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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 13

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

13

Der Sänger, der nicht mehr singt


Ingo Graf
Ingo Graf
Nach einer kurzweiligen Veranstaltung in Markkleeberg fuhren wir zur Innenstadt. Der Dimitroffplatz war wegen Bauarbeiten gesperrt. Ich saß im Wagen neben dem Sänger, der nicht mehr sang. Es war ein luftiger Sommerabend mit gemächlich anbrechender Dunkelheit. Zahlreiche Laternen beleuchteten die lang sich hinziehenden Absperrgitter. Der vormalige Sänger erkundete eine wenn auch verbotene Durchfahrtmöglichkeit. Seine Frau, Monika Runge, mutmaßte vom Rücksitz her, der Wagen würde von Kameras erfasst. Wegen der Sicherheit des Gerichtsgebäudes und der strengen Verbotsschilder. Unser Mann am Steuer hält vor einem offenen Graben an. Ich steige aus. Guten Abend, Pleiße! Sie murmelt ungerührt vor sich hin. An die hundert Kilometer Sachsen liegen hinter ihr. Vor ihr wartet die Elster mit anschließenden Fremdwassern. Sie zählen zu den ältesten Ureinwohnern des Landes und haben sich daran gewöhnt. Es wird unnatürlich hell. Ich nehm's als Bühnenlicht. Das ist meine Heimat, höre ich mich sagen, und der Sänger erinnert sich seiner früheren Hits. Auf der Seite jenseits des Flusses, der nur noch ein schmaler, sauberer Bach ist, aber den Strom der Gezeiten spielt, versammeln sich Menschen, die zu Menschenmassen anschwellen, das nenn' ich Wunscherfüllung. Ich erkenne jeden einzelnen. Vornedran der hingerichtete van der Lubbe, daneben mein Pseudonym Gert Gablenz, als Schutzengel, der antritt, den Klartext soweit zu humorisieren, dass gelacht werden kann. Er agiert ja immer als Begleit-Sancho: Komm runter von der Rosinante, lassen wir einen bunten Drachen steigen ... Oder gehen wir ein Bier trinken ...

Was wird aus der Szene? Eine Signierstunde in Auerbachs Keller, wo Faust auf dem Weinfass die Treppe runterreitet. Drunten, linkerhand ganz hinten am ersten Tisch saßen wir in den fünfziger Jahren, und Goethes Wolfgang prostete mit. Zur Wende, so hieß das Fest mit unlöblichem Ende, hatte ich ein paar hundert Bücher signiert, im Hauptbahnhof nebenan, hier ist alles gleich nebenan: der Zoo, die Völkerschlacht und B wie Bach und Bloch und Bartholdy (-Mendelssohn), hier werden Veränderungen exerziert und hin und her gewendet, bis die Sanduhr verrinnt. Während wir von alten Zeiten schwärmen, rollt die Erde, unsere Hölle auf Rädern, weiter voran. Plötzlich beginne ich zu deklamieren: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich ... Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden ...“

Aufhören, zischt Gablenz mir ins linke Eselsohr. Ich aber: „Die Freiheit des Glaubens, Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich ... “

Nicht ernstnehmen! ruft Gablenz den Leuten zu. Gerhard dichtete schon früher für die Pfeffermühle. Ich aber lasse mich nicht beirren: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden ... Politisch Verfolgte genießen Asylrecht ... Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen ... “

Es ist mäuschenstill in Auerbachs Keller. Selbst Goethe und sein Faust halten fassungslos die Klappe.

Nehmt's dem Kerl nicht übel, ruft Gablenz. Gerhard ist buchstabengläubig. Es ist weder eine Provokation noch will er euch beleidigen – der Verrückte zitiert nur aus dem Grundgesetz! Er ist erstens ein gebürtiger, zweitens ein vertriebener, drittens ein praktizierender Sachse. Viertens kämpfen wir beide für nichts Geringeres als die humoristische Revolution! Das ist unser unheiliger Ernst!

Es war zu erkennen, hier am Ort würden wir siegen. Und er setzte eins drauf: Noch ist Sachsen nicht verloren ...

Sowas von applaudierendem Gelächter hat es noch nie gegeben.


Der von uns genannte Sänger, der nicht mehr singt, bedankte sich inzwischen per Brief für „unseren literarischen Tanz zwischen Phantasie und Realität“ und fährt fort: „Der stimmlose Sänger tut mal so, als hätte er irgendwas von Deinem weit- und zeiträumigen Schwibbogen über die Pleiße mitbekommen. (Pleiße erscheint auf meinem PC-Monitor rot gewellt unterstrichen. Ich schaue im PC-Duden nach. Der kennt die Pleiße nicht und bietet mir dafür nur Scheiße an, äh. Und der will Deutschland sein? Muss sofort abgeschoben werden!)

Also, wenn zu uns Weißnasen nun auch noch die Gelbhäute und die Rothäute kämen, na das könnte ja eine heiter bunte Mischung werden! Dann brauchten wir ob der demographischen Selbstsabotage keine Angst mehr vor Entvölkerung zu haben und nicht mehr vergebens Energien für selektive Selbstproduktionen nur weißer deutscher Kinder anzustrengen. Und unsere eigenen Rotsocken wären mit den Rothäuten zusammen schon mal eine ganz andere Macht. Würde dann noch der Leipziger U-Bahn- und ICE-Tunnel ausgebaut und unterirdisch am Tausendundixten Tag gar Leipzig, Warschau und Prag – mit Kurzhaltepunkt Dresden – verbinden, könnte Sachsens Glanz in diesem Städte-Triangel wieder so bedeutend werden wie nach Preußens Gloriazeiten mit Friedrichs Reitern und Spionen mit ohne ICE. Aber Sachsens Glanz würde immer noch trügen, denn es hätte seinen Weg vom unseligen Tapetenwechsel zum seelischen Kostümwechsel immer noch vor sich. Nur gemach, auch dann ist Sachsen noch nicht abgesoffen ...

Und siehe da, der nicht mehr singende aber doch fahrende Sänger neben dem Dichter Zwerenz im Auto, das ob des abgesperrten Platzes vor dem alten Reichsgericht zwar erzwungen, dadurch aber wie von selbst für die moralischen Sieger über die Reichstagsbrandfackel namens Göring eine Ehrenrunde drehte, dieser Sänger am Lenkrad bekommt offensichtlich wieder Stimme und noch mehr Stimmung, voller Brechtscher ‚Anmut‘ und ‚Leidenschaft‘ ein Lied anzustimmen von ‚brüderlich mit Herz und Hand‘, von ‚Auferstanden aus Ruinen‘ und ‚Not bezwingen‘ und ‚nicht über und nicht unter andern wolln wir sein ... ‘, ein Lied, das die drei deutschen Emigranten Hoffmann von Fallersleben, Becher und Brecht hymnisch vereint. Er singt es ohne ‚Mühe‘. Aus dem Kofferraum spielt die selbst singende CD zu seinen synchronen Lippen. Man möchte das Plätschern dazu hören, mit dem sich jene Wasser nebenan in die Pleiße ergießen, die tausend Meter weit durch mächtige oberirdische Rohrsysteme vom höheren U-Bahngrund am Bayerischen Bahnhof herunterfließen ...“

Der märchenhaft quicke Briefschreiber, Hartwig Runge aus Leipzig, war unter dem Pseudonym Ingo Graf ein erfolgreicher, geschätzter DDR-Schlagersänger, der sich nach der Wende als Liebhaber einer Nationalhymne gefiel, die er nach der Musik von Joseph Hayden mit Texten der Hoffmann von Fallersleben, Johannes R. Becher und Bertolt Brecht zusammenmixte – ein Kunstwerk mit Sinn und Witz, eine Hymne gar mit Verstand, was bei Nationalhymnen ein Widerspruch in sich ist. Endlich erfand er den explosiven Satz vom Anteil der Arbeitslosigkeit an der Affenwerdung des Menschen, womit er dem sächsischen Sarkasmus klassische Qualitäten verleiht. Zudem greife ich die postmodernen Paradoxien im Brief auf, um sie geschmeidig weiterzuführen. Wer seine schönsten Träume verleugnet, fällt den Angstträumen anheim. Lasst eure Phantasien tanzen. Hier sei unser Geheimrezept verraten, es heißt TRIZ, Theory of Inventive Problem Solving im Englischen, wo es auch mit TIPS abgekürzt wird und am besten als Theorie erfinderischer Problemlösungen erklärt werden kann. Über die ursprünglich vom Russen Genrich Saulowitsch Altschuller vor 50 Jahren in der UdSSR entwickelte, von Amerikanern vervollständigte Philosophie zur Überwindung von Denk- und Lebensblockaden findet sich Näheres im Internet, abzurufen unter TRIZ.

Unser eigenes Copyright betrifft die Innovation per Montage von Tod und Glosse, Fakt und schwarzer Romantik, Autobiographie und Geisterseherei alias Religion, Karl May und Karl Marx, Pleiße und Elbe, Sachsen und China. Es geht ums Erwachen der Sachsen aus ihrem traumatischen Dämmerschlaf.


Ich erinnere mich. Im Jahr 1931, als meine Schulzeit begann, war der Lehrer ein sanfter Mann. Im ganzen Land saßen Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Bürgerliche und Kommunisten in Ämtern und Lehranstalten auf ihren Posten. Die Nazis zogen brüllend durch die Straßen und waren die Bösen. Als das dritte Schuljahr anfing, hielten die Nazis diese Posten besetzt und waren die Guten, Sozialdemokraten gab es nicht mehr, die Gewerkschaft hieß Arbeitsfront und die Kommunisten waren zusammen mit den Juden ganz klar die Bösen. Der Klassenlehrer trug jetzt zum Vollbart die SA-Uniform und zählte zu den überaus Guten, bis er 12 Jahre später spurlos verschwand. Jetzt waren die Nazis wie früher die Bösen und die Kommunisten die Guten. Die Sozialdemokraten wurden auch fast gut. Die Arbeitsfront hieß wieder Gewerkschaft. So war es im Osten. Im Westen freilich waren die Kommunisten jetzt allein die ganz Bösen, die Sozis und Christlichen mal gut, mal böse, je nachdem, wer regierte und wer opponierte und die Nazis waren nie welche gewesen, dafür protzten sie wieder in Ämtern, Schulen und Universitäten.


Wechsel gab es auch in der großen Weltpolitik. Erst waren die jüdischen Bolschewisten der Hauptfeind gewesen, gemeinsam mit Amerikanern und westlichen Plutokraten. Im Osten wurden dann die Nazis und Imperialisten zur Hauptgefahr. Im Westen zitterten stattdessen alle vor den Sowjets, die nun nicht mehr jüdische Bolschewisten genannt werden durften, doch immer noch Marxisten, Kommunisten, Leninisten, Stalinisten. Außerdem gab es Trotzkisten, die waren in Ost wie West verrufen. Die Amis aber waren in einer deutschen Hälfte die absolut Guten.

Inzwischen sind Marxisten, Kommunisten und Trotzkisten weiter böse, doch wurden sie wie in früheren Geschichtsepochen besiegt, bzw. liefen zu den westlichen Guten über, was sie auch gut und tüchtig macht. Der Hauptfeind ist jetzt der islamische Terrorist, der die Guten permanent angreift, so dass er vorbeugend aufgespürt, gefoltert und getötet werden muss, um Ärgeres zu verhüten. Leider ist im Moment etwas unsicher, ob die Amerikaner, die seit 1945 zu den Guten zählen, es auch bleiben wollen. Unser eigenes Glück jedoch ist, dass wir in diesen ewigen Zeitenwenden stets und immerdar den Guten zugehörten. Glück hat auf die Dauer eben nur der Tüchtige.


Der Autor dieses Büchleins las als Kind hinteinanderweg einen Koffer voller verbotener revolutionärer Literatur. Viele Männer, die er kannte, verschwanden in Zuchthäusern und Konzentrationslagern. Andere gingen über die Grenze nach Prag. Der Rest wurde Soldat und düngte die Erde von Stalingrad bis Tobruk oder kehrte zurück und war so irre wie zuvor. Wer das nicht wollte, wurde Kommunist um die Welt zu verbessern und ist nun an allem schuld. Unser Autor studierte auch die Werke postfaschistischer Jungfrauen westlicher Wissensgesellschaften, bis ihn die permanente Konterrevolution so anödete, dass er seine sächsische Urheimat neu entdeckte. Seiner Vergangenheit entkam er dabei nicht. Im Gegenteil. Sie lieferte immer schärfere Bilder. Um die Jahreswende 1944/45 lag er frierend und ziemlich kaputt in der Krankenbaracke der Gefangenen. Kurz vor Mitternacht packten sie ihm, weil kein Platz war, einen großen Kerl an die Seite, dass die Holzpritsche knarrte. Der Mann nahm sein Brotstück mit zitternden Händen in Empfang, zog ein Tuch aus der Tasche, wickelte den Kanten hinein, barg den Schatz im Inneren seiner schmierigen Wattejacke und starb weg, wobei er sich schräg über seinen Kameraden wälzte. Das dauerte vier Stunden.

Am Morgen, als sie den Toten fortwarfen, wandte einer von der Nachbarpritsche ein, die Wattejacke der Leiche berge die gestrige Brotration. Als man sie nicht fand, drohte dem Überlebenden, auf dem der Sterbende gelegen, das übliche Strafmaß – Totschlag mit Holzschuhen. Der Überlebende, der die Nacht hindurch die Last getragen, beteuerte seine Unschuld. Weil der Sanitäter ihm höchstens noch zwei Tage gab, beruhigten die Kameraden sich. Leise sprach der Schwerkranke vor sich hin: Falls ich hier davonkomme, verdanke ich es dem letzten Brotkanten, den ich, trotz drohenden Unheils, verschlungen habe. Zum Dank will ich einem jeden, der noch einmal ein Gewehr in die Hand nimmt, in die Fresse hauen. Das bin ich all meinen verreckten Kriegskameraden schuldig.

Noch im hohen Alter, das er nicht zuletzt einem gestohlenen Stück Brot verdankte, gab er sich alle Mühe, sein Wort zu halten, und mit einer des Höflichen nicht ganz entbehrenden Bestimmtheit nannte er jedes aufrüstende deutsche Land ausdrücklich einen bewaffneten Scheißhaufen mit uniformiertem Geruch. Aber, gibt er zu bedenken, der Mensch darf nicht bloß negativ sein, und so begrüße ich jeden, der nach dem letzten großen Krieg ein anderes Leben zu führen suchte, ein anderes Deutschland zu begründen wagte, und selbst das Scheitern ist noch höher zu schätzen als der unterlassene Versuch ...


Zu meiner Zeit als Lehrling In der Kupferschmiede wurde der forsche Vers zitiert: „Gefährlich ist's, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist den Kupferschmied am Arsch zu lecken, denn da ist Grünspan dran.“ Das parodiert Schillers Glocke. Als ich im belorussischen Bobruisk mit jüdischen Kupferschmieden zusammen arbeitete, die den Krieg bei den Partisanen im Wald überlebt hatten, zeigte sich, sie konnten die schönen Zeilen auf jiddisch hersagen. Mir fiel die Nähe des Jiddischen zum Sächsischen auf, wenn man die weichere Dialektform statt der dunkleren aus dem Erzgebirge nutzte.

Als Kupferschmied reparierte ich in den Crimmitschauer Färbereien oft die Rohrleitungen unter den Bottichen. Die Schmutzarbeit durchnässte den Arbeitsanzug. Die Färbereien und Gerbereien leiteten ihre Abwässer in den Fluss. Das Wasser selbst aber, wurde geflüstert, sei gesund wegen des darin enthaltenen Radiums, in dem zu baden, etwa im Radiumbad Oberschlema, viel Geld kostete. Die schöne Mär nutzte mein Pseudonym Gert Gablenz in poetischer Freiheit dazu, die Pleiße ganz und gar zum Radiumbadefluss zu ernennen. Mag sein, Goethe, Richard Wagner und Karl May, die in jungen Jahren in die Pleiße stiegen, bezeugen die Wahrheit durch das hohe Lebensalter, das sie erreichen konnten, und so darf ich jedem empfehlen, seine Vitalität mit Pleißenwasser zu stärken. Vielleicht wird es längst abgezapft, denn es ist zu hören, der Fluss, Sachsens Lebensader, sei am Versiegen.

In meiner Kindheit kannte ich einen Sprengmeister, dem eine Gesichtshälfte fehlte, die versehentlich mit weggesprengt worden war. Von der Nachbarin befragt, wie sie ihren so verunstalteten Mann aushalte, antwortete die Frau, er sei angenehmer und liebenswürdiger als alle Vollmondfratzen. Als ich das hörte, blickte ich argwöhnisch in den Spiegel. Das Wort Vollmondfratze besaß für mich eine so eigentümliche Sprengkraft wie der Anblick des halbgesichtigen Sprengmeisters. Ich zählte etwa zehn Jahre, war meist hungrig, begann aber am Essen zu sparen, so dass meine Mutter besorgt nachfragte. Ich will kein Vollmondgesicht werden, sagte ich. Das erschreckte sie. Nach einer Weile begann ich wieder normal zu essen. Alle Ängste, die das Wort mobilisiert hatte, demobilisierte ich auf den Einspruch jener zweiten Person hin, die ich als Zwilling in mir beherbergte und später als mein Pseudonym offiziell anerkannte. Selbstverständlich waren für uns alle Parallelflüsse der Pleiße von der Mulde bis zur Chemnitz radiumhaltig, womit die Anlieger, ohne es zu wissen, über ein seltenes Lebenselixier verfügten, dessen Wirkung einem allgemeinen sächsischen Volkscharakter zugeschrieben wird, obwohl sie von den Eisenerzen herrührt, die den Bergen eingepflanzt wurden von einer Natur, die es mit der dortigen Bevölkerung gut meinte. Erst als die Sowjetmenschen für ihre Bombe nach Uran gruben, reagierte Mutter Natur mit Unmut. So ging das ganze Land übern Jordan. Seitdem ist Uran perdu und Radium, auch Radom genannt, wieder gefragt. Auf also in die sächsischen Radiumbäder.


Übrigens, da die Pleiße über die Elster in die Elbe fließt, liegt Hamburg auch an der Pleiße wie Berlin an der Pleite. Und weil die weiland DDR für mich ein Groß-Sachsen war, das ich ab 1957 nicht mehr betreten durfte, was meinen pleißenländischen Widerspruchsgeist stimulierte, kann ich heute den Klein- wie Großsachsen nur raten, es diesmal besser zu machen und sich gleich mit China zu verbünden

Am Montag, den 10. Dezember, erscheint das nächste Kapitel.

Gerhard Zwerenz   03.12.2007   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen  empfehlen

Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz