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Elke Erbs
Poetics  29  


Überraschend

hat mich eben Friedrich Nietzsche entzückt mit einem Satz, den Fritz Jürß zitiert in Vom Mythos der alten Griechen. Deutungen und Erzählungen. Leipzig 1988:

„Der Grieche kannte und empfand die Schrecken und Ent­setzlichkeiten des Da­seins; um überhaupt leben zu können, mußte er vor sie hin die glän­zende Traum­geburt der Olympi­schen stellen.“

(Das Zitat ist um einiges länger, mit diesem Satz aber beginnt es. (Er ist auch google-geläufig). Mein Interesse an ihm ist ästhetischer Natur, daß er richtig sei, möchte ich, wie man sagt, „dahin­ge­stellt sein lassen“. Aber eben dieses Ver­hält­nis von zweifelhafter Sach­lich­keit und un­zweifel­haftem Ent­zücken ist von poeto­logi­schem Inter­esse.
Die Erfindung „glänzende Traum­geburt“, und wie er sie vor sie hin gestellt habe, und nämlich ja vor Grauen und Greuel, und um über­haupt leben zu können, und wie man das dann im denk­bar Fernen vom Eige­nen aus – ja, nicht wahr? Nein,
jetzt habe ich den schönen kompak­ten Satz aufge­dröselt, auch noch psycho­logi­sierend ver­quast, – streichen!!

Und wieder ihn allein gelten lassen.

Poetologisch entsteht offenbar eine andere Stim­mig­keit, die Recht behält gegen Unstimmig­keiten außer­halb der poetischen Leistung.

Als Dichter andererseits kann ich Nietzsche kaum aner­kennen, habe ich gesehen an seinem hunderts­ten Todes­jahr. Seine Gedicht-Wör­ter leben nicht, trotz aller Bekun­dung, sie sind kaum mehr als ein Möblemang.

Bei den Sprüchen leiden sie weniger, da handelt es sich ja auch lieber um „Spruch­weis­heit“ als um Poesie.

Und plötzlich, irgendwo dazwischen:

RÄTSEL

Löst mir das Rätsel, das dies Wort versteckt:
„Das Weib  e r f i n d e t,   wenn der Mann  e n t d e c k t   – –“

Der Reiz zwischen erfindet und entdeckt ist ein tan­zendes Flämm­chen, nicht wahr?
Auch hier, bei dieser Unter­scheidung – das ist ja offen­kundig! – geht es nicht um die Rich­tig­keit.

Erfinden – erschaffen und ent­decken in einem. Oder besser: ent­decken, indem man er­schafft.

Elke Erb   21.02.2014    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   

 

 
Elke Erb
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