Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein
Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner literarischer Gedenksteine in Form eines Gedichtes jüngst verstorbener Dichter, überwiegend fremdsprachiger, aber auch deutschsprachiger. Ausgangspunkt sind unter anderem aktuelle Todesmeldungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.
(Wels 1951 – Sandhausen 2026)
heute nacht träumte ich von zu hause
ich ging den weg der ins dorf führt
im kreis
ich wußte daß die brücke folgen wird
da standen weiß
die blühenden schlehen mir vor den füßen
Aus: Abschied, Laut und Wahrnehmung. Gedichte. Heidelberg, Wunderhorn 1994
»Lippets Arbeiten erzählen volksliedhaft von Abschied und Erinnerung. Sie umkreisen beharrlich das Elterndorf und seine Geschichten, die Wege und Felder, die einzelnen Häuser, die Tiere und die Menschen darin, einsam im rumänischen Winter.«
Michael Buselmeier
Johann Lippet wurde 1951 in Wels (Österreich) geboren und wuchs im rumänischen Banat auf. Nach einem Studium der Germanistik und Rumänistik in Temeswar arbeitete er als Deutschlehrer und Dramaturg am Deutschen Staatstheater Temeswar. In den 1970er-Jahren gehörte er zu den Mitbegründern der regimekritischen Aktionsgruppe Banat. 1987 übersiedelte er nach Deutschland und lebte seit 1998 als freier Schriftsteller in Sandhausen bei Heidelberg. Zuletzt veröffentlichte er den Gedichtband Kopfzeile, Fußzeile (2016) und das Romanfragment Franz, Franzi, Francisc (2019). Er erhielt unter anderem den Debütpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes (1980) soie den Deutschen Sprachpreis (1989). Johann Lippet starb im Oktober 2026 im Alter von 75 Jahren in Sandhausen.