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Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein
Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner lite­rarischer Gedenks­teine in Form eines Gedichtes jüngst ver­stor­bener Dichter, über­wiegend fremd­sprachiger, aber auch deutsch­sprachiger. Aus­gangs­punkt sind unter ande­rem aktuelle Todes­mel­dungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.

Liste der Stelen   ↓

 

J. H. Prynne
(Bromley 1936 – Cambridge 2026)



Strafen nach Routine

Raffe das Halsband Glied für Glied,
in rascher Übereinkunft wird ausgeschlossen,
was schon die Gewohnheit will. Das steht felsen-
fest als Warenzeichen mit eingeräumter

Toleranz im Ausschlag als wählte man so
im Swing einen schönen neuen Schirm. Nichts
ändert die Absicht nichts zu ändern,
oder der Status ist unrein fundiert.

Das Halsband klickt sich ein am Rückstau der Echos,
ein Feld blinkt auf: kein Kommentar
eine hübsche Reglerdose, ein Stoßdämpfer vielleicht
bremst den Ausstoß auf gemeine Freizeitforderungen.

An der Halslinie wird dein eben gegebenes Wort
durch Stimmdruck blockiert, purer Zement
über dem Radius des Unreinen säubert die Lexik
als spräche man eifrig weiter so, weiter so, um

Schutz zu suchen an der Wartemauer des Geldes,
unberührt von den neureichen Lümmeln unter der Markise.
Das muß das Klatschen wartender Hände sein,
das in einem floralen Druck auf dem Ausschuß vergeht,

So weiß und zart wie versprochen, gehorcht es
der Hoffnung an sich, die bei genauer Feineinstellung
die Zündfunken treibt. Iß wenig
und rede nicht viel, wenn du im Mund blutest.

Aus dem Englischen von Michaela Schrage-Früh und Hans Thill. Aus: Hans Thill (Hg.) Wozu Vögel Bücher Jazz? Gedichte aus England. Wunderhorn, Heidelberg 2005.

 

»Prynne ist zu 100 % reine poetische Diktion. Nur dass diese poetische Diktion exponentiell erweitert ist. Und Prynnes ›Schwierigkeit‹ ist unsere Schwierigkeit. Wir haben den Faden verloren; den Bubble-Plot, die mystische Reise von der Authentizität zur Authentizität über die aktuelle Verfremdung, und es gibt kein Authentisches Zuhause, ausser ich hantiere im Steinbruch des Pennine-Garten Centers im Mai mit Steinen herum oder Tony Lopez macht sein eigenes außergewöhnliches Ding.«
Michael Haslam

 

J. H. Prynne wurde 1936 in Bromley (Kent) geboren und studierte an der University of Cambridge, wo er später englische Literatur lehrte und als Bibliothekar tätig war. Seine wissenschaftliche Arbeit galt vor allem der englischen Renaissance und ihrer Sprachtradition. Parallel dazu entwickelte er ein eigen­ständiges dichte­risches Werk von hoher sprachlicher Komplexität, das ihn zum bedeu­tenden Vertreter des britischen Spät­moder­nismus machte. Zu seinen wichtigsten Ver­öffent­lichungen zählen The White Stones (1969) und Kazoo Dreamboats (2011) sowie die Gesamtschau seines Schaffens in den ver­schiedenen Ausgaben von Poems (zuletzt erweitert 2024; deutsch 2007 bei Das Wunderhorn). J. H. Prynne starb im April im Alter von 89 Jahren in Cambridge.