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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 83

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

83

Die Differenz zwischen links und rechts

MfS-Beobachtungsauftrag „Revisionist“
„Der Zwerenz und seine Frau“ 27.8.76 um 13.48 Uhr auf dem Kirchplatz in Crimmitschau
Gestern Abend in Phönix als Wiederholung eine ZDF-History-Dokumentation, darin Robert McNamara mit seinen Erinnerungen an die Kuba-Krise, als Kennedy den Angriffsbefehl zu erteilen bereit war, ohne zu wissen, dass die Sowje­tunion auf Kuba bereits mehr als 100 Atomraketen stationiert hatte. Dem Gegen­schlag wären mehr als 80 Millionen Amerikaner zum Opfer gefallen. So der ehemalige US-Vertei­digungs­minister, der nach Amtsaufgabe erst begriff, was er da zu verant­worten gehabt hätte. Die kalte Wut, die mich früher ergriff, erfuhr ich von solchen Szenarien, verwandelt sich im Alter zum Destillat schwarzen Humors.
Am 23.5.09 in der Bild-Sparte Gewinner und Verlierer: „Als zum Abschluss des Verfassungs-Staats­aktes ges­tern in Berlin die National­hymne gesungen wurde, kniff Dagmar Enkel­mann (53) ver­biestert die Lippen zusammen. Fast alle Mit­glieder der Links­fraktion im Bundestag folgten dem Beispiel ihrer Fraktions­geschäfts­führerin. Dabei konnte die blonde ›Daggi‹ früher als SED-Mitglied doch immer so schön singen (›Auf­erstanden aus Ruinen …‹)
Bild meint: Für neue Lieder ist es nie zu spät! “
Ich meine: Für alte Lieder ist es in Deutschland auch nie zu spät. Immerhin ersparen uns die nationalen Maulquappen vorläufig noch die erste Strophe des Deutschland­liedes. Die DDR sparte nach einiger Zeit sogar den ge­sam­ten Becher-Text ein, obwohl der sich sehen und hören lassen konnte. Gruß und Kuss an Daggi für ihr Verstummen bei der Nazionalhymne.
Wenn schon gesungen werden soll, dann Brechts Kinderlied.
Die einzige Ohrfeige, die mir mein Gablenzer Großvater je verpasste, war eine Quittung fürs Geplapper des Achtjährigen, der vom Kriegshelden Hindenburg erzählte, wie es ihm der Volks­schullehrer vorgequatscht hatte. Das Deutsch­land­lied? Eine Hymne für Arsch­geigen. Was wagt Bild einem zuzumuten – Ehrfurcht vor dem Lied der Deutschen? Was soll so ein bejahrter Knabe wie ich noch alles brav und blöd mitsingen? Deutschland, Deutschland über alles – Die Fahne hoch. Auf­erstanden aus Ruinen hat doch was für sich. Grass sang als unbedarfter Waffen-SSler ehrlicher­weise Hänschen klein.
Aus unerfindlichen, vielleicht poetischen Gründen fällt mir Kafkas Tür-Parabel Vor dem Gesetz ein. Beim Stichwort Tür schiebt mir das Mittel­zeit-Gedächt­nis eine Münchner Szene vors schräge Potzblitz-Auge.
1968 saßen Peter Bichsel, zwei Münchner Freunde und ich in einem Schwa­binger Lokal, als sich ein seltsamer junger Mann un­gebeten dazu­gesellte. Mein beinahe untrüglicher Sinn für falsche Fuffziger und maskierte Nullen trieb mich dazu, ein exotisches Körbchen, das der fremde Anbiederer bei sich trug und am Tischbein abstellte, umzustoßen. Unter allerlei Krims­krams kamen Mikro und Bandgerät zum Vorschein.
Bichsel zog dem Jungen den falschen Bart vom Gesicht, wir lachten, aber es war gar kein Fasching, der Typ eilte zur Toilette, ich ihm nach. Den in der Tür Eingeklemmten bearbeitete ich solange, bis er zugab, ein Dreigroschenjunge zu sein. Es war nicht die feine Art, wie ich mich benahm, noch war ich ein vierzigjähriger Jähzornling, als Spätpubertant erinnerte ich mich an die Nahkampfausbildung bei der Wehrmacht und dachte, sie sei doch endlich zu etwas nütze. Es wurde mein Abschied von den physischen Brachialmethoden der Jugend. Von da an mied ich Leute, die nach Agententum rochen. Oder ich lachte sie aus.
Als wir in Offenbach wohnten, flüsterten mir Nachbarn, geheimnisvolle Herren hätten bei ihnen vorgesprochen und sich nach mir erkundigt. Nun ja, uns besuchten allerhand ungeklärte Gestalten aus Ost und West von Jochen Steffen über Rudi Dutschke bis zu Erich Loest.
Jahre später, im Hochtaunus, bat ein abgerissener dänischer Seemann um Nachtquartier in unserm Haus. Ingrid hatte sich schon erweichen lassen von seiner Story, einige Wochen als Schiffskoch gearbeitet und einen Unfall erlitten. Beim schweren Sturm sei ihm an Deck ein Mast auf den Kopf gefallen, seither stottere er. Das Stottern traf zu. Unser Verhalten wies uns wohl als gastfreundlich und hilfsbereit aus. Mit der Bitte um Solidarität in Notfällen waren schon oft Annäherungsversuche geglückt, bis ich aus Erfahrung misstrauisch reagierte. Zum Entsetzen meiner Frau nahm ich mir den Dänen vor, der sich als absichtsvoll ärmlich gekleideter Norddeutscher entpuppte. Da ich ihn, inzwischen angealtert, nicht mit der Toilettentür einquetschte, bekam ich nicht heraus, für welche Seite er arbeitete. Es war mir indessen auch egal. Nur fragte ich mich, was diese Geheimidioten bei uns eigentlich ausforschen wollten. Wahrscheinlich liegt es an der Trägheit ihres Berufsstandes und ihrer Vorgesetzten, dass sie gar nicht anders können als auf der Spur zu bleiben, sie fürchteten wohl, arbeitslos zu werden. Seit dem Annäherungsversuch des falschen Dänen, der dann hochkantig rausflog, registrierten wir keine weiteren derartigen Aktionen. Vielleicht sahen die geheimen Meister die Vergeblichkeit ihrer Mühen ein. Oder es wurde ihnen klar, dass ich inzwischen sehr zurückgezogen lebe und es sich nicht lohnt, mehr erfahren zu wollen, als ich freiwillig publik mache. Das letzte Mal, als es mir schien, es stecke ein Mithörer im Draht, bot ich an, offen zu sagen, was man so dringend wissen wollte. Gegen Honorar. Ich nannte eine hübsche runde Summe. Seitdem herrscht Funkstille. Wahrscheinlich sprengte das von mir verlangte Geld ihr Budget.
Sachsen, ach Sachsen. Gegen den aus Öster­reich stam­menden sächsi­schen PDS-Vor­sitzenden Peter Porsch wurde von Focus die rote Stasi-Karte gezogen. Die einzige Partei, die von Anbeginn klug genug war, glasklar gegen Hartz IV zu votieren, sollte Schaden nehmen, weil den Hartzer Käse­fabri­kanten die Wähler wegliefen. Es stinkt im Land. Der Vietnam­kriegsgegner Porsch über­siedelte 1973 in den anderen deutschen Staat, denn die DDR war gegen diesen Krieg, die BRD dafür. Drei Millionen Vietnamesen verloren ihr Leben, oft durch Flieger­angriffe. Was das für ein kleines Volk bedeutet, sollte zumindest in einer Stadt wie Dresden mit mehr als 30.000 Bombenopfern plausibel sein. Aus nächster Nähe erlebte ich im Bonner Bundestag, wie Gregor Gysi und Stefan Heym mit Stasi-Verdäch­tigungen überzogen wurden. Jetzt war Peter Porsch an der Reihe. Die dafür zuständigen Politiker fanden nie einWort gegen Nazi­generäle, die von der Seite Hitlers direkt an die Seite Adenauers wechselten wie etwa Adolf Heusinger, der neben seinem Führer stand, als Stauffenberg die Bombe zündete. Die wichtigsten Planer und Aktivisten des deutschen Ver­nichtungs­krieges sollen Helden sein und bleiben, Antifaschisten und Sozialisten jedoch die Stasi-Keule fürchten. Ich war nie ein Freund der Geheimen. Doch im August 1944 rettete mir ein NKWD-Kommissar das Leben, der mich mit der Waffe gegen seine hass­erfüllten Soldaten verteidigte. Im Lauf der Jahre hatte ich mit vielen Geheimen von Ost und West Kontakt – wissentlich und unwissentlich. Zur Zeit der Entführungen paktierte ich in Westberlin mit dem Ostbüro der SPD, mit dem ich brach, als ich erfuhr, wie leicht­sinnig, schäbig und verlogen es sich gegenüber Wolfgang Harich verhielt. Wir können uns sehr gut eine Welt ohne Geheim­dienste vorstellen. Solange sie jedoch existieren, ist es schändlich, nur die eine Seite anzuklagen. Damit im Wahlkampf zu taktieren ist juristisch anfechtbar, politisch dumm und charak­terlich defektiös. Bürger­rechtler, die dabei mithalten, verwandeln sich in Bürger­unrechtler. Antikommunisten, die nicht zugleich Anti­faschisten sind, handeln nicht anti­totalitär, sondern nazigleich. Hannah Arendt sah im weltweiten Anti­kommunismus die dritte totalitäre Gefahr.
Walter Kempowski
(public domain)
Wegen Kempowskis US-Geheim­dienstelei gibt's viel Hin und Her. Wir waren befreundet auf Distanz. Er gehörte zur Jury, die mir den Ossietzky-Preis spendete. Er war erfolg­reich, hielt sich für unterbewertet und warb um Zuhörer­schaft bis in die Obrigkeit. Seine leicht­fertige Spionage­dilletanz brachte ihn nach Bautzen, das, mit Gorki gesprochen, zu seiner Uni­versität wurde. Von links her betrachtet führte er den Krieg gegen die Sowjetunion fort. Von rechts her gesehen kämpfte er für die Befreiung vom Kommunismus. Inzwischen trat der Islam an die Stelle des besiegten bolsche­wistischen Erzfeindes, auf den die nazional­deutschen Krieger­mumien aber auch nicht verzichten wollen und können.
Die totalitäre DDR-Gefahr erlebte ich 1976 als Komödie en miniatur. Ein feindlicher Herr ZK-Genosse Arne Rehahn, der mir 1959/60 mit einem „Sonderauftrag“ gefährlich nahe gerückt war, hatte das Zeitliche gesegnet. Tollkühn geworden riskierte ich einen Einreiseantrag in die mir verbotene DDR. Die deshalb im Sozialismus ausgebrochene Hektik samt Wirrnis ist in ca. 50 Seiten Amtssprache inklusive Fotoreportage dokumentiert. In der Akte mit dem Beobachtungsauftrag Revisionist heißt es: „Der Zwerenz, seine Ehefrau Ingrid, geb. Hoffmann und seine Mutter am 27.8.76, 13.48 Uhr, auf dem Kirchplatz in Crimmitschau.“
Folgt ein Fotoroman in 19 scharf gestochenen, künstlerisch gewiss wertvollen Bildern. Danach kommt ein handschriftlicher Vermerk über den genehmigten Aufenthalt des Zwerenz, Gerhard mit Ehefrau Ingrid, geb. Hoffmann in der Zeit vom 24.8. – 28.8.1976 in der DDR. Ort dieser Dichtung: Berlin, MfS HA XX/7.
Der Vermerk lautet so: „Durch die BV-Karl-Marx-Stadt wurde das Ehepaar Zwerenz während des Aufenthaltes in Crimmitschau vom 24.8. – 28.8.76 unter operativer Kontrolle gehalten. Im Rahmen der Bewachung, die nicht durchgängig durchgeführt werden konnte, wurde festgestellt, dass Zwerenz sich absicherte und seine Umgebung kontrollierte. Gegenüber einem IM, der als Journalist legendiert mit Zwerenz ein Gespräch führte, gab sich Genannter aufgeschlossen und betont loyal. Aus der Art und Weise der Behandlung seiner Einreise­genehmigung in die DDR kommt Zwerenz zu der Schluss­folgerung, dass die Hinter­gründe dafür möglicher­weise bis in zentralen Stellen in Berlin reichen. Im Weiteren nahm Zwerenz wiederholt auf seine Erklärung in der Westpresse Bezug, so auch auf die Welt, und unterstrich seine dort getrof­fene Versi­cherung, dass er auf dem Boden der DDR nicht die Absicht politischer Aktivitäten oder gar Demonstrationen habe.“
Die Auszüge aus den MfS-Akten werden hier unkorrigiert gedruckt. Um Platz zu sparen, belegen wir die Geheimdienstkünste in Wort und Bild nur mit einigen Kostproben:





Weil der Staat DDR einen Kontakt des für 3 Tage eingereisten Zwerenz mit Erich Loest im 72 km entfernten Leipzig befürchtete, wurden wir beschattet, wurde Loest in Leipzig beschattet, wurden Kontrollen und Straßensperren in mehreren Städten errichtet, gab es Alarm bei Polizei und Armee, rätselten Agenten bis hinauf zum General. warum ›der Zwerenz und seine Ehefrau‹ im Dorfe Gablenz an einem Platz mit ›mehreren Teichen‹ spazieren gingen. (Es sind nur zwei Teiche.) Warum er dort photographierte. Nun ja, dort steht sein Geburtshaus, das er nach 19 Jahren wiedersah. Auf einen so banalen Grund kommt ein Geheimdienst nicht, der naturgemäß Konspiratives argwöhnt.
Ingrid aber, die ›Ehefrau des Zwerenz‹, ist nach Lektüre des geheimen ›Beobachtungsberichts‹. einerseits höchst erheitert, weil die Observierer zu dämlich waren, ein Straßennamenschild richtig abzulesen, sie schreiben immer ›Gerhard Hauptmann‹ und missgönnen dem Dichter das t in seinem Vornamen. Andererseits ist Ingrid über die Beobachtungen stinksauer. Denn der letzte Satz der Herren Major Schnabel und Hauptmann Härtl lautete: ›Im Beobachtungszeitraum wechselten beide ihre Kleidung nicht. Die Kleidung wirkte ungepflegt und abgetragen.‹
So was lässt sich eine moderne Frau nicht ungerächt nachsagen. Zumal der beiliegende Fotoroman die Stasi-Aussage Lügen straft.
Übrigens hörte unsere Observation am 28.8.76 um 14.45 Uhr, als wir die DDR bei Wartha verließen, nur für Minuten auf und wurde auf BRD~Gebiet fortgesetzt. Von wem wohl? Das weiß ich nicht, denn meine westlichen Geheimakten durfte ich bisher noch nicht lesen. Meine östlichen Akten, die am 6.12.1956 bei der Stasi Leipzig begannen, endeten erst 33 Jahre später. Die letzte Notiz (MfS AOP 3215/87) lautet:

›Akten und 15 Tonbandspulen am 5.6.1989 Löschung eingeleitet.‹ Monate später verlöschte die DDR. Soviel kann ich gar nicht lachen, wie diese fähigen Geheimdienste Humor absondern. Lachen aber möchte ich schon und rate auch andern mit ähnlichen Erfahrungen zu dieser Therapie.
Das Exempel erhellt zugleich den himmelweiten Unterschied zwischen Stasi und Gestapo. Wo die Stasi einen Affentanz von drei Tagen mit irrem Aufwand aufführte, hätten Gestapo und SS kurzen Prozeß gemacht. Hüten wir uns vor der Heldenpose. Diese DDR war kein Drittes Reich.
Ein Blick in die Politik- und Kulturgeschichte lehrt, es war stets das Vorrecht unkonventioneller Personen, die Aufmerksamkeit geheimer Dienste auf sich zu ziehen und misstrauisch observiert zu werden. Wir sollten uns nicht selbst so wichtig nehmen wie die Dienste uns, erst in Ost, bald auch in West, die krebsartigen Wucherungen sind ohne unseren davon ausgehenden Größen­wahn nicht ansteckend.
Zu warnen ist noch vor der Verführung, die insbesondere Schriftstellern naheliegt, von den Akten und Observationen identitäts­stiftende Wirkung zu beziehen, woraus im Handumdrehen ein Ersatz für das werden kann, was die wahre Identität ausmacht – das kreative Werk.
 Berliner Morgenpost
 26.08.1996
 (Zoom per Klick)
Die Chemnitzer Freie Presse titelte: „Geld für Bier kann der Autor sich sparen.“ Von den Stasi-Männern, die uns beim DDR-Besuch 1976 so getreu begleitet und fotografiert hatten, war entweder keiner unter den Zuhörern oder er gab sich nicht zu erkennen. Verblüfft bis konsterniert reagierten Journa­listen auf meine Einladung an die ehemaligen Herren von der „Firma“, wie das MfS im Volks­mund genannt wurde. Gern hätte ich mit Herrn Scheit geredet, dem Außen­politiker der Freien Presse, der mich 1976 „insgeheim legendiert“, wie die Geheimen das nennen, zum Gespräch auf­suchte, gern hätte ich ihm jetzt berichtet, wie ich damals die ständigen Beobachter ab­geschüttelt hatte, um mit dem Marx-Nischel revolutionär zu konspirieren. Er blieb fern. Ein Chemnitzer Sicher­heits­offizier, der das Kommando damals führte, habe sich inzwischen das Leben genommen, war zu hören. Jeder Suizid ist einer zuviel. So wie alle Geheimen Dienste auf allen Seiten längst über­flüssig sind. Für das vereinte Land muss die alte Kriegsregel gelten: Der gefangene Feind ist kein Feind mehr.
In der Zeitung, die am 30.5.09 vom Fund der vermut­lichen Leiche Rosa Luxemburgs in der Berliner Charité berichtet, lese ich auch einen Artikel über den Mord am chile­nischen Sänger Victor Jara beim Pinochet-Putsch. Man zerschmetterte ihm per Gewehrkolben die Hände, damit er nie mehr Gitarre spielen konnte. Die Leiche des Gefolterten wies 44 Einschüsse auf. In den folgenden Jahren bemühten wir uns, bei der Bonner Regierung für ent­kom­mene Chilenen Einreise­erlaubnis zu beschaffen. Die DDR war da aktiver und soli­darischer als die BRD. Der vermutlichen Luxemburg-Leiche fehlen Hände und Füße, meldet man aus Berlin. Die Herren Mord­offiziere im Dienst von Ebert-Noske-Pabst hatten mit Metallschlingen Steine daran gebunden. Die Drähte schnitten die Gliedmaßen ab, so konnte der Leichnam im Berliner Land­wehrkanal auftauchen. Rosas Kopf entsorgte ein Unbe­kannter. Das wird indessen zwar alles bestritten, passt aber zu den Mördern wie die Legende meines Leipziger Freundes Hans Pfeiffer, der sich 1997 im dortigen Militzke-Verlag Historische Phantasien unter dem Titel Der Selbstmord der Rosa Luxemburg erlaubte. Mich erinnert das an Trotzkis Schädel, den Stalins Mordbube mit einem Eispickel zer­trümmerte. Dennoch war die Sowjetunion verteidigungs­wert. Hitler-Deutschland war es nicht. Das ist die Differenz, auf die es ankommt. Sie verbindet mit den Genossen.

Das nächste Kapitel erscheint am Montag, den 22.06.2009.

Gerhard Zwerenz   08.06.2009    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz