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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 62

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

62

Rendezvous beim Kriegsjuristen

Gerhard Zwerenz
Soldat GZ mit 18 Jahren –
tumber Held, Mörder, Idiot?
Mitten in das mörderische Kriegsspiel in Süditalien drang die Botschaft, ich müsse zurück zu irgend­welchen hinteren Stäben. Mir war es nur recht, sollten sich die andern die Köpfe einschlagen, über viele Zwischen­stationen gelangte ich nach hinten, fast bis nach Rom. Kurz vor der Heiligen Stadt, die ich immer schon hatte sehen wollen, war noch eine andere und kleinere Stadt halbwegs stehen­geblie­ben, und hier residierte ein hoher Stab mit diesen und jenen Abtei­lungen, endlich stand ich vor einem elegant­betuchten Herrn, er war zwar in Uniform, tat auch mili­tärisch, doch merkte man ihm sofort an, er spielte es nur. Zu meiner größten Verwunderung lag ein dickes Buch vor ihm, mein ver­schwun­dener Rubens-Bildband. So sehr ich mich freute, das Buch wieder­zusehen, so sehr wunderte ich mich über die Umstände, die sie deshalb machten, dennoch, es war anständig von den Kerlen, mir mein Eigentum zurück­zugeben. Jedoch rückte der Armee­richter, um ein solches höheres Wesen handelte es sich, wie er mir nun mitteilte, mein Buch nicht heraus, sondern fing an zu reden, endlich dann kam er mit dem Ansinnen heraus, ich solle ihm erklären, was ich in das Buch geschrieben habe. Das hätte noch gefehlt, schließlich war das ja gerade der Sinn meiner Privat­stenographie, dass ich damit nur für mich selbst lesbar schrieb und andere nichts anfangen konnten mit dem Gekritzel.
Nach einiger Zeit äußerte er den Verdacht, ich hätte staatsfeindliche Dinge aufgeschrieben, das könne er nur vermuten und mutmaßen. Was ging das mich an, beweisen ließ sich nichts, und übersetzen wollte ich meine Notizen auch nicht, aus tumber Scham, wie ich ihn glauben machte. Er versuchte es mit krummen Touren, klopfte mit dem Finger auf eine Stelle und las maliziös Worte vor, die ganz unbedenklich waren, es war nur seine klugscheißende Methode, mich aufs Glatteis zu führen und vertrauensselig zu stimmen, er meinte, ich würde ihm doch irgendwie helfen, hinter mein heimliches Alphabet zu kommen. Ich blieb stur und stumm, gab mich so dumm und schamhaft, dass er sich bald zu wundem anfing, wieso einer überhaupt imstande sei, sich eine solche ausgeklügelte Kurzschrift zuzulegen, er begann mich schlicht für einen einseitig begabten Irren zu halten. Ich beschloss deshalb etwas Wasser auf seine Mühlen zu gießen und. teilte ihm mit, dass ich Schwierigkeiten mit der Normalschrift hätte, in Orthographie und Grammatik schwach sei und aus diesen und anderen ähnlichen Gründen meiner Unzuläng­lichkeit ganz von selbst auf diese Stenographie verfallen wäre. Er starrte mich verblüfft an, dass jemand was Kluges tun könne, weil er zu blöde sei, sich normal zu verhalten, wollte ihm offensichtlich doch nicht ganz in den Schädel. Als unsere Sitzung schon eine gute Stunde gedauert hatte und ich dachte, es sei nun bald vorüber, kam er erst mit den Bouletten rüber. Ob ich in Holland, in Utrecht genauer gesagt, mit einer holländischen Familie Kontakt gehabt hätte. Ja schon, kann schon sein, wich ich aus, und er nannte einen Namen, den ich zwar nicht genau verstand, ich begriff aber, es war schon der Name der Familie, die ich kannte. Was kann bloß los sein mit denen, dachte ich, überlegte fieberhaft, wie ich es anstellen könnte, mich in keiner seiner Schlingen zu verfangen und Käthes Familie ebensowenig reinlaufen zu lassen. Der Kriegsrichter erhob sich hinter seinem beschnitzten Tisch, stelzte um das Möbelstück herum, trat ans Fenster und blickte hinaus. Dann fuhr er sich mit beiden Händen sachte über sein pomadisiertes enganliegendes Haar und säuselte im sanftesten Ton: Sie brauchen keine Rücksicht zu nehmen, die Familie ist sowieso hinüber.
Hinüber? fragte ich. Wohin hinüber?
Er wiederholte seine Bewegung, lächelte mich für einen Augenblick freundlich an und blickte wieder durchs Fenster auf die Straße hinaus.
Aus! erklärte er, erledigt. Erschossen!
Ich überlegte, ob ich aufspringen und ihn umbringen könnte. Er hatte zwar eine Pistole im lackglänzenden Ledertäschchen am Koppel hängen, aber ob er damit etwas anfangen konnte, war eine andere Frage, ebenso, ob ich ihm Zeit ließe, das Ding überhaupt zu ziehen. Ich erwog meine Chancen, hier zu entkommen, sie standen gar nicht schlecht. Allerdings zweifelte ich daran, ob es mir gelänge, mich von hier bis nach Holland durchzuschlagen, das wäre der schwierigere Teil des Unternehmens, hier standen die Chancen eins zu tausend dagegen. Also blieb ich gelassen sitzen und nahm mir vor, die Worte des Herrn nicht für bare Münze zu nehmen, ihm aber trotzdem auf den Zahn zu fühlen. Schließlich musste ja tatsächlich irgendwas Wichtiges passiert sein, wenn ich von so einem hohen Juristen verhört wurde und man mich von der Front ins Hinterland befahl.
Sie sind in etwas reingeraten, ohne zu ahnen, was es ist, begann der Herr Richter zu dozieren. Dann sagte er, die Familie Huinziger sei gar keine Familie Huinziger gewesen, sondern ein raffiniert getarntes Spionagenest der Angloamerikaner. Sie hätten die Wehrmacht in Holland ausspioniert, sich an deutsche Soldaten herangemacht. Der Unteroffizier Kurt Bieger, den ich wohl auch kenne, sei ein Deserteur, der von den Huinzigers angeworben worden sei, man habe ihn übrigens auch gestellt und erschossen. Sie brauchen keine Sorge zu haben, sagte der Herr Richter, wir wissen ziemlich genau Bescheid, mit Ihnen ist es nicht so weit gekommen, zwar hat man es versucht, aber Ihnen lag wohl nichts an der Spionage, Sie haben sich nur mit der jungen Dame abgegeben, stimmt's? Da hatte er ins Schwarze getroffen. Mit der jungen Dame abgegeben. In der Tat. Mich hätte an Käthe nicht die Spionage interessiert. Na schön, fuhr er fort, Ihre Geliebte ist leider die einzige der Bande, deren wir nicht habhaft werden konnten. Er lächelte sardonisch, als wolle er meine Erleichterung ausloten, ich blieb ungerührt. Ein junger Mann, ja gewiss, hat sich von einer kleinen raffinierten holländischen Spionin umgarnen lassen, kann man ja verstehen, so dämlich wie Sie sind. Allerdings, sagte er jetzt sehr streng, es gibt noch über einen anderen Vorfall in Berlin eine Akte, da spielt wieder ein Weib eine Rolle. Er fixierte mich scharf: Sie scheinen wohl überall was mit Weibern anzufangen, wie? Dann seufzte er resigniert: Es war schon immer so, des Narren Knüppel ist der Maibaum der Damen. Jawoll, antwortete ich, ist das ein Verbrechen? Meine Antwort verwirrte ihn, er versuchte es wieder mit Käthe. Wir haben Zettel von Ihnen gefunden, Sie nennen diese Kriminelle Venus von Holland. Jawoll, sagte ich, ich wusste ja nichts von der Spionage, wenn ich davon was gewusst hätte, wäre ich nicht drauf reingefallen.
So, so, das wären Sie nicht?
Natürlich nicht!
Ich blickte ihn so wütend und entsetzt an, wie ich es wegen der Toten in Holland war. Mir stand innen das ganze Mobiliar meiner Seele im Wege, ich wusste nicht, was ich im nächsten Moment täte, es konnte sein, dass ich zu heulen anfinge, und es konnte auch sein, dass ich dem Herrn Militärrichter doch noch an den Kragen ginge, ich wusste es selbst nicht, wartete nur ab, wie es sich drehte. Er bemerkte wohl meine inneren Stürme, aber er war nur ein Juristenmatz und deutete sie falsch. Ich hatte den toten Punkt überwunden, lachte plötzlich, Frontschwein, das ich war, verschwitzt, verdreckt, unbekümmert, mit der Faust schlug ich auf den feinen alten Schreibtisch, es krachte und schepperte, ist das denn die Möglichkeit, sagte ich treudeutsch empört, wegen so einem Quatsch holen Sie einen Soldaten von der Front weg, wo er für die Verteidigung von Heimat und Volk kämpft und jederzeit bereit ist, sein Blut zu vergießen? Ich sprang auf, warf dabei den Stuhl um, ging zum Fenster, wo ich mich neben dem geschniegelten Herrn aufbaute, der immer noch auf die Straße hinabblickte. Wissen Sie, sagte ich, das ist so, ich bin nämlich nicht schwul, und wenn ich ne Frau flachlegen kann, dann leg ich sie flach, und wenn ich das Reich verteidigen darf, also dann verteidige ich das Reich, denn ich bin kein Drückeberger!
Mir war nicht so ganz klar, was ich da hinsprudelte, ich dachte mir, es könnte das Richtige sein, es war jedenfalls nicht das Falsche, denn mein Verhörer reagierte unsicher, bot Erläuterungen an, die mehr Entschuldigungen waren, Rückzüge. Wer weiß, dachte ich, ob dieses Gerichtsschwein sich nicht auf die billige Tour eine Dienstreise von Holland nach Italien beschafft hat.
Der Mensch in seiner gelackten Uniform hatte jedoch noch einiges im Koffer. Sie können ruhig mit der ganzen Wahrheit herausrücken, sagte er jetzt, Ihre Freundin Käthe war nämlich damit einverstanden, daß Sie umgebracht werden.
Na, dachte ich, alter Knabe, da kennst du Käthe aber schlecht. Er nahm wieder hinter dem Schreibtisch Platz, ich setzte mich ebenfalls.
Erinnern Sie sich daran, daß Sie einmal mit Ihrer Freundin beschäftigt waren, als hinter Ihnen der Deserteur Kurt Bieger eintrat?
Und ob ich mich erinnerte. Eine ungute Unterbrechung war das gewesen.
Das war der geplante Moment gewesen, als Sie ermordet werden sollten, mein Lieber!
Ich? Abgemurkst?
Während Sie es mit Ihrer Freundin trieben, sollten Sie ein Messer durch die Rippen kriegen! Verdammt, dachte ich, die wissen aber genau Bescheid, und wenn sie davon wissen, dass dieser Kurt Bieger hinter mir durch die Tür trat, dann kann auch stimmen, was sie sonst noch behaupten. Ich kann nicht verstehen, weshalb man mich hätte abmurksen wollen, sagte ich.
Vielleicht, weil Sie sich nicht bereit erklärten, bei der Spionagegruppe mitzuarbeiten?
Von so was war nie die Rede.
Ihre Freundin hat nie versucht, Sie auszuhorchen?
Nee, außerdem, was hätte ich schon verraten können?
Ja, gab er zu, das ist der wunde Punkt dabei. Aber vielleicht ging es gar nicht darum, etwas von Ihnen zu erfahren, als vielmehr darum, Sie zur Desertion zu überreden?
Auch das versuchte man nicht.
Ja, wenn das so ist, dann müssen wir den Vorgang wohl erst mal abschließen.
Er sah mich prüfend an, während er sprach, dann nahm er wieder den vollgekritzelten Bildband und hielt ihn mir hin. Danke, sagte ich.
Da gehört schon was dazu, so ein dickes, schweres Buch überall mit herumzuschleppen -
Macht mir nichts aus, ist doch so schwer gar nicht.
Wir standen jetzt auf beiden Seiten des Schreibtisches. Ich machte eine zackige Ehrenbezeigung und wollte abgehen. Ein Wort habe ich entziffert, wissen Sie, es kommt öfter vor! Er wies auf mein Buch.
Ja?
Ich meine das Wort Anarchismus!
In mir klingelten sämtliche Glocken Alarm. Der Sachse in mir erwachte.
So dämlich, wie es nur anging, blickte ich ihn an. Was für'n Arschismus? fragte ich in meiner abgrundtiefen Ahnungslosigkeit.
Mein Arschismus? sagte ich noch mal und spürte, wie aus der Tiefe seines Herzens jene massive Verachtung hochstieg, auf die ich hoffte. Ich stand so weit unter ihm, benahm mich derart ungehobelt, unklug, ungesittet, war das geborene Frontschwein, dazu geschaffen, für ihn und seinesgleichen die Birne hinzuhalten und zu krepieren.
Es gab für ihn und seinesgleichen nur zwei Möglichkeiten des Umgangs mit solchen wie mir: Man fällte über diese Kerle die harten Sprüche, die sie verdienten, abgestuft nach KZ, Frontbewährung oder Exekution, was alles zusammen auf die Todesstrafe hinauslief. Oder so ein feiner Jurist zog sich von den Delinquenten in das geistige Reservoir der Elite zurück, wo man unter sich blieb, Leute von Rang und Stil.
Der Feldrichter entließ mich mit einer kaum ange­deuteten Geste, ich merkte mir seine Visage und entschwand mit dem festen Vorsatz, es ihm nach Kriegs­ende heimzuzahlen. Langsam wuchs in meinem Gedächtnis eine Galerie von Köpfen an: Nach dem Kriege zu besuchen. Würde das ein Fest des Friedens.
Zum 70. Geburtstag Jörg Schröders im Herbst 2008 fanden in den feuille­tonistischen Salons und Zirkus­arenen respektvolle Notierungen statt, die das Ende post­bourgeoiser Kultur zu widerrufen suchten. Der unerschrockene Jubilar protokollierte den großbürgerlichen Niedergang so witzig und hymnisch wie es sich gehört im Sektionssaal abendländischer Anatomie.
Gerhard Zwerenz: Die Zukunft der Männer
Gerhard Zwerenz
(Leslie Markwart)
Die Zukunft der Männer
Olympia Press 1970
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Am 23.10.08 spendete auch die FAZ einen tatsächlich kenntnis­reichen opulenten Glück­wunsch. Darin wird Ernst Herhaus, Felix Rexhausen und mir attestiert, dass wir für Schröders Olympia­press unter „wohl­klingen­den Pseudo­nymen“ fleißig „Onanieprodukte“ verfertigten. Die Leser dieser poetenladen-Serie erfuhren schon in Folge 8 (Mit Rasputin auf das Fest der Sinne) mehr darüber. Zum Beispiel war mein Roman Die Zukunft der Männer unter dem Pseudo­nym Leslie Markwart eine Sex-Parodie auf Die Geschichte der O. von Dominique Aury alias Pauline Reagé alias wer weiß das schon genau. Schröder hatte 1967 den Porno aus Paris veröffent­licht. Ich parodierte das Buch, in dem die Frauen zu Saso-Maso-Opfern werden, durch konsequente Umkehrung, bei der den Männern Gleiches geschieht. Die auf Onanie­vorlagen fixierten Journalisten fanden in der Eile wohl nicht Zeit und Weile genug, die ironische Verarsche auf sich selbst zu beziehen. Sei's drum.
„In der Liebesschule der Venus erlebte Gerhard Zwerenz als junger Soldat seine Pubertät ...“ Jochen Hieber in
Die Zeit 8.10.1982

Siehe auch Folge 54  externer Link

Gerhard Zwerenz
Venus auf dem Vulkan
März Verlag 1982

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1982 erschien in Schröders MÄRZ Verlag Venus auf dem Vulkan, mein Landser­roman als Schlag auf den Solar­plexus der zahlreichen Herren Kriegs­heroen. Hier wird gewütet und getötet, die Barden agieren heftig in Bett und MG-Feuer, dass es für Jonathan Littells Buch Die Wohlgesinnten reichte, der freilich erst drei Jahrzehnte später das deutsche Heldentum in glorreicher Nacktheit servierte. Also hob ich 1982 die Schwur­hand: Dies zählt zu meiner auto­biogra­phischen Liebes- und Kriegs­erfahrung, ihr Tinten­kleckser, Helden­mut­schwätzer, Ritter­kreuzer, Staats­vampire. Doch gehen wir der Reihe nach: Bei einer ihrer West­reisen als Rentnerin brachte meine Mutter aus dem ver­riegelten Pleißen­land in den sechziger Jahren den Ausriss einer vergilbten italieni­schen Zeitung von 1943 mit. Auf dem Rand standen, von mir hin­gekritzelt, die Worte: „Musste zurück zum Militär­richter. Es ging um eine Bekannt­schaft in Utrecht. Angriff abge­schlagen.“ Ich wollte mich nicht damit befassen, denke ich, weil es an die wenig angenehme Zeit meines ersten Deser­tions­versuchs erinnerte, der missglückte und einen anderen das Leben kostete. (siehe Jürgen Reents/Gerhard Zwerenz – Weder Kain noch Abel, Seite 22) Zwanzig Jahre später fiel mir die Notiz am Morgen beim Aufwachen ein. Offenbar hatte sich die zugehörige Geschichte nachtsüber im Traum geäußert. So unterbrach ich einen dringenden Radio-Essay über Dostojewski und schrieb das „Rendezvous beim Kriegs­juristen“ so deftig und unver­stellt nieder wie ich es plötzlich ganz frisch erinnerte. Einmal in Rage baute ich noch 193 Seiten drumherum. Das Büchlein erschien dann 1982 im formidablen MÄRZ Verlag Berlin und Schlechtenwegen und kein anderer als so ein phan­tastischer Nimmersatt wie der Verleger und Autor Jörg Schröder hätte es gewagt, einen derartig porno­grafischen Kriegs­roman der honorig geilen Leserwelt anzubieten. Ich las das Buch gerade wieder, mehr als ein Vierteljahrhundert nach Erscheinen, mehr als ein Halb­jahrhundert nach dem Erleben und Vergessen. Wer noch irgendwo ein Exemplar entdecken sollte – ich kann die Lektüre nur empfehlen.
Klug geworden durch Schaden

In meiner Kindheit und Jugendzeit
schmetterten die Fanfaren.
Bis der Friede schlief und der
Krieg erwachte: Zeit von Barbaren:

Es bliesen die Angriffstrompeten.
Es schossen die Artilleriemusketen.
Richard WagnersTrauerklänge
Füllten weit die Hadesränge.

Ich dachte mir: Bei soviel Helden
wirst du dich beiseite schleichen.
Wirst dich im Gebüsch verstecken.
Solln die Herrn doch selbst verrecken.

Gejagt vom Ton der Kriegstrompeten,
von Befehlen, diesen dummen, scharfen
Worten, entzog ich mich den kriegerischen
Orten und ging meine Venus harfen.

Die Vernusharfe 1985

Das nächste Kapitel erscheint am Montag, den 5. Januar 2009.

Gerhard Zwerenz   22.12.2008    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz