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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | 83. Nachwort

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coinci­dentia opposi­torum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

  83. Nachwort

Deutsche, wollt ihr ewig sterben?



 


Der Konter­revolutions­pro­fes­sor redet gern vom Ster­ben
statt vom Leben
GZ in Ossietzky – 19. 2. 2005




Der Sachse Nietzsche, nahe Leipzig auf einem historischen Schlachtfeld mit ange­schlos­sener Kohlen­grube gebo­ren und begra­ben, hielt sich häufiger in Thüringen und weitab außer­halb auf. Richard Wagner erboste sich in Leipzig über den Musiker-Kol­legen Mendels­sohn-Bartholdy, ver­suchte sich in Dresden als Revo­lutionär und wurde endlich im frän­ki­schen Bayreuth mit bayerisch-könig­lichen Piepen zum teuto­nischen Opern­helden für ver­zwickte Sing­spiele der oberen Klassen aller Epochen und Zeiten. Lessing, in Kamenz gebo­rener Fürs­ten­schüler zu Meißen, fand sein spär­liches Ein­kommen als Nordlicht von Hamburg bis Braun­schweig. Alle loben ihn, keiner liebt den frühen Dekon­strukteur, ein Frei­maurer eben, allen Haupt­pasto­ren ein Greuel und auch noch aus der säch­sischen Lausitz. Die Reihe sächsi­scher Aus-Reiser – Ausreißer – ist lang. Nur Karl May blieb zwischen Pleiße, Mulde, Elbe ein­heimisch, verlegte seine Romane in ferne Länder und folgte ihnen später, um zu beweisen, er sei überall schon vor­her dagewesen. Um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zubeugen, der riesen­hafte Denkmals-Kopf in Chemnitz zeigt statt des gebür­tigen Nachbarn Karl May den Wessi Karl Marx, der in Sachsen nicht so viele Leser fand wie Karl May, aber doch so viele, dass die Kon­zentrations­lager bald nicht mehr ausreichten. Exoten waren beide Karls. Hitler las Karl May, als er den Marxisten Thälmann in Buchen­wald er­morden ließ, was Stalin erlaubte, den Winnetou zu spielen: Rache für meine Blutsbrüder, die er selber dazu opferte.
  Der geopolitische Mittelpunkt Sachsens ist Leipzig, weshalb die Pleiße, an deren Oberlauf schon Bebel, Wilhelm Lieb­knecht und Rosa Luxemburg Wahl­kämpfe gewannen, weshalb die Pleiße durchaus noch nach Leipzig fließt und dort zu Bette geht, weil Elster und Elbe sie zur Nordsee mitnehmen. Wir beschließen unsere eiszeitliche Vor­geschichte und kommen zum wunden Punkt. Sachsen war der Reihe nach Preußens Ärgernis, sozial­demo­kra­tisches Muster­land mit KPD-Konkurrenz-Zentren, Mutsch­manns Kolonie und endlich die eben­so endliche DDR. Seit 1990 der an­gestaute Freiheits­durst auf der Straße gestillt werden durfte, tritt das Land gehorsam auf der Stelle, von wo aus Scharen ein­geschwärz­ter Polit-Lili­putaner in der Abend­sonne lange Schatten werfen und partei­geschäftig be­haup­ten, es sei die Morgen­sonne – Mor­gen­wonne. Tat­sächlich sind es letzte strah­lende Wismut-Halden.
  So etwa könnte heute ein liebens­würdiges Sachsen-Buch beginnen. Als Auslands-Sachse ziehe ich den pluralen Blick vor. Schließ­lich verbrachte ich nur ein Viertel Lebens­zeit im Lande und den Rest in Belgien, Holland, Frankreich, Italien, Sowjetunion, Irland, Berlin, Köln, München, Frankfurt/Main, Offenbach/Main. Wir schauen in unsere Materia­lien und finden vom 8.11.1988 zwei Presse­meldungen der FR und der Münchner Abend­zeitung.




Offensichtlich agierten wir kurz vorm Ende der DDR so kritisch wie friedens­bemüht. Nun blicken wir heute vom Hochtaunus aus hinab Richtung Main-Ebene, von wo das Druck­papier-Fossil FAZ eben frisch herauf­geschleudert wurde. Zeit also für Morgen­lektüre. Die Herrschaftszeitung weint wiedermal Krokodilstränen wegen der Frank­furter Rund­schau und deren andauern­dem Abstieg vom links­liberalen Welt­blatt zum klein­kali­brigen Regional­anzei­ger. Tatsäch­lich ist die FR mit ihren allerlei Wechseln und Wand­lungen der Besitzer, Heraus­geber, Komman­deure und Redak­teure längst keine ernsthafte FAZ-Konkur­renz mehr. Dabei war die FR mal unser Hausblatt, in dem linke Autoren sich artiku­lieren durften, wenn auch mit kleineren oder größeren Kon­flikten.

Büchner-Monolog-Rezension
Der Tagesspiegel
vom 17.12.1975
Zoom per Klick

Meine eigenen Abenteuer mit der FR und ihrem explo­siven Chef Karl Gerold sind im 21. Nachwort auf­geblättert: »Von Frankfurt übern Taunus ins Erz­gebirge.« Anfang 1991 verär­gerte mich unser Freund Wolfram Schütte, eine sonst glückhaft kluge Feder im FR-Feuil­leton, mit der Behaup­tung, wir seien in der Kriegs­frage Ver­sager gewesen. Meine Antwort erschien am 2. März 1991 auf der Leser­brief­seite. Bevor ich sie als Beleg hier anfüge, sei noch aus­drücklich auf die Jahreszahl 1991 hinge­wiesen – ein Jahr nach der – nun ja – Verei­nigung. Zuvor gab es in Frank­furt/Main und seinem Umland eine plural-linke Atmo­sphäre ohne Aus­gren­zungen. Hes­sen galt wegen der Süd­hes­sen-SPD als links, der HR war als Rotfunk aktiv und verschrien, heute agiert er als Schwarz­funk, die Grünen ent­standen links­lastig und pazi­fistisch aus kleinen Stra­ßen­protest-Ver­hält­nis­sen, ich durfte im Offe­nbacher Theater 1975 sogar meinen Monolog: Die Rede des Georg Büchner vor der Darm­städter Aka­demie für Sprache und Dich­tung anlässlich seiner Ab­leh­nung als Büchner-Preis­träger auf der Büh­ne erleben. Regie Peer Raben mit Volker Spengler als Georg Büchner. Das Stück gab es noch Jahre danach an die 100mal zu sehen von München über Düssel­dorf bis West­berlin. Im Berliner Tages­spiegel erschien 1975 eine enthu­siasti­sche Rezen­sion: »Zum Schluss nach fünf Vier­tel­stun­den, von denen jede Minute durch dar­stel­leri­sche Inten­sität beglau­bigt ist … sinkt er wieder zurück in die Gruft. Der Ring hat sich geschlos­sen. Zwerenz / Büchner / Speng­ler haben, insze­nato­risch von Peer Raben ingeniös betreut gesagt, was zum Thema zu sagen ist, und nun fehlt bloß noch, dass die Darm­städter Aka­demie über ihren eigenen Schat­ten springt und dem Büchner-nahen Zwerenz den Büchner-Preis verleiht.« Heute scheint Büchner nur noch zum Totfeiern da – Zeitge­mäßes Motto: Krieg den Hütten – Friede den Palästen.
 Hier nun also meine Antwort vom 2. März 1991 an die Frankfurter Rundschau:


Das war die Situation im ersten Jahr nach dem frisch instal­lierten größeren Deutsch­land. Schon bald bröckel­te die Anti­kriegs­front. Zwanzig Jahre später will das Volk zwar immer noch nicht in die Schlacht ziehen, doch die Elite lässt schießen. Inklusive ihrer Provinz­matadore. Zum Beispiel im Hessischen Landtag, wo die CDU der kleinen Links­fraktion mal wieder System­feind­schaft vorwirft, weil diese fürchter­lichen Staats­feinde zum Ver­mindern der Lärmbelästigung »mehr Züge als Flüge« fordern. Die CDUler verlangen »volle Solidarität« mit »unserer Fuß­ball­mann­schaft«, Mitsingen der Hymne samt »Stolz auf unser Vater­land« und alles, was von 1945 bis 1990 als chauvi­nis­tischer Schwach­sinn er­kannt worden war. So ändern sich die Zeiten Richtung neuer Un­zeiten. Man ist wieder siegreich. Bleiben wir im ver­balen Raum der Politik. Sozial­demo­kraten, Sozia­listen, Kom­munis­ten – diese Dreier­grup­pe ließe sich mit Le­ninisten, Trotz­kisten, Stali­nisten u.a. noch unend­lich fort­führen, wobei Doppel­packun­gen vom freund­lichen demo­krati­schen Sozia­lismus bis zum feind­seligen National-Sozia­lismus reichen können, mit dem Hitler so verlogen wie propa­gandis­tisch erfolg­reich argu­men­tierte, während die Nachfolger damit seine linke Herkunft behaupten. Im Klar­text: Von der Sprach-Logos-Philo­sophie des Aristo­teles aus­gehend sind alle Formu­lie­rungen dekon­struier­bar. Als Urkonflikt bleibt allein die Front­stellung Krieg – Friede. Der verbale Rest ist Politik, in der sogar ab und zu ein paar neue Erkennt­nis­se anfallen. Am Tag nach der Linken­beschimp­fung in Wies­baden meldet die gleiche Zeitung mit aller Sorgfalt: BKA distanziert sich von NS-Seilschaften. Man staunt und erfährt, zu Zeiten des BKA-Präsidenten Paul Dickopf waren in dieser Behörde von 47 Füh­rungs­posi­tionen 33 mit ehe­maligen SS-Mit­glie­dern besetzt. Kein Wunder, Dickopf war selbst SS-Mann. Was sagen unsere Partei-Christen dazu? Ihr glorreicher Vormann Alfred Dregger war übrigens NSDAP-Mitglied. In Kürschners Volks­hand­buch Deutscher Bundes­tag – 13. Wahl­periode wird das so unver­froren wie frech verschwiegen. Es wurde erst verspätet durch die hessischen Links­fraktion zu Tage gefördert – so unver­froren sind sie eben, diese dikta­torischen System­feinde

In einer Besprechung von Erwin Strittmmatters Tagebüchern 1945-1974 verweist der Rezensent im nd vom 25.6.2012 auf die unter dem 30.5.1972 notierten Selbst­mord­gedanken Stritt­matters und zitiert dessen nach­folgende Sätze:»Wenn ich jetzt aus der Partei austreten würde, wonach mir ist, weil ich die letzte Zeit meines Lebens gern außer­halb einer Sekte zubrächte … würde ich lange Zeit nicht schrei­ben können … Niemand wäre geholfen. Wieder würde sich zeigen, dass jedes Prinzip tödlich ist.« Die seltsame Koppelung wird noch verstärkt durch die Fort­führung des Rezen­senten:»Das bit­terste Fazit! (Wohl auch das Stephan Hermlins, Heiner Müllers, Christa Wolfs, Volker Brauns … Selbst eines Hermann Kant, einer Anna Seghers.)« Das bedeutet also, die nam­haf­testen DDR-Autoren seien aus Angst davor, nicht mehr schrei­ben zu können, vor dem Partei­austritt zurück­ge­schreckt, obwohl ihnen die »Sekte« (Stritt­matter) zum Halse heraushing. Die enga­giertes­ten Schrift­steller hatten also die SED satt, lange bevor sie zugleich mit ihrem Staat 1989 unter­ging. Als einer, der nicht austrat, sondern ausge­tre­ten wurde, verfüge ich über andere Erfah­rungen. Ich er­frechte mich einfach, vorher wie nach­her mit Kopf und Bauch lebens­bedürf­tig zu sein. Kampf aktiviert, wenn du kein devoter Lohn­schreiber bist.

Manfred Coppik (2. von links) und Gerhard Zwerenz (rechts im Bild)

Ich greife zurück auf ein Foto aus der 38. Folge, auf dem rechts neben mir per Rück­ansicht Ingrid zu sehen ist und wir beide 1975 Manfred Coppik, dem damaligen SPD-MdB gegen­über sitzen. Wahlkampf­hilfe für die SPD? Coppik mal drin in der Partei, mal draußen, dazwi­schen PDS, heute Links­partei – es gibt plural-univer­selle Charak­tere, die sich weder von den Mächti­gen noch ihren Schaum­schlä­gern be­ein­drucken lassen. Übrigens verstand ich mich gern als DDR-Schrift­steller im Ausland und finde, am besten gegen Suizid­gedanken helfen Oppo­sition, Wider­stand und atta­ckierende Über­lebens­phantasien wie Ziethen aus dem Busch.

Talkshow in Bayern 3 am 20.9.1991, die Sendung Nachtclub moderiert von Brigitte Seebacher-Brandt zum Thema: Nation ohne Selbst­bewusstsein? Die (neue) Rolle Deutsch­lands in der Welt. Es ergab sich ein munterer Dialog zwischen Arnulf Baring und Gerhard Zwerenz über Barings Forderung, der Deutsche müsse »auch zu sterben bereit sein«.
 GZ zu Baring: Sie sollten ehrlich bekennen, dass Sie so etwas sind, was man in Amerika die neue Rechte nennt, die neue intel­lektuel­le Rechte. Sie wollen natürlich nicht zurück zum Nationa­lismus, aber Sie wollen, dass dieses Deutsch­land unter Begriffen wie Selbs­tbewusstsein die Muskeln spielen lässt …
 Baring: Herr Zwerenz, Sie sind leider ein Flegel, Sie sind ein ungezogener –
 GZ: Ja, das muss ich auch sein, weil ich hier eine Mehrheit gegen mich habe, und Sie breiten dann Ihre Ideo­logie noch anderthalb Stunden aus. Dies ist das Programm der neuen Rechten, und Sie haben Schiss, sich dazu zu bekennen, im Gegensatz zu Ihren ameri'kanischen Profes­soren-Kollegen, die sagen, ja, wir haben bestimmte Dinge neu durchdenken müssen, wir haben uns eben zu bestimmten Folgerungen zu bekennen. Also wie – wollen Sie die Bundeswehr nun hin­schicken?
 Baring: Nein!
 GZ: Ja, was wollen Sie dann, wenn Sie sagen, wir müssen selbstbewusst eingreifen, was wollen Sie mit Jugoslawien machen?
 Baring: Habe ich ja gar nicht gesagt. Wenn Sie nicht zuhören und die Leute diskre­ ditieren, sind Sie als Gesprächspartner in einer freien Demokratie ein sehr problematischer Fall –
 GZ: Also weg – weg – Berufsverbot? Das können Sie mit mir nicht machen, ich bin Rentner, da ziehen Verbote noch nicht.

Das Streitgespräch von 1991 kündigt für die Berliner Republik an, was die Neokon­ser­vativen und reli­giösen Fanatiker in den USA inzwischen rea­lisieren. So etwas steht uns zwischen Rhein und Oder für den Rest des Jahr­hunderts bevor, ein Leben im großen Schlag­schatten Hitlers, aus dem seine zivilen Nach­folge­gespenster rekrutiert werden, die Eiserne Garde bürger­lich vermummter Konter­revo­lutio­näre, die sich überall dort breitmachen, wo die Linken und Liberalen mangels Elan ver­sumpfen und ver­siffen und sich scheuen, dem Hass­gesang der kriege­rischen Obrig­keiten wenigstens zu widersprechen. Laut Marx sollte dem Proletariat die Zukunft gehören. Seit 1919 droht sie den Noskes anheim­zufallen.


Arnulf Barings ehrliches Buch von 1981 zeigte den Weg zum Sterben im Krieg. So Otto Köhler in DIE ZEIT. Baring selbst will 2002 in der revolutionären FAZ nun auf die Barrikaden.

Diesen Dialog mit Baring und meine anschlie­ßenden Sätze zitiere ich aus Ossietzky 4 vom 19.2.2005, allwo ich den Kontra­henten einen Konte­rrevo­lutions­pro­fessor nenne. Der Ab­druck in Oss ist so normal wie ein Abdruck in anderen ergo bürger­lichen Blättern unnormal gewesen wäre. Immerhin hatte ich 1991 im Nachtclub noch freiweg von der Seele sprechen können. Im Nachhinein bedenkens­wert finde ich meinen Ver­weis auf die Freiheit des Rentners, der sich keinem normie­renden Druck beugen muss. Im Ein­heits­jahr 1990 wurde ich exakt 65 Jahre alt und hatte die erste Lebens­hälfte im Osten und die zweite im Westen verbracht. Fortan also konnte die Freiheit beginnen. Hier erinnere ich mich an Georg Lukács, der einen schönen Sartre-Satz zu­stimmend zitiert: »Unsere heutige Frei­heit ist nichts anderes als die Wahl des Kampfes, um frei zu werden.« (Über den Irrationa­lismus der Nach­kriegs­zeit) Soviel zur Wahl der Freiheit. Arnulf Baring in Deutschland, was nun? zum Thema:»Überzeugungen und auch ganze Gesellschaften sind nur in dem Maße etwas wert, als man für sie zu kämpfen und auch zu sterben bereit ist …« Der jetzige Bundes­präsident hat sich faktisch dieser Aussage ange­schlossen – Profes­soren und Pastoren ist der Tod jederzeit Anlass für salbungs­volle seifige Reden.
  Ich spreche, obwohl entfremdet, immer noch von Groß-Sachsen, dem Karl-May-und-Karl-Marx-Standort, wo unter König, Kaiser, Sozi, Nazi, Kommunist stetig Rekorde produ­ziert wurden, am Ende war's statt eines 3. Weges die Wismut mit dem bombigen Uran, das ostwärts ging. Das Kapital siegte und degra­dierte den fleißigen Osten zur bloßen Werkbank. »West­deutschland verdient heute an der Einheit!« (Ulrich Blum, Geheim­gutachten) Den Nach­fol­gern der Kriegs­generation fallen deren Verleugnungen und Lügen noch bis ins 3. und 4. Glied auf die Zehen, so dass sie, fehlt es an Charakter, zu historischen Hinkefüßen werden. Merkels Vater, ein frei­williger DDR-Pastor, war auf der Suche nach einem 3. Weg. Die ehr­geizige Tochter versuchte sich erst auf einem so­zialis­tischen 2. Weg, doch die Karriere gebot den 1. Weg der Kapital­herr­schaft. Verdient Merkels Deutsch­land nun an Europa oder verliert es damit? Aller guten Dinge sind drei. Zweimal herrsch­te Krieg, einmal ist's der Euro-Friede?
  Am 26.6.2012 herrschte in der Phönix-Runde um 22 Uhr 15 zur Über­raschung aller frei­heit­liche Rat­losig­keit – der kriege­rische Wahn, der im 20. Jahr­hundert Europa ent­flammte, zog nach Nahost weiter, Syrien in blutigen Schlach­ten, was nun? Eine Konstel­lation wie 1914? Bei Phönix stellte sich ver­sehent­lich Einig­keit her: Keine Politik und keine Macht weit und breit, die der Gefahr neuer Weltkriege gewach­sen wäre. Ob mit Merkel oder ohne sie, ob Berlin oder Brüssel das Kommando haben werden, sicher ist nur, der Weg in die Sack­gasse geht zu Ende. Man braucht dennoch kein Pessimist zu sein. Manche lernen freiwillig hinzu. Wie oft schlugen wir der FAZ ihre Affen­liebe zu den NSDAP-Mit­gliedern Carl Schmitt und Martin Heidegger samt dem Graben­kampf-Helden Ernst Jünger um die werten Esels-Ohren. Seit geraumer Zeit sind die Helden­lied­sänger verstummt. Es ist Einsicht oder nur Pause. Man darf sich überraschen lassen.

Neu­auf­lage des Ypsilanti-Links­programms in Frankfurt a.M.?
Im maini­schen Frankfurt wird die tüchtige, nicht mehr kandi­dierende CDU-Ober­bürger­meisterin Petra Roth statt wie geplant von einem CDU-Mann zur Ver­blüffung der Schwar­zen vom agi­len SPD-Auf­steiger Peter Feldmann ab­gelöst, der das Ypsilanti-Links­pro­gramm in Erin­nerung ruft. Mit Absicht oder aus Ver­sehen? Die hes­sische Linke könnte auf­erstehen? Warum denn keine plu­rale Volksfront gegen die immer lauter tö­nenden Kriegs­prediger? Büchners unüber­treff­liche Auskunft 1835 im Brief an Gutzkow: »Das Ver­hältnis zwischen Armen und Reichen ist das einzige revo­lu­tionäre Element in der Welt …« Aller­dings fügt er hinzu: »Ein Huhn im Topf jedes Bauern macht den gal­lischen Hahn verenden.«
Gerhard Zwerenz    09.07.2012    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz