poetenladen    poet    web

●  Sächsische AutobiographieEine Serie von
Gerhard Zwerenz

●  Lyrik-KonferenzDieter M. Gräf und
Alessandro De Francesco

●  UmkreisungenJan Kuhlbrodt und
Jürgen Brôcan (Hg.)

●  Stelen – lyrische GedenksteineHerausgegeben
von Hans Thill

●  Americana – Lyrik aus den USAHrsg. von Annette Kühn
& Christian Lux

●  ZeitschriftenleseMichael Braun und
Michael Buselmeier

●  SitemapÜberblick über
alle Seiten

●  Buchladenpoetenladen Bücher
Magazin poet ordern

●  ForumForum

●  poetenladen et ceteraBeitrag in der Presse (wechselnd)

 


americana@poetenladen

Eine Reihe zur US-amerikanischen Lyrik
Herausgegeben von Annette Kühn & Christian Lux

John Berryman
22: Of 1826

I am the little man who smokes & smokes.
I am the girl who does know better but.
I am the king of the pool.
I am so wise I had my mouth sewn shut.
I am a government official & a goddamned fool.
I am a lady who takes jokes.

I am the enemy of the mind.
I am the auto salesman and love you.
I am a teenage cancer, with a plan.
I am the blackt-out man.
I am the woman powerful as a zoo.
I am two eyes screwed to my set, whose blind-

It is the Fourth of July.
Collect: while the dying man,
forgone by you creator, who forgives,
is gasping ‘Thomas Jefferson still lives’
in vain, in vain, in vain.
I am Henry Pussy-cat! My whiskers fly.

22: Von 1826

Ich bin der kleine Mann der raucht & raucht.
Ich bin das Mädchen, welches besser weiß, doch.
Ich bin der König des Pools.
Ich bin so weise, dass mein Mund wurd zugenäht.
Ich bin ein Regierungsekretär & gottverdammter Narr.
Ich bin eine Frau, die Witze über sich erträgt.

Ich bin der Gegner des Verstands.
Ich bin der Autohändler und liebe dich.
Ich bin Jugendkrebs, mit einem Plan.
Ich bin der ausgelöschte Mann.
Ich bin die Frau, so kraftvoll wie ein Zoo.
Ich bin zwei Augen, geschraubt an mein Set, dessen blinde-

Es ist der Vierte Juli.
Tagesgebet: während der Mann, der im Sterben liegt,
und dem du vorausgangen, Schöpfer der vergibt,
ächzt: »Thomas Jefferson lebt«
vergebens, vergebens, vergebens.
Ich bin Henry Pussy-cat! Mein Schnurrbart fliegt.

Übersetzung von Léonce W. Lupette

© 1964 by John Berryman. 2007 by Farrar Straus & Giroux. Eine Ausgabe der »77 Dream Songs« wird bei luxbooks in der Übersetzung Léonce W. Lupettes voraussichtlich 2012 erscheinen.

John Berryman (1914-1972)


Der 1914 in McAlester, Oklahoma geborene John Berryman wird zu den sogenannten »Confes­sionalists« gezählt. Mit diesem Label wurden Dichter der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts versehen, deren Werk durch starke auto­bio­graphische Bezüge gekenn­zeichnet ist. In Deutsch­land bekannte Vertreter sind Sylvia Plath, Anne Sexton und Robert Lowell. Eine Schule oder Strömung des »Confessionalism« im eigent­lichen Sinne hat es jedoch nie gegeben. Berryman stu­dierte an der Columbia University bei dem Dichter Mark van Doren, war befreun­det mit Delmore Schwartz und arbeitete später als Lehrer in Harvard und Princeton. Ein nie verwundenes Kindheits­trauma – der Selbst­mord des Vaters als Berryman 12 Jahre alt war – führte zu lebenslangen Depressionen. In seiner unvoll­endet gebliebenen Auto­biographie »Recovery« berichtet Berryman von drei Ehen, zahlreichen Liebes­affären, jahrelanger Psycho­analyse und einigen Aufent­halten in Entzugskliniken. 1972 nahm sich John Berryman durch einen Sprung in den Mississippi das Leben.

Seine ersten beiden Gedichtbände (»Poems«, 1942 und The Dispossessed, 1948) bestanden aus relativ streng gebauten Gedichten, die sich mit dem Alltag der 30er und 40er Jahre beschäftigten. 1953 erschien das Lang­gedicht »Homage to Miss Bradstreet«, eine Gedichtfolge aus 57 acht­zeiligen Strophen, in der Berryman die erste bekannte englisch­sprachige Dichte­rin Amerikas, Anne Bradstreet, umtanzt, verführt, kritisiert und sich schließlich sogar einver­leibt. Die mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten, äußerst verspielten »77 Dream Songs« machten Berryman 1964 über die Lyrikszene hinaus berühmt. Die Gedichte des Bandes wurden späterhin mit dem 1968 folgenden Band »His Toy, His Dream, His Rest« zusammen­gefasst als »The Dream Songs«. In ihnen porträtiert Berryman einen imaginären Charakter namens Henry, dessen Identität ständig verschwimmt, der von sich selbst in der 1., 2. wie auch 3. Person spricht und ins­besondere im Folgeband starke autobiographische Züge aufweist.

Berryman wird zwar zu den wichtigsten US-ameri­kanischen Dichtern des 20. Jahrhunderts gezählt, gleichzeitig ist er jedoch wie alle als »confessional« bezeichneten Dichter äußerst umstritten.
Bibliographie

Collected Poems 1937-1971 (Farrar Straus & Giroux, 1991)
The Dream Songs (Farrar Straus & Giroux, 1982)
Recovery (Farrar Straus & Giroux, 1973)
Selected Poems (Ed. by Kevin Young) (Library of America, 2004)

Übersetzung

Huldigung für Mistress Bradstreet. Übertragen von Gertrude C. Schwebell. (Hoffmann und Campe, 1967)

Interview mit John Berryman

Paris Review

 

Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen      03.12.2010

 

 
 
AMERICANA
  John Berryman
    Einleitung
1   John Ashbery
  2   Rae Armantrout
  3   Rachel Zucker
  4   Peter Gizzi
5   Jack Spicer
6   Bob Perelman
7   Laura Kasischke
8   Kevin Prufer
9   Frank O'Hara
10   Forrest Gander
11   Matthea Harvey
12   Matthew Zapruder
13   Robert E. Hayden
14   Kenneth Koch
15   Billy Collins
16   Meghan O’Rourke
17   John Berryman
18   Bernadette Mayer
19   Albert Goldbarth
20   Dan Chiasson
21   Charles Olson