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Elke Erbs
Poetics  37  


Ruth Wolf-Rehfeldt (geb. 1932)


Mühsam
        wachsen
                werdende Strukturen

Ein Spruch wird das werden,
aber er übertrifft die Leistung eines Spruchs,

schon mit dem einfachen Bild der ersten drei Zeilen,
und das Bild vermag, hinunterwandernd,

das so groß-umfassende Wort Strukturen hervorzubringen!

Es wandert im Laut mit dem Stab-Reim wachsen und werdende,
das zweite Wort wächst selbst, folgt man vom ersten aus.

Zugleich sehe ich: es ist nicht Vers-Weisheit, sondern natürlich.
Die „Leistung“ ist ein natürliches Wachsen, intuitiver Natur.

Die Antwort, per Spruchweisheit, gleitet mühelos, aber wie weise!
Wie gekonnt!

Und wieder, wie bei „Leistung“, auch „gekonnt“ ist nicht eigentlich gekonnt,
es verwundert mich,

ich finde das Wort für dieses Wunder an Leichtigkeit, Stimmigkeit nicht,
vielleicht noch einmal – es braucht keine gekonnte Autoren-List.
Der Spruch wird ein Spruch mit:

Doch in eingefahrne Spuren
Gleiten mühlos wir zurück

und wie das „zurück“ mit seinem „ck“
den Stop in Wirkung setzt!

Und zutrifft!
Und mit dem Reim auf "Strukturen"
das Eingefahrene der "Spuren"
vollendet!

Ein zweites kleines Gedicht:

Nichts ist mir eigen
Lausche
Und höre
Schweigen

Wie das schwingt! Und wie schön!
Und anderswo wirkte dieses „Nichts ist mir eigen“,
wirkten diese Wörter, doch gesucht!

Auch das Reimwort „Schweigen“:

Ein „gekonntes“ Gegenbeispiel des scherzenden Christian Morgenstern (1871–1914):

Das ästhetische Wiesel //
Ein Wiesel / saß auf einem Kiesel / ínmitten Bachgeriesel. // Wißt ihr, / weshalb? // Das Mondkalb / verriet es mir / im Stillen: // Das raffinier- / te Tier // tat's um des Reimes willen.

Nein.

Sagt sie etwa: Nichts ist mir eigen,
weil sie hin will zu Schweigen?

Auf einmal gilt beides, real!
Vor meinen Augen stimmt etwas ganz anderes!
Die Wörter, wie nebenher aufgehoben, weil sie herumlagen,
gelten jetzt: Ich höre Schweigen. Und nichts ist mir eigen,

Sehen Sie selbst! Es geht wie von allein, nicht wahr?
Davor steht auf derselben Seite*:

Ich weiß nicht wie
Ich weiß nicht was
Ich fang nur an
Mal dies
Mal das
Und ende


* In dem Buch „Ruth Wolf-Rehfeldt Schrift-Stücke, Typewritings und Ge­dichte“ Verlag Lutz Wohlrab, Berlin 2016.

Elke Erb   09.11.2016    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

 

 
Elke Erb
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