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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 44

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

44

Samisdat in postkulturellen Zeiten

Fred Kautz | Goldhagen
Fred Kautz
Goldhagen und die
›Hürnen Sewfriedte‹
Argument 1998 (2002)

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Fred Kautz – Unruhestifter in Darmstädter Ehrengräbern

Im Jahr 1998 erschien im Argument Verlag ein Buch mit dem verrückten Titel Goldhagen und die ›Hürnen Sewfriedte‹ des in Darmstadt lebenden Deutsch-Kanadiers Fred Kautz. Im Untertitel heißt es »Die Holocaust-Forschung im Sperrfeuer der Flakhelfer«, das war eine furiose Abrechnung mit den westdeutschen Anti-Goldhagen-Historikern Jäckel, Mommsen, Wehler, selbst der links von ihnen positionierte Wolfgang Wipper­mann kriegte noch sein Fett weg, denn sie alle zusammen reagierten auf Goldhagens Buch über Hitlers willige Voll­strecker nicht als Historiker, »sondern als Deutsche«, die ihren Vätern und Lehrern bei der Realitätsflucht nacheiferten und die Hauptfrage nicht zu stellen wagten, die lautet: »Warum wurden Befehle befolgt Kautz: »Sie möchten also, wie Bracher bereits Mitte der siebziger Jahre bemerkte, die Frage nach Verantwortung und Schuld am liebsten beiseite schieben
Dies ist exakt die Frage, vor der die deutsche Rechte kneift und mit pauschalen Anklagen gegen die Sowjets reagiert. Der Verweis auf GULAG soll den Holocaust erträglicher machen ganz wie beim Streit um die Wehr­machtausstellung, wo ein Bildersturm die Bewertung der Wehrmacht in der Kriminalgeschichte Deutschlands kaschierte und verfälschte.
Kautz, der sich auf den Darmstädter Soziologen Helmut Dahmer stützte und im Quellenverzeichnis ostdeutsche Literatur nicht, wie bei anderen üblich, unterschlug, unterlag seither der Omerta, dieser Praxis mafiöser (Geheim-) Bünde. Denn eine offene ehrliche Replik verlangte schonungslose Selbstanalyse. Möglicherweise fielen dabei Perlen aus den Kronen. Also wurde eisern geschwiegen.
Das Buch von Kautz eskaliert damit zum Teil einer sich bildenden neuen Samisdat-Szene, zu der allerhand kleinere Zeitschriften und immer mehr Bücher gehören, die als Nachfolger der vergangenen Underground-Literatur gelten können, wie die Bonner Republik sie in den siebziger Jahren und die DDR ansatzweise in den achtzigern kannte. Zur gegenwärtigen Variante rechne ich auch die bisher erschienenen Folgen von Schröder erzählt. Jörg Schröder pfeift auf honorige teure Verlags-Editionen und bietet vierteljährlich im eigenen MÄRZ Desktop Verlag eine Folge seiner untergründigen Erzählungen. Die einzelnen luxuriös und technisch perfekt produzierten Hefte sind nicht billig, doch für einige hundert Interessierte unverzichtbar, weil hier der übliche Massenschund ebenso wie die staatsnahe Literatur ungnädig realitätsscharf gekontert wird. Schröder erzählt die andere Kultur-, Kapital- und Politgeschichte der Bonn-Berliner Republik, und spätere Historiker, so sie nicht am üblichen Kunsthonig kleben bleiben wollen, werden zu dieser Quelle gehen müssen, statt den Biografien der Staatsschauspieler und den amtlichen Geschichtslegenden ihrer Wissenschaftspriester und literarischen Schleppenträger zu folgen.
Samisdat auch, wo es so illuster hergeht wie im Leipziger Verlag Faber und Faber. Hier erscheint die inzwischen verdrängte DDR-Literatur in Neu­ausgaben, so Hermann Kants Impressum, Heiduczeks Tod im Meer und Horns Ende von Christoph Hein. Wer im zeitlichen Abstand etwa Kants Die Aula und Der Aufenthalt liest, wird jenseits aller politischen Tages­feindschaften ermessen, wieviel klüger und humanistischer diese DDR-Romane waren, verglichen mit der Politik von Partei und Staat. Die Literatur enthält eine Spannweite, die erst durch staatliche Repression zerstört werden konnte, nicht ganz unähnlich den Bonner Verhältnissen, wo der Macht die diktatorische Gewalt fehlte, ihre Abneigung gegen oppositionelle Bücher in direkten Zwang umzusetzen. Gehetzt und diffamiert wurde hier wie dort.
Die Tendenz zur Zweiteilung von Kultur und Literatur hält unvermindert an. Ein Autor der einstigen DDR-Weltbühne wie Lothar Kusche publiziert im Eulenspiegel-Verlag Bücher und ist doch um sein früheres Wirkungsfeld gebracht, wie auch der Verlag selbst an Kraft einbüßte. Bei Christa Wolf herrscht privater Rückzug vor, weil ungewohnte Feindseligkeiten abschrecken. Hermann Kant, Erik Neutsch u.a. unterliegen den Verwit­terungs­prozessen, die von den Feuilleton­kommandeuren der postmodernen Medien gesteuert werden, wobei langsame Nachhaltigkeit die Nebel, Tauwetter und neuen Vereisungen einander abwechseln lässt. Sogar die bürgerrechtlichen Verlautbarer, die ab 1989 Donnergott spielen durften, erweisen sich jetzt als ab- und ausgeleiert. Der schrillste Biermann-Ton wird zum Pfeifen aus dem letzten (Arsch-) Loch, und schon sponsern die Knallchargen der Pfeffersäcke den Pfeifenkopf. So ziemlich das gesamte DDR-Kultur-Erbe schrumpft auf die Prinzipien Denunzieren, Wegwerfen, Vergessen ein. Wer sich dagegen zu wehren versucht, wird zwangsläufig zum neuen Samisdat. Denn das vereinigte Land hat für Widerspenstiges keine Verwendung, und das ist gut so, weil es subversive Energien weckt und die offizielle nicht-subversive Literatur sich mehr und mehr ins bloße Propagandagedröhn zu Ehren der jeweils neuen Machthaber verwandelt.
Fred Kautz | Wehe der Lüge!
Fred Kautz
»Wehe der Lüge!
Sie befreit nicht ...«
Edition AV 2008

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Inzwischen ist das Kautz-Buch unter dem schlankeren Titel Die Holocaust-Forschung im Sperrfeuer der Flakhelfer in dem staunenswert munteren hessischen Verlag »Edition AV« neu erschienen. Vervollständigt mit Wehe der Lüge! Sie befreiet nicht … von einem skan­dalierend tiefgründigen zweiten Band gefolgt, an dem Georg Büchner mindestens mitgewirkt haben muss. Kautz nimmt sich darin den »Umgang mit der NS-Vergangenheit im Stadtlexikon Darmstadt« als »Ein deutsches Beispiel« vor. Darmstadt als Exempel? Ins Schwarze getroffen.
Ich erinnere mich einer alten russischen Mär, da hebt ein Gott oder Teufel die Dächer der Häuser hoch, um darunter zu schauen. Kautz blickt in Darmstädter Gebäude und Grab­stätten und entdeckt in zu Ehrengräbern ernannten Bestattungsgruben vielerlei Helden-Ungetüme. Die Toten-Stories sind sagenhaft. Ordens­geschmückte Skelette stehen auf, des Führers Begleitpersonal nimmt die Parade am Ehrenhain ab. Wer sich in diese deutschen Ehrengräber zu schauen traut, ohne mit Wutanfällen zu reagieren, sollte sich vorher besaufen. Das Buch bietet ein Panorama Darmstädter Katakomben. Den ersten elektrisierenden Stoß erhielt ich auf Seite 24, da ist vom Darmstädter SS-General Karl Wolff und den Erschießungen in Minsk die Rede, erweitert auf Seite 31 mit Himmlers Besuch dort, wo er sich einen Eindruck von den Liquidationen verschaffte. Mein Verhältnis zum nicht weit von unserem Wohnort gelegenen Darmstadt war und ist von guten Erfahrungen geprägt. Gern und oft schrieb ich darüber. Das Negative bagatellisieren wir aus Sympathie mit Freunden. Das zweite Kautz-Buch wurde mir noch stärker als das erste zum Fegefeuer im Gedächtnistheater. Von der Flakhelferschaft bis Hauptmann Dregger, von Wolff (SS) und Best (SS) bis Mengele und Stark (Mordhandlanger) hin zu Carl Schmitt und Richard Wagner (Antisemitismus) reicht dieses Panoptikum einer Stadtgeschichte, denn auf alle diese Namen stieß Kautz bei seiner Erforschung Darmstädter Friedhöfe mit ihren seltsamen Ehrengräbern, wo nicht der Hund, aber ein erstaunlich großer Teil der hündischen deutschen Vergangenheit begraben liegt.
 
Jörg Schröder, Barbara Kalender, Gerhard Zwerenz

Jörg Schröder, Barbara Kalender, Gerhard Zwerenz

Von dem einen Untergrund zum anderen. Von Jörg Schröder und Barbara Kalender soeben Wie der Bär flattert gelesen. In den »Vor­bemerkungen zu dieser 50. Folge« entwickeln sie ihr Programm: »Als wir im Februar 1990 die Einladung zur Subskription von ›Schröder erzählt‹ verschickten, gab es noch keinen Text, sondern nur den Titel der ersten Folge: ›Glückspilze‹. Aber wir hatten ein juristisch wasserdichtes Konzept ausgeklügelt, welches allerdings nur mit Hilfe der neuen Desktop-Technik zu verwirklichen war. Nach ökonomisch leidvollen Erfahrungen mit dem MÄRZ Verlag wollten wir dieses Mal alles besser machen: Den Text erst erzählen, wenn die Subskribenten bezahlt haben und kein Lager mehr aufbauen. Das hat bis heute funktioniert, jetzt haben wir die stolze Zahl von 50 Folgen erreicht. Und wir sind in Deutschland vermutlich die einzigen nicht marktkonformen Autoren, die von ihrer Arbeit ohne Preis- und Ehrensoldschnorrereien, Antichambrieren bei Institutionen oder andere entwürdigende Aktivitäten leben können – im Rahmen nobler Bescheidenheit, versteht sich. «
Gut gebrüllt, Löwin und Löwe, das ist ein gewagter Weg. Wir sind von Anbeginn Sympathisanten. Und vorher auch schon. Das waren die 60er Jahre.
Inzwischen lassen wir den beiden die Ossietzky-Hefte zukommen und hier trifft jedes Exemplar von Schröder erzählt zuverlässig ein, handschriftlich signiert als Nr. 100. In der 50. Folge wurde Klassenkampf en miniatur angekündigt. Über das gegängelte Supermarktpersonal heißt es: »Es wird nicht mehr lange dauern, bis eine Kassiererin mal durchknallt und einen … Wüterich mit der Stangensalami erledigt (S. 23). Auf Seite 63 sind wir im Jahr 1964, Bernward Vesper und Gudrun Ensslin geben die Anthologie Gegen den Tod – Stimmen deutscher Schriftsteller gegen die Atombombe heraus. Irgendwo hier im Haus müssen noch Autorenexemplare dem aufgeschobenen Atomkrieg entgegendämmern. Schröders wilde Kulturjagd, nachmals Schröder & Kalender, also Jörg und Barbara beschicken und notieren die westdeutsche Underground-Geschichte aus radikal subjektiver Perspektive. Die Mischung von Genie & Geschwätz ist von Fall zu Fall entweder Dynamit oder Knallfrosch, z.B. » ...der alte Frundsberger Grass« oder »Helmut Markwort, Chefredakteur des linksradikalen Wochenmagazins Focus ...« Warum auch nicht linksradikal, wenn jeden Montag im Spiegel Augstein selbstgemordet wird wie Ulrike Meinhof. »War der Verleger Joseph Kaspar Witsch ein CIA-Agent?« fragt Jörg auf S. 34 scheinheilig und: »Ich weiß das alles so genau, weil ich von 1962 bis 1965 Werbeleiter im Hause Kiepenheuer und Witsch war.« Ich weiß das auch genau, denn seit der Kölner Zeit kennen wir uns. Vor Witsch warnte mich damals Hans Mayer und Witsch warnte mich vor Mayer. Beide kannten sich aus Jugendzeiten. Wer war US- wer SU-Agent? Jörg Schröder startete später seine Karriere als Verleger und schoss eben die 50. Folge seiner märchenhaft polemischen Schwarzen Serie in den eifrig wabernden Kulturraum, wo das offizielle Heroentum noch nicht mal zum Karnevalsauftritt reicht.
Jörg Schröder ist Berliner, Jahrgang 1938, Westgänger und Kulturimporteur aus den USA der Anti-Vietnamkriegs-Vergangenheit, Avantgardist und Sammler einer Schar irrer Poeten, die zwischen Hungertuch und Bestsellerei herumwankten. Trotz Pleite und Herzinfarkt steht der verbale Kaskadeur jeden zweiten Tag verjüngt wieder auf. Wie viele Infarkte verkraftet der Mensch? Jörg dreht beim Telefonieren auf als steuere er seinen 77sten an. Die Infarkt-Brigade zieht ihres Weges. Man hat ein Ziel. Aber welches? Bei Jörg Schröder weiß ich ebenso wie bei Otto Köhler – sie sind unfähig zum kleinsten Kompromiss mit Nazi-Deutschland samt seinen Folgen. Auf beide ist Verlass. Ein Fall für Raritätensammler. Die Begleitumstände dieses Lebens mit Olympia Press und März-Verlag sind bereits ins Marbacher Literatur-Archiv eingeordnet – Rückblick auf die Antike der 68er, die den fatalen Ausweg in die brave Karriere scheuen und eine Kultur des aufrechten Ganges versuchen. Bis zum letzten Atemzug. Und wenn ganz Deutschland in der kopflosen Einigkeit des Gedächtnisverlustes erstarrt.
In unserem über ein Halbjahrhundert gewucherten Dschungel-Archiv findet sich ein Bündel Notizen zu gemeinsamen Aktionen, und weil die Großmäuler des Kapitals zusammen mit ihren PC-Kulis die Jagd auf die 68er so fleißig betreiben wie sie ihre Nazi-Eliten plus Bagage lebenslang beschützten, erheben wir uns von den Stühlen zum Salut auf 1968. Da vom »alten Frundsberger Grass« die Rede war, sprechen wir vom jungen Wehrmachtssoldaten Ratzinger, den der Danziger laut eigener Erinnerung im Kriegsgefangenenlager traf. Es begegnen sich eben immer die richtigen Leute. Ratzinger nun, in Benedikt umgetauft, stufte kürzlich die Protestanten zur Nichtkirche hinab und erledigt in seiner Enzyklika Gerettet auf die Hoffnung hin – spe salvi die notorischen Kirchenfeinde Francis Bacon, Marx , Lenin, Adorno, Horkheimer. Ob er auch Bloch niedermacht, können wir nicht beurteilen, denn wir lasen aus der 64 Seiten umfassenden päpstlichen Philippika nur einen Auszug, den das vatikanische Amtsblatt FAZ seinen Gläubigen und Gläubigern präsentierte. So erlauben wir uns der Vollständigkeit halber auf unser Buch Sklavensprache und Revolte – Der Bloch-Kreis und seine Feinde in Ost und West zu verwelsen, wo wir auf Seite 304/5 Ratzinger, heute Benedikt, aus seiner Tübinger Zeit zitieren, z.B.: »Ernst Bloch lehrte nun in Tübingen und machte Heidegger als einen kleinen Bourgeois verächtlich.« Offensichtlich eine Todsünde. Die mit dem ehemaligen Leipziger Philosophen Bloch verbundene »marxistische Versuchung« verdeutlicht, weshalb Ratzinger den Kampf für sein von »existentialistischer Reduktion bedrohtes Christentum« aufnehmen musste.
Am Anfang aber standen wie bei Jörg Schröder die verdammten revolutionären 68er, deretwegen und wegen Bloch der verstörte Professor Ratzinger von Tübingen bis nach Rom entwich, von wo aus er nun, ganz schwarzer Fundi, selbst die eigenen Gläubigen ins Fegefeuer schicken will. Eine Lösung für die schwierige irdische Energiefrage ist das aber auch nicht.
 
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Als ich in Ossietzky 25/07 über die Schwarze Serie von Schröder und Kalender schrieb, erwähnten sie in ihrer taz-Blog-Antwort vom 20.12.07 jenen Bischof Dyba, der mir seinerzeit eine Lesung aus meinem Buch Soldaten sind Mörder im Fuldaer Kolpinghaus verbieten ließ. Nun stieß der Tucholsky-Satz, den ich mir 1988 als Buchtitel auszuwählen erlaubte, weil er meinen eigenen Kriegs­erfahrungen entsprach, auf vielerlei Missfallen. Darüber ein andermal. Jetzt nur soviel: Für den 18. Oktober d.J. ist in Fulda 20 Jahre später schon wieder eine GZ-Lesung angesetzt. Statt um Soldaten sind Mörder geht es dabei um Weder Kain noch Abel. Bischof Dyba wurde inzwischen zu seinem himmlischen Vorgesetzten abberufen. Ich, mit 83 Jahren auch nicht mehr ganz taufrisch, pflege nur noch selten öffentlich aufzutreten. Dyba-Dreggers Fulda aber, man wird's verstehen, ist mir eine Reise wert.
Zwei heiße Termine seien angemerkt: Erstens feiert der Verlag Edition AV am 2. August ein Fest der Literatur im hessischen Lich, von welchem Ort ich bisher nur ein gutes Bier kannte. Jetzt sammeln sich im Licher Bürgerhaus allerhand lebende und tote, also überlebende Dichterinnen und Dichter wie Leo Tolstoi, Pierre Josef Proudhon, Lily Zografou, Horst Stowasser bis hin zum köstlichen Darmstädter Ehrengrabschänder Fred Kautz. Ein höflicher Rat an die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung: Das Kautz-Buch Wehe der Lüge! Sie befreiet nicht … passte vorzüglich für die nächste Akademie-Tagung …

Schröder Texte-Kassette für 1.750 Euro
Foto: Martin Eberl
Martin Schmitz Verlag

Zweite Information: Der Martin Schmitz Verlag aus Berlin, Lützowstraße, bietet zum 70. Geburtstag von Jörg Schröder die 50 Folgen von Schröder erzählt in Jubiläumskassette signiert und mit einer limitierten Auflage von 70 Stück an. Der Preis: 1.940 Euro. Subskriptionspreis bis 31.12.2009: 1.750 Euro. Das ist günstig. Wer die 50 Folgen von 1990-2008 einzeln bezog, zahlte mehr. Die jeweils kleinen Auflagen ziehen Wertsteigerungen nach sich wie in der Bildenden Kunst und früher einmal bei Arno Schmidt. Was bedeuten solche Summen schon als Entgelt für'n halbes Leben. Unsere neuesten Kriegs-U-Boote, die wir teils verschenken, verkaufen oder selber nutzen, kosten pro Stück ne schlappe halbe Milliarde.
 
Sklavensprache XII

Sie beherrschten die Bildschirme, die
Lehrpläne, Ministerien, die Zeitungen
und Buchdruckereien, die Armee sowie
das Freiwilligenheer der Höflinge.

Der Slang der Technik floß aus ihren
ständig geöffneten Mäulern. Ihren
Nutzen berechneten sie bis auf
tausend Stellen hinterm Komma.

Im Parlament beriefen sie sich züngelnd
auf den Gemeinnutzen. Bescheidenheit
predigten sie, mit salbungsvollen
Bibelsprüchen jonglierend.

Die heimlichen Schweinepriester, die
Maden im Speck. Wozu aufregen, sprach der
Filosof. Fallen wir denen nicht in
den Arm, die sich ihr Grab selber schaufeln.

Am Montag, den 4. August 2008, erscheint das nächste Kapitel.

Gerhard Zwerenz   28.07.2008   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen  empfehlen

Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz