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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 75

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

75

Unendliche Wende

Gerhard Zwerenz, Hermann Kant: Unendliche Wende
H. Kant, G. Zwerenz
Unendliche Wende
Ein Streitgespräch
Dingsda Verlag 1998

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Am 23. März 1997 fand zur Leipziger Buch­messe im akademixer-Kabarett ein öffent­liches Streit­gespräch zwischen Hermann Kant und Gerhard Zwerenz statt, das 1998 unter dem Titel Unendliche Wende im Dingsda-Verlag als Buch erschien und auch als CD sowie Hör­kassette erhältlich ist. Im Jahr darauf schrieb ich eine Bühnenfassung, legte sie aber nach Übereinkunft mit Hermann Kant im Archiv ab, weil wir keinem Theater etwas so Unspekta­kulöses zutrauten. Weil Kant meint, wir seien keine drama­tischen Personen, weil ich ihm im Dialog Sätze zuteilte, die ich verbrochen hatte und weil's auf den Bühnen heute Nackt­frösche, Sexorgien, Blut­ströme und Ermordete geben müsse. Was sollten wir da, schließlich sind selbst Brechts Flücht­lings­gespräche aus den Spiel­plänen ver­schwun­den: Zuviel ironische Ver­nunft. Statt­dessen macht Frau Steinbach als Ver­triebenen­präsidentin Theater mit der Wende rückwärts. Dies ein Grund, die ersten beiden Akte des Stücks im Leipziger poeten­laden vorzulegen, in der Stadt, wo das Ge­spräch im Ori­ginal stattfand. Zu den Namen: Kunz ist Kant und Hinz ist Zwerenz. Aber nicht nur. Oder auch nicht? In der Tat lasse ich Hinz und Kunz so Sätze sagen, wie sie uns im origi­nalen Gespräche nicht einfielen. Am Theater ist man freier, fröh­licher, frecher und frei­williger. Und ungeschützter. Weshalb hier nur zwei kleine Akte präsentiert werden.
Vorspruch für zwei Stimmen sowie ERSTER Versuch zweier älterer Herren, ein fried­fertiges Gespräch zu begin­nen, weil inzwi­schen das achte Jahr seit dem Unter­gang eines hoff­nungs­beladenen Staats­schiffes ge­schrie­ben wurde
Stimme einer Moderatorin: Im Namen unseres Verlages möchte ich Sie sehr herzlich zu unserem heutigen Streitgespräch zwischen den Herren Hinz und Kunz begrüßen.
Bitte erschrecken Sie nicht, falls es etwas turbulent zugehen sollte. Vorher erfolgt noch eine kurze technische Durchsage vom hiesigen Fernsehsender.
Stimme einer tv-Dame: Meine Damen und Herren, ich bitte vielmals um Entschuldigung. Wir machen täglich Messeberichterstattung – vielleicht sahen Sie diese oder jene Sendung bereits – und um halb vier muss unser Team abbauen und zum Schnitt fahren. Ich habe mit beiden Herren gesprochen und Herr Kunz hat gesagt, solange ich nicht von beiden verlange, dass sie in fünfzehn Minuten sagen, was sozusagen die zwei Stunden füllen soll, würden sie beide es nicht als Brüskierung empfinden.
Da wir ja sicherlich hier zu knallharten politischen Fragen kommen werden, bitte ich also nicht zu spekulieren, warum wir gehen – es ist einfach ...
Ich will nur sagen, das ist eine ganz schlimme Seite dieses Berufes, es ist auch sehr unhöflich, ich bitte nochmal vielmals um Entschuldigung, aber sonst könnten wir eben heute nicht senden – das muss noch geshottet werden und geschnitten und gemischt und …
Kunz: Den Tag wird man sich merken müssen: Ein Medium, das sich höflich erklärt! Hinz: Das war die Werbeeinlage des Fernsehens - Kunz: Wer hat uns geheißen, dass wir uns jetzt streiten sollen? Also, das haben wir gar nicht vor. Es könnte höchsten unterlaufen ... Hinz: Wenn es sich von selbst ergibt, es muss nicht sein – wir streiten uns ja fast ein halbes Jahrhundert schon ... Wollen Sie anfangen? Kunz:Sie haben das doch eingerührt. Sagen Sie mal, warum. Hinz: Ja-a-a- ...(genüsslich) ich wollte Sie endlich mal wirklich lebendig gegenüber haben. Jetzt befinden Sie sich nicht gegenüber, sondern neben mir. Vom ZDF wissen wir ja, da sitzen sich zweie immer streitend gegenüber. Aber das sind keine spontanen Geschichten – ich wollte eine spontane Veranstaltung.
Ich gab eine Presseerklärung heraus, die natürlich wie üblich in der Presse verstümmelt wiedergegeben wird, wenn überhaupt. Es gibt ja ganze Gegenden, wo immer nur eine Monopolzeitung erscheint, und wenn die nicht wollen oder anders wollen, dann wird eben desinformiert. Also, die Presseerklärung besagt, ich sehe eine gewisse Parallele zwischen Herrn Kunz und mir – ich sage, eine gewisse, bitte. – Wir sind beide Mitte der Zwanzigerjahrgänge, gerade noch in den Krieg gekommen, ich etwas mehr als Herr Kunz, und wir waren Gefangene. Herr Kunz in Polen, ich bei den Sowjets. Wir sind wohl mit der festen Meinung zurückgekommen, dass sich in Deutschland viel, möglichst alles ändern sollte.
Dies der verdammte Grund für unser Engagement im Osten, wo wir ein anderes, ein neues Deutschland schaffen wollten. Die Differenz, so wie ich sie sehe – Herr Kunz muss das jetzt gleich sagen, ob ich das immer richtig gesehen habe, begann im Jahr 1956. Wenn mich meine Informationen nicht trügen, ist Kunz in Berlin genauso mit seiner roten Partei in Schwierigkeiten geraten, wie ich in Leipzig, nur – Herr Kunz ist den Weg gegangen, dass er zu dieser Partei gehalten, hier seine Karriere gemacht hat, und ich musste in den Westen gehen – von da an waren wir – ich sage ausdrücklich – nicht Gegner, sondern Feinde.
Wirkungsaspekte: Vom Ostermarsch 1967, auf dem Hermann Kant und Gerhard Zwerenz sich zum ersten Mal sahen, gibt es dieses Plakat.
Jetzt soll er sagen, wie er es sieht – wir waren doch Feinde, Herr Genosse Kunz? Kunz: Um die Wahrheit zu sagen, ich verab­scheute Sie mindestens so wie Sie mich. Hinz: Wir kannten uns nicht persönlich, wenn ich mich recht erinnere? Ich las Ihre Hasstiraden und wunderte mich – oder wunderte ich mich nicht? Egal, weshalb schickten Sie mir 1957 so giftige Pfeile nach in den Westen? Kunz: Im ND hatte ich alles über Sie, nein, gegen Sie gelesen – Hinz: Ja, wer das ND las -und daran glaubte – Kunz: Dann Ihre anti­kommunis­tischen Tiraden im Westen. Hinz: Sie unter­schreiten Ihr Niveau. Im Osten war ich als Anti­kommunist ver­schrien, im Westen als Moskaubube. Mit Niemöller gemeinsam Hetz­reden gegen die Bombe gehalten. Er wandte sich an die Christen, ich an die Atheisten. Beim Ostermarsch sah ich Sie zum ersten Mal. Ich hielt mich neben Harry Rowohlt, dem riesen­wüchsigen, riesenbärtigen Saufpoeten, der eine mächtige Fahne schwenkte, was mir gefiel. Dem Osten ent­ronnen, vermisste ich als guter Deutscher ein wenig die Fahnen. Zur Pause, ich saß auf einer Parkbank – plötzlich standen Sie einen Meter vor mir. Ich kaute mein Brötchen, Sie starrten mir drauf. Beinahe erschreckt senkte ich den Blick. Als ich aufsah, waren Sie weggewischt. Eine gespenstische Erscheinung. Kunz: Hätt' ich vielleicht höflich Konver­sation machen sollen? Hinz: So wie heute – weshalb nicht? Ich möcht' nur eins wissen, das ist meine Frage jetzt und hier: Weshalb funktio­nierten Sie als Genosse so gut wie geschmiert? Kunz: Aus Disziplin! Hinz: Nein! Kunz: Doch! Hinz: Nichts dazu gelernt, was? Zwischenrufer: Kleines Arschloch! Hinz: Wie bitte? ZwiRu: Kleines Arschloch. Hinz: Ginge es vielleicht ein wenig intellektueller? ZwiRu: Alles Arschlöcher! Alles! Kunz: Es tut mir nicht leid. Als Genosse hielt ich mich an die Disziplin, die in einer belagerten Festung oberstes Gebot sein muss. Hinz: Vorher als Soldat der deutschen Wehrmacht war es ebenso – Kunz: Dachte ich's mir doch. Hinz: Was dachten Sie sich? Kunz: Dass Sie es so drehen würden. ZwiRu: Nazisoldat und roter Parteisoldat alles eine Schmiere. Kunz: Das sah ich nicht so – das sehe ich nicht so. Meine Disziplin in der roten Partei geschah frei­willig – wie – Hinz: Wie der deutsche Landser im freiwilligen Gehorsam in den Krieg zog. Kunz: Darf ich meinen Satz selbst beenden? ZwiRu: Nein! Hinz: Bitte. Kunz: Ich wollte nur ein anderes Deutschland. Nicht das frühere und nicht das heutige. Hinz: Das ist Ihnen ja exzellent gelungen. Das heutige bekamen wir, obwohl wir ein anderes wollten. Ist es also unser Fehler? Kunz: Meiner und Ihrer? Unser beider Fehler? ZwiRu: Auf dem Abfallhaufen der Geschichte gelandet! Hinz: Wenn Sie es weniger wütend sagen könnten, wäre es wirkungsvoller! ZwiRu: Abfallhaufen der Geschichte! Kunz: Wir als die ewigen Sünder der Nation! Wir – die Kranken! Wir – die Idioten! Soll ich mich aufhängen? Vergiften? Erschießen? Wie hätten Sie's denn gern? ZwiRu: Ein paar Nummern kleiner! Kunz: Als Soldat war ich ein Zwerg mit Mord-Waffen. Mitten in der Scheiße steckend schwor ich mir, ich will über mich selbst bestimmen. So wurde ich Sozialist. Hinz: Und stecken wieder tief in der schönen Scheiße. Kunz: Sie etwa nicht? Hinz: Ich warnte beizeiten davor. Kunz: Mit welchem Resultat – bitte? Sitzen wir hier nicht alle verkehrt? Hinz: Weil Sie die Disziplin über die Freiheit stellten. ZwiRu: Schöne Freiheit – ich bin arbeitslos! Hinz: Wie Sie es gewollt und gewählt haben anno 1989/90, 94 und 98 werden Sie es wieder machen. ZwiRu: Ich nicht! Hinz: Heute will's keiner gewesen sein. Sie dachten, das wär die Alternative. Nun da haben Sie Ihre Wunsch­erfüllung. Hinz: Was unterscheidet diesen Irrtum von dem unsrigen? Kunz: Einspruch, Herr Kollege. Hinz: Wogegen? Kunz: Mein Irrtum war größer. Hinz: Nur Ihr Irrtum, Herr Kollege? Und was ist mit den Folgen des Irrtums? Und mit seinen Gründen, die ihn hervorbrachten? Kunz: Versteh' ich's recht, wollen Sie jetzt auf die Schuld-Nudelei hinaus? Sie sind schuldlos – wir Ossis dagegen schuldbeladen bis zum Krummgehen. ZwiRu: Bekennen sollen die sich dazu! Bekennen! Bekennen! Kunz: Menschen gibt es, die von nichts anderem als ihrer Wut getrieben werden. Hinz: Weil ein Schmerz in ihnen sitzt wie der Motor im Kraftwagen. Das möbelt auf. Das gibt die Kraft von 300 Pferdestärken. Kunz: Soll einer wie ich also bekennen, ich bin schuldig, soll kniefällig werden, soll ich jammern und heulen? Mir das Herz rausreißen? ZwiRu: Das und noch viel mehr. Hinz: Nein. ZwiRu: Glück hat er, weil unsere Revolution ohne Rache und ohne Tote verlief. Hinz: Ausgenommen die Selbstmorde. Kunz: Und unsere Toten, die heute vergessen gemacht werden. Ich verneige mich vor meinen ermordeten Genossen. Hinz: Und was ist mit unseren Tätern? Un-Tätern? Kunz: Herr Hinz, mein Einverständnis zu unserem Treffen gab ich in der Hoffnung, wir könnten darüber anders reden als es geschieht.
Beobachtung des wirklichen Lebens im Zeitalter globaler Gehirn­wasch­veranstal­tungen, wobei die üblichen Erin­nerungs­experimente in unerwartete, unerhörte, unbekannte Dimensionen führen, aus denen die glückliche Rückkehr fraglich bleibt. Es gibt keine Alternative. Das Land muss auf die Couch.
Kunz: Herr Hinz, verraten Sie mir doch, ob Sie diese ausgebrochenen modernen Zeiten noch begreifen. Ich meine das, was da so abläuft und uns zu Zeitzeugen macht, ob wir es mögen oder nicht. Wo leben wir denn, im 20. Jahrhundert oder im 4. Jahrtausend oder 1618 oder dreitausend Jahre zurück. Da herrscht ein gewisser Klärungsbedarf. Hinz: Mir erscheint, was geschieht, zugleich plausibel und geheimnisvoll. Manchmal beneide ich die Gläubigen in Christentum und Islam, die sich über Wunder nicht wundern. Kunz: Sie sehen tatsächlich Wunder in dieser Welt? Hinz: Der Gläubige nimmt selbst die Abwesenheit von Wundern für ein Zeichen Gottes. Was Sie verstehen müssten als Gläubiger von gestern. Jedenfalls vor 1989, meine ich, wenn's beliebt. Kunz: Sie warfen mir schon einmal leichtfertige Gläubigkeit vor. Ich bevorzuge, von Ideentreue zu sprechen. Hinz: Einmal sah ich Sie in einer längeren tv-Sendung: Der Herr Dichterpräsident präsidierend, den ersten Mann seines Staates lobredend begrüßend – Sie trugen ein beinahe stolzes Lächeln und so einen Zug von Verlegenheit zwischen beiden Ohren. War Ihnen dabei wirklich wohl? Kunz: Ihr ausgedehntes Interesse an meiner Person könnt' mich rückwirkend geradezu erheben. Wär da nicht mein inneres Stoppschild. Es scheint mir, Sie erblickten mich zugleich schärfer und respektvoller als ich mich selbst. Hinz: Sie distanzieren sich? Kunz: Vielleicht war ich ein Opfer meines blinden Stolzes. Sie kennen dergleichen natürlich nicht? Hinz: Wenn ich Sie zu Gesicht bekam, dachte ich, das hättest du auch sein können. Deutscher Antifaschist, treuer Genosse, aus proletarischem Stall stammend. Ein neuer Mensch. Der neue Mensch. Kunz: Und da erschraken Sie – weil Sie Neid verspürten. Hinz: Weil ich Neid verspürte. Kunz: Tatsächlich, Sie beneideten mich? Hinz: Um Ihre Naivität, den guten, ungestörten Glauben an die Partei, die Zuversicht desjenigen, der auf der richtigen Seite zu stehen meint – das plötzliche Ende der Mauer muss entsetzlich gewesen sein für einen wie Sie – geben Sie's zu, Sie sind aus allen Wolken gefallen. Kunz: Ich hätte mich in den Arsch beißen können, weil bekanntlich das Hirn für die Zähne unerreichbar bleibt. Hinz: So ein kluges Kerlchen und lässt sich von der Geschichte überraschen! In Ihrer werten Haut hätt' ich nicht stecken mögen. Doch – falls Sie Trost benötigen, Ihre Niederlage ging mir an die Nieren. In den vergangenen 32 Jahren hatte ich mich an unsere Feindschaft gewöhnt. Ich hab mich besoffen, als Sie abstürzten. Kunz: Legen Sie deshalb soviel Wert darauf, unsere Feindschaft zu beenden? Hinz: Weil ich Menschen, denen die Gründe ihrer Feindschaft abhanden kamen, für denkfaule Banausen halte, setzen sie die Feindseligkeiten unkorrigiert fort. Kunz: Da müssen Sie, fürchte ich, ein sehr einsames Leben führen. Hinz: Sie nicht? Die Familie weg. Das hohe Amt futsch. Die gesicherte BestseIlerei fraglich geworden. Aus der Akademie geworfen. Vom PEN zum Abgang genötigt. Die alten Freunde klein, hässlich, ums tägliche Brot ringend. Die Feinde hingegen mächtig und in hohen Positionen. Wie überlebt sich's so? Kunz: Herr Hinz, neulich sah ich Sie im Fernsehen, unweit davon einen mir bekannten Polit-Christen. Dissident, Pazifist, Bürgerrechtler war er bei uns gewesen, in der Wende schaffte er es bis zum Militärminister, der unsere Armee auflösen durfte. Seither sitzt er stolz im Parlament, wo Pflugscharen in Panzer und Eurofighter umge­schm­iedet werden. Meinen Sie, unser Christ leide deshalb an einem schlechten Gewissen? Hinz: Christen, wissen Sie, Christen vermögen kraft überirdischer, vielleicht himmlischer Energien jedes schlechte Gewissen in ein gutes umzumontieren. Das macht die einen grämlich und die anderen heiter. Ein beneidenswertes Kunststück. Kunz: Der Vater des Politikers, von dem ich rede, war bei der SS und in Buchenwald KZ-Wächter. Ich will den Sohn nicht für den Vater strafen, aber was ist, wenn Vater und Sohn die gleichen Feinde bekämpfen? Hinz: Ich kenne den superben Fall. Kunz: Superb nennen Sie das? Ist das nicht ein wenig zu salopp? Hinz: Den Vater suchten die Franzosen als Kriegsverbrecher, Ihre Genossen ließen den SS-KZ-Wächter ungeschoren, obwohl er in Ihrem Staat lebte. Der Vater bewachte einst eingekerkerte Kommunisten, der Sohn möchte sie nur fressen. So rächen Hitlers Kinder sich an Hitlers Opfern. Kunz:Sie begreifen das nicht? Hinz: Vater und Sohn sind Ihre Mitbringsel in die deutsch-deutsche Ehe. Bei Ihnen war es so, dass der Sohn die Opfer seines KZ-Wächter-Vaters zu seinen eigenen Feinden erklärte. Kunz: Wenn es etwas nützte, versuchte ich es zu bereuen. Außerdem lässt sich dem Sohn eines Vaters, der Kommunisten und Juden einzusperren und umzubringen half, nicht gut verbieten, Kommunisten zu fressen, findet er nur genügend Geschmack daran. Denn die Kommunisten­fresserei gehört zur stolzen, patriotischen Tradition unseres schönen Vaterlandes, verstehen Sie? Hinz: Bis die Opfer den Spieß umdrehten und Geschmack daran fanden, Antikommunisten zu fressen. Kunz: Von 1918 bis 1945 wurden die Kommunisten verfolgt. Danach im Landesgroßteil wieder. In der kleinen DDR hingegen – Hinz: Drehten Ihre Genossen den Spieß um. Kunz: Stimmen da die Relationen noch? ZwiRu: Jetzt hören Sie mir mal zu. Das stimmt doch gar nicht mit Ihrer Feindschaft. Sie machen uns hier was vor. Gleiche Brüder – gleiche Kappen. Hinz: Geh' ich recht in der Annahme, dass manche uns nicht glauben? Kunz: Es werden wohl Beweise verlangt – ZwiRu: Jawohl! Stichhaltige Beweise fehlen hier! Weil Sie beide rote Genossen sind. Keine Feinde nicht! Nein!

Das nächste Kapitel erscheint nach Ostern am Montag, den 20.04.2009.

Gerhard Zwerenz   06.04.2009    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz