10 · 11 · 14 · 15
  • Shaheen, Amir – 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Shayegi, Mikal Numa – 28
  • Sielaff, Volker – 27
  • Siepmann, Helga – 3 · 4
  • Sihn, Ilse – 347
  • Silesius, Angelus – 19
  • Sinn, Susanne – 29
  • Skudlarek, Jan – 28 · 29
  • Smets, Heike – 19 · 21 · 25 · 28
  • Sölle, Dorothee – 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 21
  • Sonntag, Gerd – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Speer, Uli – 28 · 29
  • Spervogel – 19
  • Sprenger, Barbara – 4
  • Sprenger, Werner – 4
  • Staab, Franz – 13 · 14
  • Stadler, Ernst – 24
  • Stahl, Enno – 20 · 21 · 22 · 24 · 25 · 27
  • Starcke, Michael – 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Stauffer, Robert – 6 · 8 · 9 · 10 · 12 · 15 · 17 · 20
  • Steigenberger, Armin – 25 · 27 · 28
  • Stein, Charlotte von – 12
  • Stein, Ferdinand – 19 · 21 · 27 · 28 · 29
  • Stein, Jörg – 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Steinbrecher, Elena Laura – 27 · 28 · 29
  • Steinbrück, Lutz – 28 · 29
  • Steinherr, Ludwig – 5 · 6 · 9 · 10 · 11 · 25
  • Steinhofer, Meinolf – 3
  • Stelling, Jürgen – 4 · 7 · 20
  • Stephan, Peter M. – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 19 · 21 · 28
  • Stermann, Arndt – 11 · 13
  • Stingl, Kiev – 18 · 19 · 21 · 25
  • Stöhr, Franz-Michael – 8
  • Stolberg, Graf zu – 12
  • Stoll, Karl-Heinz – 47
  • Stolz, Rainer – 26 · 27 · 28 · 29
  • Stolz, Rolf – 12 · 13 · 14 · 15 · 20 · 25 · 26 · 27
  • Storm, Theodor – 12 · 19
  • Storz, Bernd – 1 · 2 · 5 · 6
  • Stramm, August – 12 · 19 · 22
  • Strasser, Johano – 21 · 23
  • Strobelt, Rainer – 12 · 13 · 14 · 15
  • Strodtmann, Adolf – 16
  • Stromszky, Lisa – 3 · 4 · 5 · 6 · 7
  • Stüwe, Rüdiger – 21 · 28
  • Sturm, Karsten – 7
  • Suhr, Erika – 3 · 4 · 5 · 7


20  Tag · Takt · Tausendfüßler · Tiere · Titel · Trinker · tiptop · Triesen

dass Tiere bilderbuchreif oder wie
aus dem Werbeprospekt einer Sekte um uns herum
schleichen mit einem Lächeln auf den Lippen Lippen
dass wir nicht aufhören uns langsam langsam

Kerstin Becker


Während ich am Morgen des 5. September 2011 über Words, like nature, half reveal and half conceal the soul within (Alfred, Lord Tennyson) sinniere, kommt die Post, und ich fische Judith Schalanskys Bildungs­roman Der Hals der Giraffe aus der Verpackung. Auf dem natur­leine­nen Cover ist neben Autor, Titel und Verlag (Suhrkamp) die Rönt­gen­auf­nahme einer Giraffe ohne Kopf zu sehen, die Tennysons Diktum auf merkwürdig be­eindru­ckende Art und Weise bestätigt. Ich lege das Buch zur Seite, greife zu Versnetze_vier und begebe mich auf die Suche nach den Tieren. Wo ist Die Made, wo Der Panther, wo The Raven im Jahre 2011, und – taucht gar eine Giraffe auf? Frappierend, gleich im ersten Gedicht der Antho­logie – im landhund­geheul: nirgends – bietet Andrea Brincker Tiere in üppiger Fülle:

& ich sitze dort am fenster und ich werde
den hund sehn, seinen aufgedunsenen körper
im leeren rattenloch [kein ausstellungsthema]
verlassne hütten in schuppen/schichten
die tote katze unterm blechdach, sie hätte
doch man zierte sich

Tatsächlich, da ist ein Panther. Ich entdecke ihn auf auf Seite 35 in einem Gedicht von Bertram Reinecke. Zuvor begegne ich Korallen · Säugetieren · Insek­ten · Zi­kaden · Schildköte und Möwe. Im weiteren, über weite Strecken auch immer wieder tierarmen Verlauf bevölkern Hummel · Reh · Schwan · Imme · Tapir · Süß­was­ser­fo­rel­le · Schwalbe · Kinder­schaf · Eintags­fliege · Amselin · (Men­schen-)Af­fe · (Frosch-)Kö­nig · Ziege · Tanzbär · Zwerch­kanin­chen · Kranich · Pirol · Tucan · Rohr­dommel · Bussard · Bär · Kolkrabe · Mond­fisch · totes Tier · Spinne · Kuckuck · Haustier · Adler · Larve · Maulwurf · Käfer · Tausend­füßler · Zebrafisch · Einhorn · Nashorn · Biene · Meise · Zebra · Hahn · Turtel­taube · Nachtigall · Schlange · Wolf · Spiegelflügler · Kuh · Kniekehlchen · Gecko · Reiher · Lachs · Laich · Drossel · Eule · Libelle · Kolibri · Rind · Schäfer­hund · Taube · Schmetterling · Sperling · Termite · Giraffe · Eber · Löwe · Fisch · Vogel (Vöglein · Vögelchen) · Meer­schwein­chen · Schnecke · Nerz · Krähe · Kaker­lake · Mammut · Archaeop­teryx · Jura­vena­tor · Pythia · Wacholder­drossel · Raben­krähe · Hering · Silberfisch · Krokodil · Schaf und Kanarien­vogel in immer wieder verblüf­fenden Konno­tationen, Kontexten und Korre­spondenzen unter der Aufsicht des Tier­bändigers in Frank Schablewskis Gedicht den Versnetze_vier-Zoo.

Triesen

Geruch gärenden Geldes, verdächtige Kühe. leise
Gesten des Steinbrechs. die Hügel führn den Tag
hinters Licht auf lauter Straßen. am Kreisel küssen
sich, in Anfällen limegelben Widerscheins, recht

leidenschaftslos die Busse. geschlendert wird nicht
die Straßen sind lang, mit querverlegten Horizonten
alles so wohlbetoniert. so im Takt. die frühen Trinker
im Café: aus den Poren der Zeit gepreßte Bauern

deuten sie auf die Vorgärten: tiptop gepflegt
deuten sie auf den Himmel: der hängt an der Dialyse
deuten sie auf die Jugend: die dort skatet, tiefe Züge

inhaliert vom ewigen Frittierfettdunst des McDrive
wie die Jugend in aller Welt, auf den beschlagenen
Bildern unserer geliebten Überwachungskameras

Stan Lafleur


Taefler – Tuckermann
  • Taefler, Karl – 4 · 5
  • Tänzer, Gerhard – 4
  • Tank, Marita – 9 · 10 · 29
  • Taschau, Hannelies – 24
  • Tauber Rouzade, Beate – 1
  • Taubitz, Monika – 29
  • Taufiq, Suleman – 22
  • Teicher-Maier, Ursula – 4 · 6 · 14
  • Terli, Ahmet – 5 · 6
  • Teuschl, Rainer – 11
  • Thelen, Dorothea – 4 · 5
  • Thenior, Ralf – 24 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Theobald, Olivier – 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6
  • Thies, Wilfried – 4
  • Thomas, Marion – 4
  • Thomas, Marita – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23
  • Thomas-Roos, Dalila – 6 · 7
  • Thormählen, Axel – 4 · 5 · 6
  • Tieck, Ludwig – 12
 
  • Tobatzsch, Stephan-Lutz – 1 · 2 · 3 · 4
  • Toller, Ernst – 23
  • Tondern, Alf – 5 · 6 · 7 · 8 · 9
  • Tonfeld, Michael 5
  • Török, Imre – 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11
  • Tran, Thien – 27
  • Trakl, Georg – 12 · 19 · 22
  • Trautsch, Asmus – 29
  • Trede, Helle – 14 · 15
  • Treitzschke, Max – 5 · 6
  • Trelenberg, Thorsten – 21 · 23
  • Trinckler, Gabriele – 19 · 20 · 21 · 22 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Tripp, Anton – 4
  • Troppmann, Artur – 4 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 14
  • Tscherning, Andreas – 19
  • Tucholsky, Kurt – 12
  • Tuckermann, Anja – 6 · 7


21  Uhrzeigersinn · Ulysses · übergroße Übertreibung

Auch die Leidenschaft für Gedichte
ist eine maßlose Übertreibung der Gefühle.
Gerd Sonntag


So what? Ich lebe schließlich nur einmal, und bei all den Kümmernissen des Daseins, die mich immer und immer wieder herunterziehen wollen (wohin, frage ich mich, wohin), genehmige ich sie mir, dreimal täglich, wenn's sein muß, gern aber auch rund um die Uhr, diese „maßlos übertriebene Leidenschaft für Gedichte“. Ich gönne mir ja, ehrlich und Hand aufs Herz, sonst nichts (außer der vergleich­baren Leidenschaft für Romane). Nach der Lektüre von Versnetze ist es wieder soweit, und Mrs Columbo kommt angerast, um zu sehen, was denn nun schon wieder los ist.

officer

ulysses mit der weichen handschrift streut zucker auf den cappuccino.
im uhrzeigersinn sinken die kristalle in die haube von schaum.
übergroße braune tasse. ist er denn nicht im dienst
wie kann er sich ritual leisten & das vor allen leuten.

zuhause die klamme wäsche. sein trockner funktioniert nicht,
stromausfall. aber zurück wünsche er sich nicht. endlich sei der hund
gefangen. die lautstärke, wenn er tobte. habe sich im dorf aufgehalten
bei cousins. ja, das sehe denen ähnlich.

einer schneeflocke beim schmelzen auf meiner fingerkuppe zusehen.
beistehen bei der auflösung einer komplizierten form in einfacher,
überall erhältlicher wärme.

ulysses sucht die ausländische frequenz, eine art muezzin ertönt.
leiergesang auf die kaputte stadt, in die wir nicht mehr kommen.
ulysses wischt sich schaum aus dem schnurrbart.

Vesna Lubina


Uebbing – Utler
  • Uebbing, Helmut – 4
  • Ücüncü, Sadi – 5
  • Ueckert, Charlotte – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 20 · 21
  • Ünver, Beate – 25 · 27 · 28 · 29
  • Uhlenbruck, Gerhard – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 15
  • Uhrland, Charlotte – 5 · 6 · 7 · 8
 
  • Ullmann, Günter – 8 · 9 · 13 · 19 · 20 · 25 · 26
  • Ullmann, Marianne – 5 · 7 · 8 · 10 · 13 · 15 · 19 · 21 · 26 · 27 · 29
  • Ullrich, Horst – 9
  • Umbricht, Clemens – 12
  • Umminger, Walter – 3 · 4
  • Urweider, Raphael – 18
  • Utler, Anja – 18


22  Versnetze_vier · Vernetzung · Verbindung · Vorlauf · Vorwort

Der Vernetzungsgrad berechnet sich, indem die Zahl der Inter­aktions­partner und damit der über­haupt mög­li­chen Inter­aktionen zur Zahl ihrer tat­sächli­chen Inter­aktionen in Beziehung gesetzt wird.

Wikipedia


Versnetze_vier schafft großräumige Verbin­dungen im deutschen Sprachraum und darüber hinaus: Die Ver­netzung der Gene­rationen und Regionen ist wieder, jeweils mit dem jüngsten Autor begin­nend, großräumig nach Postleit­zahl­bereichen vor­genom­men worden – vom Osten (0/1) über den Norden (2/3), Westen (4/5), Südwesten (6/7) bis in den Süden bzw. Südosten (8/9). Das finale Versnetz „Kleiner Grenz­verkehr“ enthält neue Gedichte von deutsch­sprachigen Lyrikern aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Finnland und den USA. (Axel Kutsch · Vorwort zu Versnetze_vier)

vorlauf

im vorlauf aller wege
rückwärts nach rom
spur der steine
liegen gleise blind in gräsern
bodengeländer eines marsches,
im sucher des nachtsichtgeräts
zeigt die infrarotstrahlung
das kommende futur
geflickte zunge
nächster track

Elke Cremer


Vallaster – von der Vring
  • Vallaster, Günter – 27 · 28
  • Végh, Andrea Silvia – 8
  • Velser, Ruth – 14 · 15 · 19 · 20 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Velte, Olaf – 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Verbeek, Ludwig – 11 · 13 · 14 · 19 · 20 · 21 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Verlaguet-Anschütz, Waltraud – 1 · 2 · 3 · 4
  • Verweyen, Margarete – 4 · 5 · 6 · 9
  • Vogt, Alfred – 9 · 10
  • Voigt, Karin – 5 · 6 · 21
 
  • Volka, Willi – 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 14 · 15 · 19 · 25
  • Völkert-Marten, Jürgen – 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Vortmann, Ludger – 9 · 10
  • Voss, Henrik – 5 · 6 · 7
  • Voß, Johann – 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 27 · 29
  • Vring, Georg von der – 12


23  Wir · was · Wasser (wahrhaft wahnhaft Wunderlich) · Wörter · Wörter · Wörter

Was für ein Wort / soll es sein?
Ulla Hahn


Keinmal taucht das Wort Kastanie in Versnetze_vier auf, Kiesel dafür sieben­mal. Auf der fortge­setzten, immerwährenden, unaufhörlichen Suche nach den klin­genden, laut­malenden sin­genden, sum­menden („usw.“) Wörtern · Wörtern · Wörtern in Gedichten, werde ich auf den 330 Seiten von Versnetze_vier immer­fort fündig, stelle 24 (uralte · brandneue) Wörter an dieser Stelle aus: Asche­zeit · Brause­pulver · Cocktail · Drossel­schmiede · Erdreich · Finger­knöchel · Gespens­ter­birke · Haar­büschel · Implosion · Junischnee · Knospen­knall · Lippen­schneise · Muschel­scherbe · Nadel­kissen · Opfer­stein · Plüschsessel · Queck­silber­säule · Röhricht · Son­nen­unter­gangs­augen · Taudt­ten­schtülle · Unzu­gäng­lich­keit · Vogel­stimme · Wol­ken­bruch · Zwangs­beatmung. Und springe nun einfach

Ins Wasser

Du meine Bewandtnis, wir saßen am
Rhein, sprachen ins Wasser und zählten.
Kronleuchter glühten grün am Ufer:
fünfzehn, Kiesel elefantengrau: vier
Hände voll, Arbeitsstunden: zahllos,
Schiffe: den Bauch einst voll mit Römern,
Germanen, Granit, Fleisch oder Holz.
Und welche Bewandtnis hat es mit
den feuerroten Kränen? Sie neigen
sich, sie füllen die Zeit mit Figuren.

Dreißig Kugeln Licht an der Decke,
sagte ich, beschienen dreißig Sprecher
und hundert vorübergehende Papiere
pro Tiger im Saal. Man beugte sich
und schwankte wie die Kräne: Ja, ja,
hin und her! Und welche Bewandtnis
hat es mit Anträgen, Schlüssen, Titeln
und mit den hellen Kugeln? Es waren
Kronleuchter, aber sie konnten sich nicht
durchsetzen. Fielen sie ins Wasser?
Was sollten wir denn tun?

Später der Himmel: als hätte man
Möhren, Malven und Zitronen in Licht
verwandelt, an die Decke geworfen
und wieder hinab ins Wasser, auf dem
Papierschiffe trieben.

Vera Schindler-Wunderlich


Wagner – Wustmann
  • Wagner, Achim – 14 · 15 · 19 · 20 · 21 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Wagner, Friedrich Wilhelm – 22
  • Wagner, Jan – 20
  • Wagner, Thomas – 3
  • Waldmann, Gerhild – 45
  • Walek, Brigitte – 19
  • Wallbaum, Christopher – 5
  • Wallner, Anton – 8
  • Walsdorf, Lothar – 7
  • Walser, Martin – 25
  • Walther von der Vogelweide – 19 · 23
  • Waniek, Heiner – 4
  • Weber, Markus R. – 11
  • Weber, Martina – 25 · 27 · 28 · 29
  • Weber-Bock, Jutta – 25 · 27
  • Weckherlin, Georg Rodolf – 19
  • Wedekind, Frank – 12 · 23
  • Wedler, Reiner – 9 · 10 · 11 · 12 · 14 · 15 · 17 · 23 · 25 · 27 · 29
  • Weerth, Georg – 16
  • Weigoni, A. J. – 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 20 · 21 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28
  • Weiler, Klaus – 8
  • Weinbörner, Udo – 3
  • Weinheber, Josef – 12
  • Weirich, Kriemhild – 15 · 19 · 20 · 25 · 28
  • Weiß, Konrad – 12
  • Weiß, Norbert – 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Weiß, Waltraud – 15
  • Weisse, Christian Felix – 12
  • Weiteder-Varga, Julia – 20 · 27 · 28
  • Wellershoff, Dieter – 9
  • Welten, Ernesto – 4 · 5 · 6
  • Wendelmuth, Sven – 10 · 11
  • Wenzel, Christoph – 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Wenzel, Hans-Eckardt – 29
  • Werf, Fritz – 4 · 14 · 21
  • Werner, Brigitte – 4
  • Werner, Dittmar – 4 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 21 · 25
  • Werthmann, Klaus – 20
 
  • Weßlowski, Hans – 5 · 6 · 7 · 10 · 11 · 12 · 13 · 29
  • Westermaier, Richard – 4
  • Wettreck, Carsten – 4
  • Weymann, Ulla – 8 · 9
  • Wickop, Hanne – 11 · 12 · 13 · 15
  • Widetzky, Leon – 9
  • Wiemann, Gerda – 5
  • Wiersch, Jürgen – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11
  • Wiesche, Heinz in der – 19
  • Wiese, Helmund – 19 · 25 · 27 · 29
  • Wiesebrock, Inge – 3 · 4 · 5
  • Wilden, Patrick – 28 · 29
  • Wildenhain, Michael – 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Wilker, Erich – 8 · 9 · 10 · 14 · 17
  • Wille, Käthe – 9
  • Wimmer, Karl – 4
  • Windecker, Wolfgang A. – 5
  • Windolf, Jens – 8
  • Winkel, Irene – 10 · 11
  • Winkler, Hedwig Maria – 4
  • Winkler, Ron – 21 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Winter, Eje – 5
  • Winzen, Otto – 4
  • Wirz, Mario – 25 · 27 · 28 · 29
  • Wißkirchen, Christa – 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 17 · 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Witte, Jürgen – 10 · 11
  • Witzkewitz, Hans Robert – 11 · 13 · 14 · 15 · 25
  • Wohlfarth, Jürgen – 3 · 4 · 5 · 6
  • Wolf, Uljana – 27
  • Wolter, Jürgen – 4 · 5
  • Wühr, Paul – 18
  • Wünsch, Thomas – 4 · 7 · 8
  • Würth, Anna – 11 · 12 · 13 · 15 · 19 · 21 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Wulf, Michael – 3
  • Wustmann, Gerrit – 19 · 20 · 21 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29


24  Zeit(-Wörter) · Zeiger · Zorn · Zwangsbeatmung · Zwischen Zweigen

Zwischen den Zweigen
erscheint ein Gesicht
und verschwindet für alle Zeit.
Clemens Schittko


Zeit nehmen für den russischen Tee endet meine Michael-Hamburger-Hommage still he is turning. Der amerikanische Lyriker Paul Zimmer empfiehlt: I urge this upon young poets when they ask me: Be patient with your careers and with your poems. It is fatal to rush the process. Leserinnen und Lesern von Versnetze und anderer Anthologien (oder dieses Essays), bei denen dieses Gedicht, jene Gewichtung, dieser Gedanke, jene Grübelei („usw.“) Unmut, Verdruß, gar Zorn verur­sachen wollen, lege ich diese Gutworte ans Herz:

Überlass es der Zeit

Erscheint dir etwas unerhört,
bist du tiefsten Herzens empört,
bäume nicht auf, versuch's nicht mit Streit,
berühr es nicht, überlaß es der Zeit.
Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,
am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,
am dritten hast du's überwunden;
alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Theodor Fontane

Was sind das für Zeiten in der Lyrik 2011! Windige Zeiten, lese ich in Versnetze_vier bei Marcus Neuert, bald ist teezeit bei Vesna Lubina, die Uhren tragen ihre Zeiger durch die Zeit bei Michael Wildenhain, in welche der zeiten / gerieten wir da bei HEL, die Zeit / pfeift / auf den Rollentausch / im Schwarzwald bei Mario Wirz, in Zeiten, / die Welt gemacht ... bei Hans Weßlowski, gewickelt in Die Neue Zeit von gestern bei Christoph Kuhn, und wie die zeit sich verirrt, / zu irren vermag und wir bergen den tag vor der zeit bei Stefan Heuer, Zeichen aus Zeiten in denen das Wichtigste nicht geschah bei Julietta Fix, zeitgleich trafen sich / zum nachmittagskonzil / die stare bei Reinhard Kiefer, kein Schatten wies die Zeit bei Ludwig Verbeek, der Staub ruht für gewisse Zeit bei Tobias Falberg, die Zeitplanung zerbricht bei Sabine Römmer, um diese Zeit fällt draußen Regen bei Adrian Kasnitz, die letzte instanz der zeit schweigt und schickt seine brandung aus bei SAID, sich Zeit nehmen bei Ralf Thenior, ein fein strukturiertes Lichtbild im Zeitraum / der Farbe bei Jürgen Nendza, Die grau verwitterte / Unruhe der Zeit durchsichtig wie eine / Lüge bei Volker Demuth, aus den Poren der Zeit bei Stan Lafleur, obdachlose Zeiten und in dunklen Zeiten bei Horst Samson, beizeiten ableben bei Nikolaus Dominik, erregte Zeiten und am Drehkreuz der Zeit bei Manfred Peter Hein, die Zeit läuft hinter unseren Rücken ab bei Irena Habalik, ich stand als Zeitgenosse für die ZEIT und er war zu sehr an Zeit und Reim gebunden bei Dieter Höss, wir fanden nicht die Zeit bei Raymond Dittrich, die Totzeit aus Zählrate minus / Zukunft bei Barbara Zeizinger, Scheiterhaufen als / Glühendes der Zeit / nachtumkämmt / zwischen Zinne und / Vergiss­mein­nicht bei Otmar Matthes, Zeit alles abzuspeichern bei dag-mar, die Maschen der Raum-Zeit zerriß bei Maximilian Zander, in der die Zeit mich / duldend vor sich schiebt bei Robert Schaus, das gedicht bannt nicht / deine zeit bei Christoph Leisten, und meine Sinne, /die du alle Zeit / betörst mit deinem Scheitel bei Jürgen Völkert-Marten, von urzeitlichem Getier bei Melanie Arzenheimer, termitenzeit bei Rainer Komers, Kerl, sie füllen die Zeit mit Figuren bei Vera Schindler-Wunderlich, im Glast Aschezeit unter den Füßen und zerrinnt die Zeit der Tauben im Nachtregen bei Willi Achten, reden in dieser / beispiellosen Zeit bei Brigitte Fuchs, dreht sich die zeit um bei Andreas Noga, es ist längst Zeit bei Peter H. Gogolin, verflüssigt die Zeit / zu Wasser bei Frank Schablewski. So vergeht, verweht die Zeit beim Lesen der Gedichte, die Axel Kutsch in Versnetze_vier zu einem großen Ganzen versammelt hat. Und indem ich mich, die letzten Sätze schreibend, kaum verharrend, Essay, Lesern adieu zu sagen, in Luft aufzulösen beginne, Namen letztes Wort, weites Feld überlassend, taucht ungefragt, stracks aus dem Nebelnichts, schließlich noch die nun nicht mehr zu beantwortende Frage auf: Ist Leben (Lesen) letzten Endes doch bloß

Täuschung

Dieser Tag war Zwangsbeatmung
war das verlöschende Licht
in den Zweigen, vorm Haus
die Plakate, die Radiostimmen
jodelten weiter: ja wir sind klein
wir leben in unseren Köpfen
dünsten dreimal die Woche
Gemüse – nach dem Verstummen
wurde untergepflügt, roch
weit im Festland seltsam
nach Meer

Danilo Pockrandt


Zaczyk – Zwarg
  • Zaczyk, Fred – 1 · 2 · 3 · 4
  • Zajonz, Stefan – 15
  • Zaman, Holger – 4
  • Zander, Maximilian – 13 · 14 · 15 · 19 · 23 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29
  • Zaplin, Sabine – 9 · 10
  • Zech, Paul – 12
  • Zehner, Waltraud – 3 · 4 · 5 · 6 · 8 · 9
  • Zeizinger, Barbara – 19 · 21 · 25 · 27 · 28 · 29
  • Zelesko, Friederike – 78 · 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 19
  • Zeller, Joseph – 21
  • Zeller, Michael – 4
 
  • Zens, Rosemarie – 29
  • Zielonka, Michael – 15 · 19
  • Zielony, Christof – 7
  • Zillessen, Eberhard – 26 · 27 · 28 · 29
  • Zillig, Helmut – 4 · 5 · 6 · 7
  • Zimmermann, Ulrich – 10 · 19 · 25 · 28
  • Zöllner, Angelika – 7 · 8 · 9 · 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 19
  • Zornack, Annemarie – 10 · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 25 · 26 · 27 · 28
  • Zünder, Joachim – 13 · 14 · 19
  • Zuper, Heidi – 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 11
  • Zwarg, Matthias – 29
 
 
Theo Breuer    19.09.2011    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Theo Breuer
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